Die grossen Tech-Firmen haben Rechenschaft über ihr Business abgelegt – und die Bilanz ist milliardenschwer: Von April bis Juni haben Apple, Amazon, Alphabet und Facebook zusammengerechnet über 100 Milliarden Dollar Gewinn erwirtschaftet.

Die Gründer der jeweiligen Firmen werden üppig für dieses Verdienst entlohnt, sie gehören zu den reichsten Menschen der Welt. Sergey Brin und Larry Page, die das Fundament für die Google-Mutter Alphabet gelegt haben, besitzen gemäss «Forbes» je rund 37 Milliarden Dollar. Mark Zuckerberg, das Genie hinter Facebook, schafft es demnach auf 54 Milliarden Dollar. Und Jeff Bezos, Gründer von Amazon, besitzt ein Vermögen von über 65 Milliarden Dollar. Das macht ihn zum drittreichsten Menschen auf dem Planeten – eine Ehre, die bisher der Investorenlegende Warren Buffett galt. Reicher als Bezos sind nur Microsoft-Gründer Bill Gates (78 Milliarden Dollar) und Zara-Besitzer Amancio Ortega (73 Milliarden Dollar).

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Internet als Geldmagnet

Das Internet hat den Entrepreneuren den Aufstieg in die oberste Liga ermöglicht. Google, Amazon und Facebook dominieren das Geschäft im Internet. Während der Suchmaschinen-Betreiber und das Online-Netzwerk zusehends Profit aus ihrer Vorherrschaft bei Werbung auf Smartphones und Tablets schlagen, füllt bei Amazon die Omnipräsenz im Online-Einzelhandel die Kasse des US-Konzerns. Amazon verzehnfachte seinen Gewinn von April bis Juni auch dank eines florierenden Cloud-Geschäfts. Googles Mutterkonzern Alphabet steigerte seinen Überschuss um rund ein Viertel auf 4,88 Milliarden Dollar.

An der Wall Street sorgten die jüngsten Quartalszahlen für regelrechte Begeisterung: Die Facebook-Aktie markierte diese Woche ein Rekordhoch und war am Markt erstmals mehr wert als das Beteiligungsimperium Berkshire Hathaway von Warren Buffett. Wie Google profitierte das weltgrösste Internet-Netzwerk mit 1,7 Milliarden aktiven Mitgliedern von der Fokussierung auf Videos. Dank der höheren Verweildauer und grösseren Aufmerksamkeit der Nutzer sind Werbekunden bereit, für Videoanzeigen deutlich mehr zu zahlen. Auch Amazon-Aktien dürften am Freitag ein neues Rekordhoch erreichen. Google-Papiere legten nach den Zahlen ausserbörslich um fünf Prozent zu.

Konkurrenz zum Fernsehen

Die Lage der Tech-Grössen hat sich zuletzt deutlich verbessert. Während Amazon zwar stetig wuchs und immer neue Kunden fand, schaffte es der Konzern aus Seattle lange Zeit wegen hoher Investitionen nicht in die schwarzen Zahlen und verschreckte damit Anleger an der Börse. Bei Facebook und Google war fraglich, ob sich für sie der Trend zu Smartphones und Tablets und damit weg von herkömmlichen Computern finanziell auszahlen würde. Das jüngste Quartal scheint diese Bedenken nun endgültig zerstreut zu haben.

Der Umsatz von Alphabet kletterte um ein Fünftel auf 21,5 Milliarden Dollar. In der Vergangenheit haben Werbekunden in der Regel weniger Geld für die kleinformatigen Anzeigenflächen auf Smartphones ausgegeben. Laut Analyst Colin Gillis vom Wertpapierhändler BGC Partners scheint sich dies nun langsam zu ändern. Zugleich zahlt sich die Konzentration auf die Video-Tochter YouTube aus. «Video macht einen Grossteil der digitalen Welt aus und YouTube strahlt in diesem Bereich», sagte Google-Chef Sundar Pichai. Google und Facebook gelingt es immer mehr, den grossen Fernsehsendern Werbekunden abspenstig zu machen.

Goldene Wolke

Bei Amazon schob die steigende Nachfrage nach Speicherplatz im Internet das Wachstum kräftig an. Die Geschäfte in der Datenwolke kletterten von April bis Juni um rund 58 Prozent auf fast 2,9 Milliarden Dollar. Der Gesamtumsatz steigerte sich um 31 Prozent, der Gewinn legte auf 857 Millionen Dollar von zuvor 92 Millionen zu.

Während bei Google das Cloud-Geschäft nur einen kleinen Teil ausmacht, ist Amazon hier zum Marktführer aufgestiegen. «Sie haben alle Erwartungen deutlich übertroffen», sagte Analyst Michael Pachter vom Finanzdienstleister Wedbush Securities. Neben den Erfolgen in der Cloud-Sparte und dem herkömmlichen Geschäft im Online-Handel punktete Amazon auch mit seinem Streaming-Angebot a la Netflix, das dem Abo-Dienst Prime stetig neue Kunden beschert.

(reuters/ise)