Der Erdölpreis ist für uns von enormer Bedeutung, denn er macht je nach Produkt die Hälfte bis drei Viertel des Verkaufspreises aus», erklärt Cornelia Schefer, Sprecherin der PetroplastVinora in Andwil SG. Das Unternehmen mit seinen 450 Mitarbeitenden produziert unter anderem Folien, Beutel, Verpackungen und Kehrichtsäcke. Wie die ganze Branche muss es sich der Herausforderung stellen, dass jeder Preisaufschlag auf dem Rohölmarkt sich gleich mehrfach auswirkt, nicht nur auf die Rohstoff-, sondern auch auf Energie- und Transportkosten. «Wir kämpfen täglich darum, die ständig steigenden Rohstoffpreise bei unseren Abnehmern durchzusetzen», so Schefer.

Ähnlich tönt es bei der Semadeni AG in Ostermundigen BE, die Instrumente und Geräte aus Kunststoff für Forschung und medizinische Zwecke sowie Verpackungen für die Lebensmittelindustrie fertigt. Der Erdölpreis beeinflusst hier den Endpreis der Produkte zwar nicht gleichermassen wie etwa bei einem Polyethylen-Spezialisten.

Doch Firmenchef Patrick Semadeni spricht ebenfalls von einem enormen Preisdruck. Die höheren Kosten für die Rohstoffe liessen sich deshalb nur teilweise überwälzen, «und es kommt zu Margenerosionen». Nicht viel anders die Aussage von Bernhard Schweizer, Sprecher von Gurit, einem führenden Hersteller von Hochleistungskunststoffen: «Uns ist es 2007 nicht überall gelungen, die gestiegenen Preise rechtzeitig an die Kunden weiterzugeben.»

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Doch Michael Baumgartner, Sprecher des Kunststoff Verbands Schweiz (KVS), relativiert die Klagen aus der Branche: «Dank der robusten Konjunktur hat die Branche die steigenden Rohstoffpreise 2006 und 2007 viel besser als in früheren Jahren an die Kunden weitergeben können.» Die meisten Kunststoffunternehmen befinden sich gar in glänzender Verfassung.

Wenn es denn Schwierigkeiten gibt, so sind es meistens Wachstumsprobleme. Gurit zum Beispiel, dessen Produkte in Windkraftwerken, Autos, Flugzeugen wie dem Airbus 380, Schiffen, in Skis und Snowboards sowie im Baugewerbe eingesetzt werden, musste 2007 die Gewinnprognosen zweimal nach unten korrigieren. Denn der dringende Ausbau der Kapazitäten in vier europäischen Ländern sowie in Kanada und China verzögerte sich. 2008 sollen nun die Früchte geerntet werden. «Wir sind bestens positioniert, weil wir als einziger Composite-Anbieter mit Werken in allen Weltregionen präsent und damit überall nahe bei unseren Kunden sind», sagt Gurit-Sprecher Schweizer.

Automatik spart Kosten

Gurit ist nur ein Beispiel. Viele Kunststofffirmen laufen schon länger an ihren Kapazitätsgrenzen. Sie finden kaum mehr genügend qualifiziertes Personal, obwohl die Lehre zum Kunststofftechnologen neu konzipiert und um eine Attest-Ausbildung zum Kunststoffverarbeiter ergänzt worden ist.

Dem Preisdruck und der rasanten Nachfrage begegnet die Branche mit konsequenten Investitionen in leistungsfähige Maschinen. «Der inzwischen hohe Automatisierungsgrad erlaubt es vielen Firmen, auch komplexe Produkte vollautomatisch und damit kostengünstig herzustellen», sagt Heinz Rischgasser, Branchenexperte und langjähriger Geschäftsführer des KVS. Er ist überzeugt, dass die Schweizer Kunststoffindustrie ihre Hausaufgaben gemacht hat. Einfache Produkte hat sie vielfach in Billiglohnländer ausgelagert, wobei die Prozesse vom Einrichten und Bemustern bis zum Optimieren häufig von der Schweiz aus gesteuert werden.

Selbst kleinere Firmen mit rund 130 Beschäftigten wie etwa die Semadeni, die jüngst in Tschechien ein Spritzwerk errichtet hat, agieren so in den globalisierten Märkten erfolgreich. Laut Zahlen des KVS konnte die Branche ihre Produktivität in den vergangenen fünf Jahren markant steigern. Der Umsatz pro Mitarbeitenden stieg von 287000 auf 383000 Fr.

Innovation treibt die Branche an

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Innovationskraft. Kunststoff gilt als Werkstoff mit schier unbegrenzten Möglichkeiten. «Der technologische Fortschritt erlaubt laufend neue Anwendungen», sagt Semadeni. Im Fahrzeugbau, in der Medizinaltechnik, im Maschinen- und Apparatebau, in Spielzeugen, Uhren, ja selbst in Trisa-Zahnbürsten ist Kunststoff gefragt.

Deshalb finden sich in der Branche nicht bloss die eigentlichen Spezialisten, sondern viele Betriebe, die nicht ausschliesslich Kunststoff verarbeiten, sondern ihn als Komponenten für Teile ihrer Produkte einsetzen. Darunter sind bekannte Firmen wie Geberit, Georg Fischer oder Sika, zu der auch Sarna gehört.

Bei der Entwicklung von neuen Produkten trägt auch die verstärkte Zusammenarbeit mit den Hochschulen zunehmend Früchte. Beispiele erfolgreicher Forschung sind an der Schweizer Kunststoffmesse Swiss Plastics (siehe Kasten unten) zu sehen.