Kein Schlange stehen beim Einchecken, kein lästiges Umsteigen und kein langes Warten bei der Zoll- und Passkontrolle: Wer mit einem Privatjet reist, geniesst exklusiven Service. An Bord wird die Gänseleberpastete aus dem Pariser Lieblingsrestaurant mit passendem Wein serviert, Spezialwünsche werden einem von den Augen abgelesen. Alles ist diskret und effizient.
Immer mehr Schweizer Manager gönnen sich diesen Luxus über den Wolken. Allein die Privatfluggesellschaft Netjets verbuchte im 1. Halbjahr in der Schweiz mit 2100 Flügen 40% mehr als noch im 2004. Im September absolvierte Netjets 360 Flüge von und in die Schweiz, ein Jahr zuvor waren es 100 weniger. Von den über 500 Flughäfen, die Netjets in Europa bedient, wurde Genf am dritthäufigsten angeflogen, Zürich landete in dieser Rangliste auf Platz 8. In Genf geht bereits ein Drittel aller Flugbewegungen auf das Konto von Privatjets, 2004 waren es 30000 Starts und Landungen.
Auch die auf Geschäftsflüge spezialisierte Jet Aviation wächst Jahr für Jahr um 10%. Das bis im Oktober von der Familie Hirschmann kontrollierte Unternehmen mit Sitz in Zürich wurde vor kurzem von der Beteiligungsfirma Permira übernommen. Der Grund: Jet Aviation soll in einen börsenreifen Marktführer transformiert werden. Bereits heute gehört sie mit einem Umsatz von 724 Mio Fr. und einem Reingewinn von 62,2 Mio Fr. zu den grössten Anbietern für Geschäftsreisen. Das weitere Wachstum im Milliardenmarkt ist garantiert: Bis 2010 sollen zu den heute weltweit 14000 Privatjets knapp 4000 weitere dazukommen (siehe Grafik).
Bedürfnis nach Anonymität
Neben den aufstrebenen Märkten in Osteuropa und der Einführung von Jets für Langstrecken hat auch die Verunsicherung durch Terroranschläge zum Boom der Privatmaschinen beigetragen. «Das Grounding der Swissair und die Verunsicherung durch den Terrorismus haben uns einen positiven Impuls gegeben», sagt Peter Zuppinger, Senior Vice President Netjets Schweiz und Österreich. Auch die Unzufriedenheit mit den Dienstleistungen an Bord der öffentlichen Fluggesellschaften hat den privaten Anbietern einen markanten Auftrieb beschert. «Denn anders als bei den Linienfluggesellschaften können wir immer den gleich hohen Qualitäts- und Servicegrad anbieten.»
Den Geschäftsreisespezialisten in die Arme spielt auch das zunehmende Bedürfnis von Managern und Verwaltungsräten nach Anonymität. Zuppinger: «Wenn eine Firma eine eigene Flotte hat, weiss man immer genau, wann jemand wohin unterwegs ist.» Das könne im Wettbewerb ein gewichtiger Nachteil sein.
*Zeitgewinn gibt den Ausschlag*
Das beste Argument für den Einstieg in den Privatjet geben jedoch der Zeitgewinn und die Kosten. Durch eine effiziente Gepäckabfertigung, kurze Checkin-Zeiten und die Wahl des am nächsten gelegenen Flughafens können schon auf kurze Distanzen einige Stunden wettgemacht werden. Ein Beispiel: Fliegt ein Manager mit einer traditionellen Fluggesellschaft von London nach New York, braucht er vom Checkin, bis er durch den Zoll geschleust ist, rund zehneinhalb Stunden. Dieselbe Reise mit einem Privatjet dauert knapp acht Stunden. Da Termine flexibel geplant und Jets einige Stunden vor dem Abflug geordert werden können zahlen sich selbst Preise von 5500 Dollar pro Stunde für viele Unternehmen aus (siehe Kasten).
*Jet weicht dem Helikopter*
Die meisten Kaderleute steigen nicht wegen der Annehmlichkeiten in einen Privatjet, sondern um die Effizienz zu erhöhen. Um noch näher an den Zielort zu kommen, werden immer häufiger Helikopter eingesetzt, die beinahe überall starten und landen können. Da die Zeit immer teurer wird, gerade für Kaderleute, sind die Privatjet-Anbieter trotz zunehmender Konkurrenz voller Optimismus. Zuppinger: «Momentan haben wir 70 Kunden in der Schweiz. 70000 Personen wären aber finanziell in der Lage, unsere Angebote zu nutzen. Dieses Verhältnis zeigt etwa unser Wachstumspotenzial.»

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