Über 90% Ihres Umsatzes generieren Sie durch den Verkauf von Tracleer, einem Produkt gegen Lungenfibrose. Ist das nicht riskant?

Jean-Paul Clozel: Klar ist, je erfolgreicher der Verkauf von Tracleer ist, umso schwieriger wird es, das Produkt zu ersetzen. Das ist der Preis des Erfolges. Umso stärker sind wir daran, weitere innovative Produkte zu entwickeln. So haben wir derzeit Produkte in unserer Pipeline, die meines Erachtens gar erfolgreicher lanciert werden könnten als Tracleer.

Bis es so weit ist, dringt aber immer mehr Konkurrenz in Ihr Hoheitsgebiet ein.

Clozel: Im Medikamentenmarkt für Lungenhochdruck herrscht sicherlich eine zunehmende Wettbewerbsdichte. Das erhöht aber auch das Marktpotenzial. Als Marktführer mit unserem Medikament Tracleer können wir sehr wohl von dieser Dynamik profitieren. So werden automatisch immer mehr Personen auf diese Krankheit aufmerksam gemacht. Zudem hat die Konkurrenz erst spät mit der Realisierung ihrer Produkte begonnen und besitzt dementsprechend nicht dasselbe Wissen in diesem Bereich wie wir.

Vier Produkte befinden sich bereis in der späten Entwicklungsphase, der Phase III. Wann rechnen Sie mit ersten Resultaten?

Clozel: Für unser Medikament gegen Schlaflosigkeit namens Almorexant rechnen wir mit Ergebnissen noch vor Ende 2009. Kurz nach Jahresende sollten dann auch die Ergebnisse für Bosentan - Medikament gegen Lungenbluthochdruck - vorliegen. Für die weiteren Produkte gegen Gefässkrankheiten (Clazosentan) und für einen Nachfolger für Tracleer (Macicentan) sollten wir im 1. Halbjahr 2010 beziehungsweise 2012 Fortschritte vorweisen können. Entsprechend haben wir viele Produkte, die in den kommenden Jahren lanciert werden könnten.

Anzeige

Wie hoch ist die Gefahr, dass eines dieser Produkte die Testphase nicht besteht?

Clozel: Dieses Risiko besteht immer in unserem Geschäft. Wären alle unsere Medikamente stets erfolgreich, würden wir letzten Endes noch zum grössten Pharmakonzern heranwachsen (lacht). Aber das ist illusorisch.

Auf Unternehmensebene besteht seit Jahr und Tag das Risiko, dass Sie übernommen werden. So fehlt nach wie vor ein Grossaktionär.

Clozel: Mittlerweile sind wir am Aktienmarkt höher bewertet als auch schon. Also sind wir grundsätzlich nur für grosse Firmen als Übernahmekandidat interessant. Diese wissen aber, dass Actelion von ihrer eigenen und vor allem unabhängigen Firmenkultur lebt. Diese würde bei einer Übernahme verloren gehen. Daher glaube ich, dass wir auch in Zukunft unabhängig bleiben werden.

Im März haben Sie ein Büro in Moskau eröffnet. Wie ist das Geschäft angelaufen?

Clozel: Russland ist einer der grössten Märkte weltweit. Zwar bewegen sich die Ausgaben für die medizinische Versorgung noch auf einem moderaten Niveau. Dies wird sich aber ändern, da nicht zuletzt auch die Regierung Massnahmen ergriffen hat. Eine davon ist die Investition in Produkte mit einem hohen Benefit für die Bevölkerung. Tracleer wurde dabei berücksichtigt.

In dem Fall planen Sie einen Ausbau in Russland?

Clozel: Ja, wir sind bereit, in Russland zu expandieren, sobald sich unser Produkt etabliert hat.

Planen Sie weitere Expansionen in anderen Märkten?

Clozel: Ja, das ist ein Teil unserer Wachstumsstrategie. So ist Japan für uns ein sehr wichtiger Markt. Aber auch in Lateinamerika verzeichnen wir gutes Wachstum. Derzeit sind wir daran, in China verstärkt Fuss zu fassen.

Liegen bei Ihrer Wachstumsstrategie auch Zukäufe drin?

Clozel: Produktezukäufe liegen definitiv drin, nicht aber der Kauf von Unternehmen. Unser Fokus liegt auf dem organischen Wachstum.

Seit Anfang Jahr haben Sie allein in der Schweiz über 90 neue Stellen geschaffen. Bis Ende Jahr sollen weitere 90 dazukommen. Halten Sie daran fest?

Clozel: Ja, durchaus. Die Schaffung von Stellen geht meist auch Hand in Hand mit der Entwicklung von neuen Produkten. Daher bin ich sehr zuversichtlich, dass wir an diesem Ziel festhalten können.