Kantonale Berufsbildungsfonds sind laut Gregor Saladin, Direktor der Schweizerischen Metall-Union, ein Schlag ins Gesicht der Firmen und Verbände, die die letzten Jahre zur Finanzierung der Berufsausbildung eigene Branchenfonds eingerichtet haben. «Sie schaffen Bürokratie, unnötige Kosten, aber keine neuen Lehrstellen», kritisiert er.

Ob kantonale Berufsbildungsfonds nach der Romandie auch in der Deutschschweiz Schule machen, zeigt sich am 24. Februar 2008, wenn die Schaffhauser Bevölkerung über einen Berufsbildungsfonds abstimmt. Eine entsprechende Abstimmung folgt in Zürich; der kantonale Gewerbeverband, SVP und FDP haben Anfang Jahr ein Referendum gegen die Einführung eines solchen Fonds eingereicht.

SMGV lehnt kantonale Fonds ab

Der Schweizerische Maler- und Gipserunternehmer-Verband (SMGV) zählt zu den bisher 13 Verbänden mit einem eigenen allgemeinverbindlich erklärten Branchenfonds. SMGV-Direktor Peter Baeriswyl: «Wir lehnen kantonale Fonds kategorisch ab.» Die Idee hinter den Branchenfonds sei doch gewesen, dass sich staatliche Fonds erübrigen und die Verbände Trittbrettfahrer aus der Branche selber zur Kasse bitten könnten. «Mit Sicherheit werden wir etwas dagegen unternehmen», fügt Baeriswyl hinzu. Der Elektro-Installationsverband (VSEI) mit über 10000 Lehrverhältnissen will die Kantonsreferenden gegen die Fonds unterstützen. Die Verbände seien daran, eine gemeinsame Kampagne aufzugleisen, verrät Saladin auf Anfrage.

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Die Unternehmen stören sich nicht nur an den neuen Beiträgen, die sie leisten sollen – 1% der Lohnsumme. Gemäss Urs Meyer vom Arbeitgeberverband bestraft der Kantonsfonds alle jene, die sich nicht in der Berufsbildung engagieren können oder sich stattdessen für invalide Arbeitnehmende oder Wiedereinsteigerinnen einsetzen. «Letztlich ist die Abgabe im Verhältnis zu den effektiven Ausbildungsaufwendungen so minimal, dass sich ein «Auskaufen» schon fast wieder lohnt. Neben solchen Loskaufaktionen wird befürchtet, dass Lehrstellen geschaffen werden, die gar nicht gefragt seien.

Die kantonalen Fonds kommen zu einer Zeit, wo die Branchenfonds erste klare Erfolge ausweisen. Dem Verband Schweizerische Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM) steht dank des Fonds heute mit 1,4 Mio Fr. doppelt so viel Geld zur Verfügung als vorher, bilanziert VSSM-Direktorin Evi Staubli. Der allgemeinverbindliche Fonds verpflichte neben den rund 2500 Verbandsmitgliedern weitere 2500 Branchenunternehmen, einzuzahlen. Die Mittel wurden in die Verbesserung der Berufsbildungskurse, Lehrmittel und Entwicklung der Ausbildner sowie in Wettbewerbe und andere Infoanlässe in den Regionen investiert.

Abgrenzung ist schwierig

Der VSSM betrachtet kantonale Berufsbildungsfonds als kontraproduktiv. Staubli: «Zum einen gibt es mit Branchenfonds ein etabliertes erfolgreiches System – die Strukturen der Kantone werden nicht kostengünstiger sein, auch weil sich bei uns viele Milizen aus KMU beteiligen. Zum anderen sollten die betroffenen Unternehmer bei der Ausbildung mitbestimmen, nicht nur wegen ihres Know-how, sondern auch, weil sie am besten wissen, welche Qualifikationen der Markt braucht.» Neue kantonale Fonds will auch der VSSM bekämpfen: «Wir werden uns gegen die Einführung von kantonalen Fonds einsetzen.»

Die Verbände kritisieren auch, dass kantonale Fonds zu Abgrenzungsproblemen mit Branchefonds führen. Meyer vom Arbeitgeberverband ist ein Fall bekannt, wo ein Unternehmen in sechs verschiedene Fonds einzahlen sollte. Interieursuisse hat mit dem Walliser Fonds schlechte Erfahrungen gemacht: «Unsere Branche bezahlt in den kantonalen Fonds doppelt so viel, wie sie erhält, wir finanzieren die Ausbildung anderer Branchen mit», stellt Interieursuisse-Direktor Peter Platzer fest. Er befürchtet, dass die Branchenfonds rückgängig gemacht werden zugunsten eines bürokratischen und ungerechten kantonalen Poolingsystems, dass weit weg ist von den Bedürfnissen der Unternehmen.