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Raiffeisen lässt über Spitzenlöhne abstimmen

Patrik Gisel, Pascal Gantenbein
Raiffeisen-Chef Patrik Gisel (l.) und Präsident Pascal Gantenbein: An der Delegiertenversammlung werden Sie sich Kritik anhören müssen. Quelle: Keystone

Am Samstag findet die Raiffeisen-Delegiertenversammlung statt. Der Verwaltungsrat wird wohl ein neues Vergütungsreglement ankünden.

Von Michael Heim
am 12.06.2018

Kommenden Samstag treffen sich die Delegierten der Raiffeisen-Gruppe in Lugano zur jährlichen Delegiertenversammlung (DV). Dabei werden auch die Löhne des Verwaltungsrats ein Thema sein. Die Tatsache, dass sich der Verwaltungsrat im vergangenen Jahr eine 40-prozentige Lohnerhöhung gegönnt hatte, sorgte zuletzt für Verärgerung an der Raiffeisen-Basis.

Recherchen der Handelszeitung zeigen nun, dass hinter den Kulissen bereits an einem neuen Vergütungs -Reglement gearbeitet wird. Es wird erwartet, dass Interimspräsident Pascal Gantenbein ein solches an der Delegiertenversammlung ankündigt.

Über die Löhne des Verwaltungsrats abstimmen

Eine von Vertretern der Raiffeisen-Regionalverbänden geführte Arbeitsgruppe erarbeite ein neues Reglement, sagt der Vertreter eines Regionalverbands. Dieses dürfte vorsehen, dass künftig auch an der Raiffeisen-DV über die Vergütungspolitik abgestimmt werde – so wie bei kotierten Aktiengesellschaften.

Das Reglement könnte bereits an der ausserordentlichen DV im November den Delegierten vorgelegt werden, sagt der Banker. An dieser soll definitiv ein Nachfolger für den früheren Raiffeisenpräsidenten Johannes Rüegg-Stürm gewählt werden. Raiffeisen Schweiz wollte sich dazu auf Anfrage nicht äussern.

Abstimmung zur Décharge könnte verschoben werden

Noch unklar ist, ob am Samstag auch über die Décharge für die Bankorgane abgestimmt wird. Solange der Bericht der Finanzmarkt-Aufsicht über die kritisierten Geschäfte der letzten Jahre nicht vorliege, mache das wenig Sinn, sagt ein Banker.

Faktisch wird bereits am Freitag über dieses Traktandum entschieden. Dann nämlich treffen sich die Vertreter der Regionalverbände zu einer Vor-Sitzung, an der das Verhalten an der DV koordiniert wird. Kommen Sie zum Schluss, dass eine Décharge derzeit keinen Sinn macht, werden Sie beantragen, dass am Samstag über eine Verschiebung abgestimmt wird.

Geheime Delegiertenversammlung

Die Delegiertenversammlung von Raiffeisen findet – anders als die meisten Generalversammlungen anderer Banken – hinter verschlossenen Türen statt. Auch wer die Delegierten sind und welche Regionen wie viele Delegierten stellen, wird von Raiffeisen nicht kommuniziert.

Berechnung der Handelszeitung zeigen, dass die Region St. Gallen mit rund elf Prozent Delegierten den mächtigsten Regionalverband stellt. Dahinter liegen die Kantone Aargau und Bern (siehe Grafik). Raiffeisen wollte diese Berechnungen auf Anfrage nicht im Detail kommentieren. Die Schätzungen lägen aber «sicher nicht falsch», meinte eine Sprecherin.

Im Vorfeld zur DV wurde darüber spekuliert, ob auch der frühere Bank-Chef Pierin Vincenz in Lugano auftauchen könnte. Bis Dienstag sass er in Untersuchungshaft, weil gegen ihn ermittelt wird. Am Abend wurde er dann jedoch entlassen.

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Die Raiffeisen-Zauberformel

Die Liste der Delegierten von Raiffeisen Schweiz ist geheim. Öffentlich bekannt ist nur, dass es insgesamt 164 Delegierte gibt. Zudem gibt es eine in den Statuten von Raiffeisen Schweiz definierte Formel, die bestimmt, wie die Zahl der Delegierten auf die verschiedenen Raiffeisen-Regionen verteilt wird.

Demnach erhält jede Region fix zwei Delegierte. Zusätzlich erhält sie weitere Delegierte in Abhängigkeit ihrer Grösse. Dabei fliessen sowohl die in einer Region verwalteten Gelder (gemessen an der Bilanzsumme) als auch die Zahl der eigenständigen Banken in dieser Region in die Bemessung ein. Aufgrund der Werte per Ende 2017 ergibt sich die von der HZ berechnete Verteilung.

Die Formel führt dazu, dass jene Regionen, in denen viele Banken fusionieren, tendenziell benachteiligt werde. Zur Frage, ob das nicht den Strukturwandel behindere, antwortet die Raiffeisen-Medienstelle, der Schlüssel stelle sicher, dass sich auch kleinere Banken innerhalb der Organisation Gehör verschaffen können.

Pläne dieses System zu ändern habe es nie gegeben, schreibt Raiffeisen. Die aktuelle Formel bestehe seit der letzten Statutenrevision von Raiffeisen Schweiz im Jahr 1990.