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Raiffeisen-Chef Patrik Gisel tritt zurück

Gisel
Patrik Gisel: Der Druck wurde zu gross.Quelle: Keystone

Patrik Gisel gibt seine Funktion als Vorsitzender der Geschäftsleitung Ende Jahr ab. Hintergrund ist die Affäre um Ex-Chef Pierin Vincenz.

Veröffentlicht am 18.07.2018

Bei der Raiffeisen-Gruppe kommt es zum nächsten Paukenschlag. Konzernchef Patrik Gisel wird sein Amt per Ende Jahr abgeben und aus der Bank ausscheiden. Mit diesem Schritt wolle er die öffentliche Debatte um seine Person beenden und die Reputation der Bank schützen, teilte die Bankengruppe am Mittwoch mit.

Gisel werde seine Funktion bis Ende 2018 weiter wahrnehmen, um einen geordneten Übergang sicherzustellen. Der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz habe den Auswahlprozess für einen neuen Vorsitzenden der Geschäftsleitung umgehend eingeleitet.

 

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Rechte Hand von Pierin Vincenz

Gisel war in der Öffentlichkeit wegen der Affäre um das Geschäftsgebaren des früheren Raiffeisen-Chefs Pierin Vincenz wiederholt kritisiert worden. Zwar hat die Finma nichts gefunden, was ein aufsichtsrechtliches Verfahren rechtfertigen würde. Sie wird aber die Untersuchung von Raiffeisen genau unter die Lupe nehmen und allenfalls ein Verfahren eröffnen.

Die Nähe zu Vincenz war am Ende zu gross, um sich noch im Amt zu behaupten. Noch im Januar hatte Gisel der «SonntagsZeitung» zur Zukunft von Vincenz bei Investnet diktiert: «Wir planen keine Veränderungen. Wir können so die Erfahrungen und das Beziehungsnetz von Vincenz nutzen, der 17 Jahre lang einen Superjob für die Bank gemacht hat.» 

Im letzten Moment die Seite gewechselt

Gisels Meinung hatte solange Bestand, bis die Staatsanwaltschaft zur Razzia ansetzte, Wohnungen und Büros durchsuchte und die Beschuldigten zur Vernehmung aufbot. Erst jetzt schloss sich auch Raiffeisen den Klägern an. Als Nebenkläger im Strafverfahren und – in allerletzter Minute mit einer eigenen Strafanzeige, um sich im Finale auf die Seite der Aktiven zu schlagen.

Auch intern wuchs die Kritik. In einem Schreiben, das der «Blick» veröffentlichte, geht der Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Horw Marc Kaeslin mit dem Chef hart ins Gericht: Die Geschäftsleitung um Patrik Gisel falle durch «unglaubliche Arroganz und unzählige Spitzkehren» auf.

Nicht nur Vincenz, sondern auch andere Mitglieder der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz hätten eine «Verantwortung für die himmeltraurige Entwicklung bei Raiffeisen Schweiz». Kaeslin fordert: «Alle Verantwortlichen aus der Ära Vincenz müssen weg, auch der heutige CEO Gisel. Diese Personen können die Gruppe nicht glaubwürdig in die Zukunft führen.»

Raiffeisen verteidigt Gisels Integrität

Der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz hält ausdrücklich fest, dass weder das im Juni 2018 abgeschlossene Enforcement-Verfahren der Finanzmarktaufsicht noch die Zwischenresultate der laufenden unabhängigen Untersuchung zur «Ära Pierin Vincenz» Patrik Gisel aufsichtsrechtlich belasten – seine Integrität stehe ausser Zweifel, heisst es in der Mitteilung.

(sda/gku/bsh)