Zwar haben die Aktienmärkte weltweit wieder kräftig an Boden gewonnen seit Anfang März. Die Volumen an den Börsen sind jedoch nach wie vor dünn: Viele Anleger stehen noch an der Seitenlinie und fragen sich, ob und wie sie einen erneuten Einstieg wagen könnten. Esther Thoma, Teamleiterin strukturierte Aktienprodukte bei der UBS, macht zwar einen ersten Lichtblick bei den institutionellen Anlegern aus: «Wir sehen schon, dass professionelle Kunden zurückkommen», sagt sie im Interview mit der «Handelszeitung». Länger werde es jedoch dauern, bis die Privatkunden, die im Aktienmarkt viel Geld verloren hätten, wieder Mut fänden, prognostiziert die Bankerin.

Gerade der Derivatemarkt musste in den letzten Monaten herbe Einbussen hinnehmen. Im Vergleich zum Vorjahr liegen die an der Derivatebörse Scoach erzielten Umsätze nach wie vor 40 bis 50% tiefer. «Bei den Aktienprodukten dürfte sich die Umsatzentwicklung bei der UBS in einem ähnlichen Rahmen bewegen», bestätigt Thoma. Dies könne jedoch zumindest teilweise durch die Verlagerung in andere Basiswerte wie Zinsen, Währungen oder Rohstoffe etwas gemildert werden. Diese Vehikel werden nämlich traditionellerweise weniger häufig kotiert.

Der sinkenden Nachfrage nach den Vehikeln wollen die Anbieter jetzt mit Produkten begegnen, die exakt auf die Bedürfnisse des interessierten Anlegers zugeschnitten sind. In der Branche zeichnet sich nämlich ein Trend hin zu massgeschneiderten Produkten ab. Zielpublikum sind vor allem vermögende Privatkunden und professionelle Anleger. «Seit einiger Zeit setzen Banken auf einen neuen, vollautomatischen Emissionsprozess, der den Produktservice punkto Flexibilität und Umsetzungsgeschwindigkeit revolutioniert», so Jürg Syz, Leiter Financial Engineering, und Constantin Schrafl, Fachprojektleiter von Strukti-Live der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

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Auch bei der UBS baut man auf ein solches Investor-Tool. Den Beweis, dass diese Produkte zukunftsweisend seien, will Thoma auch schon erbringen können: «Die Volumen der Aktienprodukte, die über dieses Tool laufen, haben viel weniger abgenommen als die Volumen an der Börse.»

Während Spezialisten immer mehr massgeschneiderte Lösungen verlangen, zeichnet sich bei den Standardprodukten eine Entwicklung zurück zu den Wurzeln, sprich einfacheren Strukturen und mehr Verständlichkeit, ab. Für Wolfgang Gerhardt von Sal. Oppenheim ist klar: «Im Vordergrund steht ein klares Bewusstsein für die Risiken.»