Seit dem Ausbruch der Sub-prime-Krise und der daraus resultierenden globalen Finanz-/Wirtschaftskrise wurde sehr viel geschrieben. Jetzt sind wir aber an einem Punkt angelangt, an dem niemand richtig weiss, wie es weitergehen soll. Ratlosigkeit und eine gewisse Portion Frustration machen sich breit, sei dies bei Politikern, Investoren oder auch in der breiten Bevölkerung: Viele stellen fest, dass die Krise sie selber getroffen hat oder noch treffen könnte und dass die Aussichten für die nahe Zukunft nicht allzu rosig sind.

Wir blicken auf eine Zeit des exzessiven Leverage zurück: Banken finanzierten sich über Spareinlagen und vergaben pro Spareinheit ein Vielfaches an Kredit - Kredite waren und sind auch in Zukunft der Motor einer Wachstumswirtschaft. Fakt ist, dass viele einzelne Marktteilnehmer die Möglichkeiten des Finanzsystems ad absurdum ausgereizt haben, was leider nichts mit nachhaltiger Wertsteigerung zu tun hat. Nun holt uns die Realität ein und Finanzinstitute sind gezwungen, ihre Bilanzen zu restrukturieren und die Bilanzsumme zu reduzieren. Sauerstoff wird dem Wirtschaftskreislauf sukzessive entzogen. Eine gefährliche Gratwanderung, aber alle rufen zurzeit nach Sicherheit, und gerade diese hat bei Kreditgebern eben ihren Preis.

Attraktive langweilige Anlagen

Auch Privatkunden, welche in dieser Finanzkrise und der daraus resultierenden Börsenbaisse substanzielle Anlagevermögenswerte verloren haben, sei dies mit Unternehmensanleihen, Aktienanlagen, Hedge-Fonds oder Rohstoffinvestitionen, besinnen sich zurück und setzen nun auf Sicherheit und Transparenz bei der Auswahl ihrer Anlagen. Entsprechend widerspiegelt sich diese Unsicherheit in der Anlagestrategie. Ein regelrechter Ansturm auf bis anhin als langweilig verschriene Anlagekategorien wie Staatsanleihen, physisches Gold und Geldmarktbuchforderungen bei der Eidgenossenschaft stellt sich ein; plötzlich erschei-nen diese Investitionsmöglichkeiten als unglaublich attraktiv.

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Ungewisse Perspektiven führen zu diesem «Back to basics»-Verhalten, und oberstes Ziel des Investors ist es, im jetzigen Moment nicht noch mehr Vermögen zu verlieren. Ein eher schlechtes Zeichen für die Märkte, denn erst wenn das Vertrauen zurückkehrt, sind Käufer da und die Kurse können wieder steigen.

Wann denkt der Investor, dass die negativen Nachrichten endlich in den Kursen enthalten sind und sich ein sogenannter Rebound einstellen könnte? Weder die Kunden noch die Spezialisten kennen diesen Zeitpunkt. Aus dem Verhalten der Investoren lässt sich im Moment leider kein konkretes Denkschema ableiten, da das Marktumfeld noch immer durch Richtungslosigkeit geprägt ist. Noch immer folgt Hiobsbotschaft auf Hiobsbotschaft.

Oft wurden in den vergangenen Börsenjahren gewisse Risikoelemente einfach ausgeblendet. An diesem Verhalten sind sowohl Kunden als auch Finanzdienstleister mitschuldig, obwohl beide das einfache Gesetz «Risiko-Rendite-Erwartung» kennen.

Nach einem turbulenten 2008 gelangen aber wieder genau die gleichen Experten an die Privatinvestoren mit dem Hinweis, dass Aktien historisch noch nie so günstig waren wie jetzt. Günstig im Verhältnis wozu? Und wie weiter? Soll man die angebliche Gunst der Stunde nutzen und einsteigen oder doch noch lieber zuwarten? Obwohl es taktisch durchaus Sinn machen könnte, bei gewissen dynamischen Anlageopportunitäten einzusteigen, zeigt aber die in den vergangenen Jahren gewonnene Erfahrung, dass Privatinvestoren nach einem solchen «annum horribilis» eher noch auf der Bremse stehen. Viel zu tief sitzt der Schock des Erlebten.

Ein guter Mix von Qualitätsanlagen kann mittelfristig stabile Renditen abwerfen. Die meisten Anleger berufen sich bei ihren Investitionsentscheiden auf historische Daten, doch es ist wohl die Zeit gekommen, bekannte Denkmuster zu hinterfragen. Eine breit abgestützte Diversifikation der Anlagen ist aber noch immer unabdingbar.

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Geldmarktanlagen und Staatsobligationen sind wohl als stabilisierender Faktor eines Depots zu sehen. Dazu gesellen sich attraktive Anleihen von Unternehmen, welche in der Krise auch relativ stabile Gewinne erwirtschaften können. Neben diesen traditionellen Anlagen dürfen im Port-foliokontext durchaus auch gewisse dynamische Positionen beigemischt werden. Denn beispielsweise nach der massiven Korrektur bei gewissen Rohstoffen ist ein Wiedereinstieg in Aktien eines Branchenleaders durchaus überlegenswert. Mittelfristig können gerade solche Anlagen wieder attraktive Gewinne abwerfen.

Auf Nachhaltigkeit ausgerichtet

In diesem Sinne kann man dem jetzigen schwierigen Umfeld für eine solide langfristige Anlagestrategie durchaus auch gute Seiten abgewinnen und das sogenannte «Back to basics-Verhalten» führt uns wieder zu einem vorsichtigeren Investieren. Man wägt die Risiken wieder gegen die Gewinnerwartungen ab und lernt, Prioritäten wieder ins richtige Licht zu rücken. Ziel darf nämlich nicht die kurzfristige Gewinnmaximierung sein, sondern vielmehr soll die Strategie auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden, und diese setzt in erster Linie auf Vermögenserhaltung und erst nachher auf risikoadjustiertes Vermögenswachstum.

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