Videos im Netz, Online-Spiele und Vergleichsportale im Internet werden für den TV-Konzern ProSiebenSat.1 als Umsatzbringer immer wichtiger. Fast ein Viertel der gesamten Erlöse kommt bereits aus dem Digitalgeschäft - Tendenz steigend. Zwar legte auch das klassische Geschäft mit Fernsehwerbung im dritten Quartal leicht zu, die Digitalsparte wächst aber bedeutend schneller, wie das Unternehmen am Donnerstag in München mitteilte.

Insgesamt kletterte der Umsatz des TV-Konzerns im dritten Quartal um 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 637,5 Millionen Euro, obwohl im August noch die Auswirkungen der Fussball-WM zu spüren gewesen seien. Grossveranstaltungen, die von öffentlich-rechtlichen Programmen gezeigt werden, drücken meist die Zuschauerzahlen der Privatsender.

Neues Rekordjahr angestrebt

Die Münchner setzten das hohe Wachstumstempo des zweiten Quartals dennoch fort. «Wir sind im dritten Quartal 2014 in allen Segmenten profitabel gewachsen und streben ein neues Rekordjahr an», sagte ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling laut Mitteilung. Der Gewinn stieg unter dem Strich um 5,5 Prozent auf 67,3 Millionen Euro.

Schub verlieh dem Unternehmen erneut das Digitalgeschäft. Der Umsatz der Sparte wuchs erneut kräftig um 27,8 auf knapp 158,7 Millionen Euro. Stärkster Umsatztreiber war nach Konzernangaben das Geschäft mit Handels- und Angebotsplattformen im Internet.

Ausbau der Digitalsparte

ProSiebenSat.1 ist unter anderem an Portalen wie billiger-mietwagen.de, wetter.com und weg.de beteiligt. Das Online-Video-Portal Maxdome habe auch nach dem Deutschland-Start des US-Konkurrenten Netflix ein deutliches Wachstum bei Abonnenten verzeichnet, sagte Digitalvorstand Christian Wegner.

ProSiebenSat.1 will sich mit dem massiven Ausbau der Digitalsparte unabhängiger von den schwankungsanfälligen Werbemärkten machen. Der Werbemarkt ist stark abhängig von der Konjunkturentwicklung.

Schwache deutsche Wirtschaft

Derzeit sieht es danach aus, dass sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland im kommenden Jahr deutlich verlangsamt. Das TV-Geschäft, das überwiegend durch Werbeerlöse gespeist wird, wuchs im dritten Quartal lediglich um 3,7 Prozent auf 437,6 Millionen Euro.

ProSiebenSat.1 gilt als einer der grössten europäischen Medienkonzerne. Ebeling hat den Konzern in den vergangenen Jahren kräftig umgekrempelt und sich dabei grösstenteils vom schwierigen TV-Geschäft im Ausland getrennt. Seit seinem Amtsantritt im März 2009 stieg der Aktienkurs um rund 2400 Prozent. So ermöglichte er unter anderem auch den Ausstieg der beiden Finanzinvestoren KKR und Permira - und gilt wegen des deshalb stark gestiegenen Streubesitzes und der Marktkapitalisierung von knapp sieben Milliarden Euro als Dax-Kandidat.

(awp/ise/gku)

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