Raiffeisen-Chef Patrik Gisel gibt Fehler in der Vergangenheit zu. «Im Nachhinein muss ich sagen: Wir sind wohl schneller mit unseren Beteiligungen gewachsen als mit unseren internen Prozessen», sagt der Bank-Chef in einem Interview mit der «Sonntags-Zeitung». Das habe Fragen aufgeworfen.

Die Finanzmarktaufsicht Finma untersucht derzeit im Rahmen eines Enforcement-Verfahrens, ob die Raiffeisen-Gruppe aufsichtsrechtliche Vorschriften verletzt hat. Insbesondere wird die Frage untersucht, ob Raiffeisen über eine ausreichende Corporate Governance verfügt.

«Keine Veränderungen» zu Vincenz' Rolle bei Investnet

Mit seinem Vorgänger Pierin Vincenz, gegen den ebenfalls ein Enforcenment-Verfahren lief, mittlerweile aber eingestellt wurde, will Gisel nicht brechen. Vincenz präsidiert noch immer die Raiffeisen-Tochter Investnet, offenbar im Fokus der Finma-Untersuchungen steht.

«Wir planen keine Veränderungen», sagt Gisel dazu. «Wir können so die Erfahrungen und das Beziehungsnetz von Vincenz nutzen, der 17 Jahre lang einen Superjob für die Bank gemacht hat.»

Gisel lässt offen, ob er selber einen Rückzug aus dem Helvetia-Verwaltungsrat erwägt. «Im Moment» bleibe er Verwaltungsrat. Gisel Vertritt die Raiffeisengruppe im Aufsichtsgremium des Versicherungskonzerns, da Raiffeisen eine massgebliche Beteiligung hält. Vincenz war vor Weihnachten als Präsident von Helvetia zurückgetreten, nachdem klar wurde, dass sich dieses Mandat nicht mit der damals laufenden Finma-Untersuchung zu seiner Person verträgt.

Tempo im Hypothekargeschäft gedrosselt

Das vergangene Geschäftsjahr sei für Raiffeisen gut gelaufen, sagt Gisel. Man könne es mit einem «sehr guten Resultat» abschliessen. Im Hypothekarbereich sei Raiffeisen «etwa so schnell wie der Markt» gewachsen. «Wir haben das Tempo gedrosselt und sind etwas defensiver geworden.»

In den letzten Jahren zählte Raiffeisen zu den aggressivsten Banken im Geschäft mit Immobilien-Finanzierungen und hat zuletzt die Grossbank UBS im Thron gestossen als grösste Hypothekarbank der Schweiz. (hec)