1. Home
  2. Unternehmen
  3. Proteste gegen Massenentlassungen

Proteste gegen Massenentlassungen

Proteste gegen Massenentlassungen bei Novartis
Rund 1000 Menschen protestierten in Basel. (Bild: Keystone)

Eine Demonstration, eine Kampfansage und ein Besuch beim Novartis-Verwaltungsratspräsidenten - Die Reaktionen auf die Massenentlassungen im Pharmasektor.

Veröffentlicht am 29.10.2011

In Basel sind am Samstag rund 1000 Personen gegen den Stellenabbau bei Novartis und Massenentlassungen bei weiteren Unternehmen auf die Strasse gegangen. Bei Novartis sollen Entlassungen wenn nötig mit Kampfmassnahmen verhindert werden.

 

In der Pharmaindustrie sei der Arbeitsfrieden bisher tabu gewesen, sagte Unia-Geschäftsleitungsmitglied und SP-Nationalrat Corrado Pardini an der Kundgebung auf dem Basler Theaterplatz. Der von Novartis am Dienstag angekündigte Stellenabbau sei jedoch ein «inakzeptabler Skandal», weshalb dieses Tabu nun gebrochen werde.

Novartis will in Basel 760 und in Nyon 320 Stellen streichen. Schon nächste Woche wolle man in Nyon versuchen, die Konzernleitung mit Protestpausen während der Arbeitszeit unter Druck zu setzen, sagte Pardini. Kampfmassnahmen werden auch in Basel geprüft. Die Unia rechnet mit harten Auseinandersetzungen in den nächsten Wochen und Monaten.

Kein Verständnis für Abbau

Dass Novartis trotz Milliardengewinnen und Millionen-Boni der Manager tausende von Arbeitsplätzen abbauen will, wurde in diversen Voten scharf kritisiert. Dafür habe kein Mensch Verständnis, sagte Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB).

Novartis müsse den angekündigten Stellenabbau zurücknehmen, forderte Lampart. Statt Abzockern, die die Wirtschaft verderben, brauche es Chefs, die mit vernünftigen Löhnen eine vernünftige Politik betreiben. Novartis foutiere sich dagegen um die soziale Verantwortung.

Den Abbau-Entscheid von Novartis könne auch die Basler Regierung nicht verstehen, sagte SP-Finanzdirektorin Eva Herzog. Ihr wurde an der Kundgebung eine Resolution übergeben. Neben dem Verzicht auf Entlassungen und einem echten Konsultationsverfahren wird darin auch gefordert, dass sich die Regierungen von Basel-Stadt und Waadt gemeinsam gegen den Stellenabbau einsetzen.

Chemie-GAV gekündigt

Druck aufsetzen will die Unia nicht nur gegen den Stellenabbau, sondern auch für einen neuen und verbesserten Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Basler Pharma-, Chemie- und Dienstleistungsunternehmen. Der geltende GAV wurde per 30. April 2012 gekündigt, wie an der Kundgebung bekanntgegeben wurde.

Die Unia will den Geltungsbereich des neuen GAV auf sämtliche Angestellte ausweiteten. Verlangt werden auch ein besserer Kündigungsschutz und mehr Gewerkschafstrechte am Arbeitsplätze. Diese Forderungen will die Gewerkschaft nötigenfalls mit Kampfmassnahmen durchsetzen.

Den Aufmarsch von rund 1000 Personen nach nur viertägiger Mobilisierung beurteilte ein Unia-Funktionär als «sensationell». Nach Basel gereist waren auch rund 100 Personen aus Nyon, wo ein ganzes Novartis-Werk geschlossen werden soll. Der Kundgebung auf dem Theaterplatz war ein Demonstrationszug vom Kleinbasel durch die Innenstadt vorausgegangen.

Besuch bei Vasella

Rund 50 Personen statteten am Samstag auch Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella an seinem Wohnort in Risch ZG einen Besuch ab. Die Teilnehmer der bewilligten Kundgebung überreichten ihm einen grossen «Entlassungsbrief».

Darin werden Vasella «Massenentlassungen trotz Milliardengewinnen», «Unstatthafte Steueroptimierung» und «Selbstbereicherung» vorgeworfen. Zur Aktion aufgerufen hatten die Jungsozialisten (JUSO) Schweiz. Sie verlief nach Angaben der Zuger Strafverfolgungsbehörden ohne Zwischenfälle.

Der Protest richtete sich nicht nur gegen Novartis. Demonstriert wurde auch gegen Firmen wie Huntsman, Clariant, Swissmetal oder Harlan, die in der Region Basel ebenfalls Arbeitsplätze gestrichen haben oder abbauen wollen.

(laf/sda/awp)

Anzeige