Die Unternehmenssteuerreform II bringt auf den Beginn des nächsten Jahres die Möglichkeit, die Besteuerung von Liquidationsgewinnen bei Liegenschaften beim Übergang vom Geschäfts- ins Privatvermögen zumindest teilweise aufzuschieben. Dabei soll nur noch auf den wiedereingebrachten Abschreibungen abgerechnet werden. Die Liegenschaften werden danach dem privaten Vermögen zugerechnet. Auf die aus ihnen resultierenden Erträge muss keine AHV mehr entrichtet werden. Diese Regel gilt allerdings nicht für Liegenschaftshändler.

Bei einer späteren Veräusserung (die Erbteilung gilt als eine solche, der Erbgang jedoch nicht) gilt der Verkaufserlös abzüglich des seinerzeitigen Überführungswertes als Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit. Darauf werden die Einkommenssteuer und die AHV erhoben. Investitionen, die nach der Überführung vorgenommen werden, können vom steuerbaren Erlös abgezogen werden.

Alterslimite

Mit der Reform sollen Personenunternehmen beziehungsweise Selbstständigerwerbende in den Genuss einer privilegierten Besteuerung von Liquidationsgewinnen gelangen. Jedoch nur, wenn der Unternehmer älter als 55 Jahre ist oder wegen Invalidität die selbstständige Erwerbstätigkeit aufgibt. Dabei kann vom Liquidationsgewinn der letzten beiden Geschäftsjahre die Summe eines möglichen Einkaufs in eine Vorsorgeeinrichtung abgezogen werden. Der verbleibende Liquidationserlös wird getrennt vom übrigen Einkommen besteuert.

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Allerdings ergeben sich hier einige offene Fragen. Einerseits besteht bei freien Berufen aufgrund der Rechtsprechung eine selbstständige Erwerbstätigkeit, solange das Inkasso von ausstehenden Kundenguthaben läuft. In solchen Fällen dürfte der eigentliche Liquidationsgewinn nicht in die Bemessung der privilegierten Besteuerung einfliessen, da die letzten zwei Geschäftsjahre nur noch aus dem Inkasso einzelner Rechnungen bestehen. Das ist fragwürdig. In der Praxis wird man hier Lösungen mit den Steuerverwaltungen finden müssen.

Komplexe Regeln

Anderseits gilt als invalid nur, wer entsprechende Leistungen gemäss Invalidenversicherungsgesetz bezieht. Dies ist jedoch zu einschränkend. Es wäre besser, wenn auch der Nachweis der objektiven Unmöglichkeit einer weiteren konkreten selbstständigen Erwerbstätigkeit möglich wäre.

Die Regeln zur Besteuerung des Liquidationserlöses sind komplex. Zudem sind die Besteuerungsregeln von Bund und Kantonen unterschiedlich. Im Grundsatz muss zwischen der Besteuerung eines fiktiven Einkaufes und jener des übrigen Liquidationserlöses unterschieden werden. Zuerst wird die fiktive Einkaufssumme berechnet und privilegiert besteuert. Der Rest ergibt den übrigen Liquidationserlös. Für seine Besteuerung wird (bei der Bundessteuer) ein Fünftel zur Satzbestimmung herangezogen. Bei sehr hohen Liquidationsgewinnen führt dies jedoch rasch zum Erreichen des Maximalsatzes und damit zu einer geringeren Entlastung, je nachdem wie stark dieser überschritten wird.

Die Möglichkeit des fiktiven Einkaufs wurde für jene Selbstständigerwerbenden geschaffen, die keiner Vorsorgeeinrichtung angeschlossen sind oder über geringe Vorsorgeguthaben in der 2. Säule bzw. in der Säule 3a verfügen. Der fiktive Einkauf berechnet sich aus dem durchschnittlichen Einkommen der letzten fünf Jahre (siehe Kasten).

Der Liquidationsgewinn, also die stillen Reserven der letzten beiden Jahre, fliesst nicht in diese Berechnung ein. Das wurde zwar von verschiedener Seite verlangt. Die Forderung fand aber leider kein Gehör. Die Begründung, die Liquidationsgewinne nicht anzurechnen, weil dies das durchschnittliche Jahreseinkommen verfälschen würde, überzeugt allerdings nicht. Denn die am Schluss realisierten Reserven bilden über die gesamte Lebenszeit gesehen sehr wohl einen Teil des Gesamteinkommens des Unternehmers.

Sorgfältige Steuerplanung

Die verschiedenen Neuerungen haben ihre Tücken. Wird zum Beispiel der Aufschub der Besteuerung in Anspruch genommen, kann die privilegierte Besteuerung nur noch geltend gemacht werden, wenn beides innerhalb der letzten zwei Geschäftsjahre stattfindet. Das ist jedoch sehr einengend. Der Unternehmer hat aber die Wahlfreiheit, welcher Massnahme er den Vorzug gibt. Das bietet Potenzial für die Steuerplanung. Wegen der Berechnung des fiktiven Einkaufs auf der Basis der letzten fünf Jahre hat die Planung allerdings frühzeitig zu erfolgen.

Darüber hinaus ist bei der Bemessung des Liquidationsgewinnes zwischen dem ordentlichen und dem ausserordentlichen Erlös zu unterscheiden. Das wird eine grosse Herausforderung sein. Hier stellt sich die Frage, was alles unter der Auflösung von stillen Reserven zu verstehen ist.