Wo orten Sie als Schweizer Wirtschaftsministerin derzeit die grössten Herausforderungen für die Wirtschaft und die Welt?

Bundesrätin Doris Leuthard: Die grösste Herausforderung ist es, wirtschaftliche, ökologische und entwicklungspolitische Interessen in ein Gleichgewicht zu bringen.

Wie sollten diese Herausforderungen aus Ihrer Sicht angegangen werden?

Leuthard: Durch bildungspolitische und technologische Investitionen. Die Menschen müssen die Folgen ihres Tuns beziehungsweise ihres Unterlassens erkennen, und sie müssen die Mittel zur Bewältigung der entstehenden Probleme haben. Durch das Engagement der gesamten Weltgemeinschaft und durch eine Wirtschaftsordnung, die allen Menschen, egal auf welchem Entwicklungsstand sie sich befinden, Perspektiven für eine sinnvolle Beschäftigung und eine Verbesserung ihrer Lebensqualität in ihrer Heimat geben.

Braucht es im Zuge der Globalisierung neue Formen der Zusammenarbeit, auch zwischen Firmen und über Staatsgrenzen hinweg, um die drängenden Herausforderungen unserer Zeit zu lösen?

Leuthard: Die Globalisierung soll konstruktiv-kreativ zu einer gesamthaften Hebung des Wohlstandes führen. Mehrfach überlagerte Probleme müssen interdisziplinär und über die klassischen Grenzen der Zuständigkeiten von Staaten, einzelnen Regierungsstellen und Unternehmen hinweg gemeinsam angegangen werden. Das Zählen der Zwerge im eigenen Garten ist passé!

Anzeige

Planen Sie am Rand des WEF neue Gespräche im Rahmen der Welthandelsrunde, und sind andere offizielle Kontakte geplant?

Leuthard: Das WEF ist eine ideale Plattform, um offizielle und inoffizielle Kontakte zu suchen und zu pflegen. Am diesjährigen WEF werde ich mich unter anderem mit Ministern aus Japan, Indien, Kanada, Indonesien und den USA zu Gesprächen treffen. Dabei ist der Welthandel immer ein zentrales Thema. Daneben wird die Schweiz ein Mittagessen für die Handelsminister organisieren, um die Lage der Doha-Runde zu diskutieren.

Was erhoffen Sie sich vom diesjährigen WEF, und welche Ziele haben Sie sich als Bundesrätin im Rahmen Ihrer Kontakte in Davos vorgenommen?

Leuthard: Politik heisst nicht nur handeln, sondern auch vorausdenken. In diesem Sinne erhoffe ich mir von den verschiedensten Begegnungen am WEF einen kreativen und konstruktiven Ideenaustausch zum diesjährigen Thema «Die Macht der gemeinschaftlichen Innovation». Das WEF ermöglicht mir, die offiziellen Kontakte zu vertiefen und dabei insbesondere unser Aussenwirtschaftsnetz zu stärken. Unter anderem ist vorgesehen, den Freihandelsvertrag mit Kanada zu unterzeichnen.