Eine leistungsfähige und effiziente Logistik hat heute einen erheblichen Einfluss auf den gesamten Unternehmenserfolg. «Profilierung in dynamischen Märkten» lautete dementsprechend das Motto des 2. St.Galler Logistikdienstleistungs-Kongresses, welcher wiederum vom Lehrstuhl für Logistikmanagement der Universität St. Gallen – diesmal in Zürich – durchgeführt wurde. Entsprechend diesem Leitsatz standen Fragen wie durch ein leistungsfähiges Logistikmanagement die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gewährleistet und nachhaltig gestärkt werden könne, im Vordergrund.

Postchef Ulrich Gygi, der sich im Zeitalter der Globalisierung zwischen den Fronten Privatisierung/Liberalisierung und Service Public befindet, unterstrich in seinem Referat, dass sich die Schweizerische Post intensiv bemüht, die Forderungen der zwei eingangs erwähnten Rahmenbedingungen möglichst ohne grössere Friktionen unter einen Hut zu bringen. Mit der Konzentration der Briefzustellung auf die drei hochautomatisierten Zentren in Zürich-Mülligen, Härkingen und Eclepens will die Post die fristgerechte Verteilung von Briefen und Paketen auch in Zukunft in vernünftiger Zeit gewährleisten. Zusammen mit der geplanten regionalen Feinverteilung an sechs Standorten soll die Zustellung der A-Post am folgenden Tag garantiert werden. Für die Verteilung der Briefpost wird auf längeren Distanzen die Schiene benutzt. Mit dem Hinweis, «wir können uns keine Verspätung der Postzüge leisten», gab Gygi auch gleich den Tarif an die SBB durch.

Mittels Rollboxen, die mit einem RFID-Chip versehen sind, werden die ein- und ausgehenden Briefe und Pakete in den Briefzentren erfasst und entsprechend weitergeleitet, denn alle 47 Gebäude bzw. 750 Tore sind mit RFID-Lesesystemen ausgerüstet. Gygi gab sich überzeugt, dass die Schweizerische Post dank modernster Informationssysteme, konkret mit der Datenübermittlung über Hochleistungsverbindungen zwischen den Brief- und Logistikzentren, auch in Zukunft die Beförderung der einzelnen Sendungen innert kürzester Zeit gewährleisten kann. Doch diese Tätigkeit allein wird das Überleben der Post nach Ansicht Gygis nicht garantieren, deshalb will sich die Post im Bereich der Kontraktlogistik mit spezifischen Dienstleistungen engagieren. «Wir sind aber hier erst am Anfang», betonte er, unterstrich aber, dass bereits einige zukunftsträchtige Aktivitäten entwickelt wurden, mit Chancen für die Zukunft.

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Professor Wolfgang Stölzle, Ordinarius für Logistikmanagement an der Universität St. Gallen, betonte in seinen Ausführungen, dass der verstärkte Wettbewerbsdruck von den einzelnen Unternehmen eine klare strategische Positionierung verlangt. «Unternehmen mit Logistikexzellenz zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre logistischen Fähigkeiten ständig hinterfragen und auf die Veränderungen der Unternehmenswelt reagieren», so Stölzle. Heute sind die Logistikdienstleister mit mehreren zum Teil komplexen Herausforderungen konfrontiert. Stölzle kristallisierte vier Säulen heraus, um die Logistikexzellenz im Transportsektor zu erreichen: Dazu zählen das Eingehen von horizontalen und vertikalen Kooperationen, die verstärkte Nutzung intermodaler Verkehre, eine hohe Auslastung und Reduktion der Leerfahrten sowie der Einsatz von Telematiklösungen.

Macher als Macher

«Rail Cargo Austria (RCA) will im Bereich Schienengüterverkehr Marktführer in Zentral- und Südeuropa werden und in ferner Zukunft zu den drei bis maximal fünf Anbietern der europäischen Eisenbahnindustrie gehören», erklärte Friedrich Macher, Vorstandsdirektor der RCA selbstbewusst an der Zürcher Tagung. RCA will ihre Leistungserbringung in einem integrierten Gesamtprozess, der vom Vertrieb über den Kundendienst und das Transportmanagement bis zur Traktion reicht, gewährleisten. Macher unterstrich, dass in Europa alle Anstrengungen unternommen werden müssten, um die Schiene wettbewerbsfähig zu erhalten. Erfolgsvoraussetzung dazu sei die notwendige Interoperabilität in Europa.

Deshalb will RCA im Rahmen des Projektes «Rail Select» eine Zusammenarbeit mit DB Schenker im Schienenverkehr anstreben. Zudem sollen die Arbeiten im Rahmen des X-Rail-Verbundes (Allianz von sechs europäischen Bahnen im Bereich Wagenladungsverkehr) vorangetrieben werden, um auch diesen Bereich attraktiv zu erhalten. Ebenso wichtig ist für Macher aber auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Spediteuren. «Wir wollen nicht als Konkurrenten der Spediteure im Schienengüterverkehr auftreten, sondern mit diesen gemeinsam mehr Güter auf die Schiene verlegen», betonte Macher.

Nicolas Perrin, CEO von SBB Cargo, wie auch Bernhard Kunz, Direktor der Hupac-Gruppe, betonten in ihren Voten, dass die Liberalisierung im europäischen Bahnwesen wohl Fortschritte gebracht habe, dass aber noch erhebliche Schritte notwendig seien, um die noch immer vorhandene Bürokratie in den Bereichen Lokführerausbildung, Homologierung von Rollmaterial sowie Nutzung der letzten Meile endlich zu beseitigen.

Mehrwerte in der Wertschöpfung

Wie lassen sich Mehrwerte in der systemischen Wertschöpfung realisieren? Diesem Thema widmete sich Wolfgang D. Winter, Mitglied der Geschäftsleitung PostLogistics der Schweizerischen Post. Für Winter steht die enge Vernetzung von Kunde und Logistikdienstleister klar im Vordergrund. Eine Vernetzung, die dazu führen muss, die ganze Supply Chain effizienter zu gestalten. Am Beispiel der Media Group Logistics zeigte Winter auf, welche Verbesserungen durch die Dienstleistungen von PostLogistics in der Schweiz für den Kunden realisiert werden konnten.