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Befragung vor Kongress
Punktsieg für Zuckerberg

Mark Zuckerberg
Mark Zuckerberg: Riesiges Medieninteresse im US-SenatsausschussQuelle: Keystone

Fünf Stunden lang musste der Facebook-Chef vor dem US-Kongress aussagen. Ja, er wurde gegrillt. Doch Zuckerberg ging als Sieger vom Platz.

Kommentar  
Von Tim Höfinghoff
am 11.04.2018

Die wichigste Erkenntnis vorweg: Die Facebook-Aktie ist gestiegen um rund 5 Prozent. Trotz der stundenlangen Befragung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Dienstag vor dem US-Kongress sind die Börsianer einer Meinung: Es wird wohl gut mit Facebook ausgehen.

Klar, die Aktie hat in den vergangenen Wochen deutlich verloren. Doch wenn der Aktienkurs als Barometer taugt, dann hat der 33-jährige Milliardär, der das weltgrösste soziale Netzwerk gründete und es als Chef immer noch dominiert, sich ziemlich gut geschlagen vor den US-Parlamentariern.

Zuckerberg musste antraben, um sich zu den Datenskandalen zu äussern. Erst am Dienstag, weiter geht es am Mittwoch mit einer zweiten Ausschusssitzung (Hier können Sie zuschauen). Es war das erste Mal für Zuckerberg, dass er sich in Washington D.C. rechtfertigen musste. Bisher hat er immer seine Anwälte und Strategen geschickt.

Anzug statt Hoodie

Zuckerberg kam im Anzug. Nicht im Hoodie wie sonst. Und die Welt schaute zu. Es war, das ist keine Übertreibung, wohl einer der wichtigsten Auftritte für Mark Zuckerberg in seiner beruflichen Karriere. Am Ende ist er mit einem Punktsieg vom Platz gegangen.

Zuckerberg musste rund fünf Stunden Rede und Antwort stehen. Er hat - alles in allem - keine schlechte Figur gemacht. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Vor acht Jahren sass er mal auf einer Bühne und musste sich kritischen Journalistenfragen stellen. Zuckerberg fing dabei so stark an zu schwitzen, dass ihm der Schweiss vom Gesicht tropfte. Er musste sogar seinen Hoodie ausziehen. Schlimmer geht es nicht.

Sicher, die Politiker haben ihn in die Mangel genommen, viele kritische Fragen gestellt. Doch viele ihrer Fragen offenbarten auch, dass sie die Geschäftspraktiken und die Technologien, die Facebook nutzt, gar nicht wirklich verstehen. Nur selten gelang es ihnen, den Facebook-Chef in die Enge zu drängen.

Zuckerbergs Botschaft kommt an

Zuckerberg hat hingegen seine Botschaft gut platzieren können: Ja, wir haben Mist gebaut. Ich sorge dafür, dass nun alles gut wird. Er konnte sogar für den einen oder anderen Lacher sorgen, er wirkte sympathisch. Besser konnte es für ihn nicht laufen.

Klar, dass viele Politiker Facebook stärker regulieren wollen, doch ob das Netzwerk bald enge Fesseln bekommt, ist mehr als fraglich. Besonders in den USA, dort gilt eher das Motto: Die Techfirmen sollen sich irgendwie selbst kontrollieren. Und drüben in Europa, da übertreiben sie es sowieso mit der Regulierung.

Heute muss Zuckerberg wieder vor einen Ausschuss. Er kann sich entspannt geben.

Keine Alternative zu Facebook

Was für Facebooks Zukunft wirklich zählt, ist die Frage, ob viele Facebook-Nutzer dem Netzwerk den Rücken kehren. Mit Blick auf die Grösse Facebooks hiesse das konkret: Millionen von Nutzern müssten den Delete-Button drücken. Danach sieht es nicht aus. Für viele Nutzer gibt es keine Alternative zu Facebook.

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