Nach der Hiobsbotschaft, wonach jeder vierten Raiffeisen-Filiale die Schliessung droht, beruhigt Raiffeisen-Chef Patrik Gisel: Die Bankengruppe wolle auch künftig Arbeitsplätze schaffen.

Die Schliessung von kleineren Raiffeisen-Bankstellen soll demnach vor allem die Effizienz erhöhen, einen Arbeitsplatzabbau strebt Raiffeisen dabei nicht an – im Gegenteil: «Wir werden auch weiterhin Arbeitsplätze schaffen», sagt Gisel in einem Interview mit der Zeitung «Finanz und Wirtschaft».

250 kleine Filialen werden geschlossen

Die Reduktion soll vor allem über Fusionen der Raiffeisen-Banken geschehen, wie Gisel sagt. Durch mehr Grösse hätten es die Banken einfacher, ihren Aufgaben nachzukommen. An der Bilanzmedienkonferenz im Februar hatte der seit Oktober amtierende Raiffeisen-Chef und Nachfolger von Pierin Vincenz angekündigt, in den kommenden fünf Jahren bis zu 250 kleine Filialen zu schliessen. Heute betreibt Raiffeisen knapp 1000 Filialen.

«Aber sicher müssen wir die Effizienz auch bei Raiffeisen Schweiz erhöhen», sagt Gisel. Raiffeisen arbeite an einem neuen Prozessmodell, um schneller reagieren zu können. Gisel will hingegen nicht die Effizenz erhöhen, indem er die regionalen Raiffeisen-Genossenschaften zu einer schweizweiten Genossenschaft zusammen führt.

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Kenntnis der lokalen Umstände wichtig

Als Negativbeispiel nannte er die niederländische Rabobank, die das momentan macht. «Dadurch verlieren sie aber das föderalistisch-unternehmerische Modell.» Die lokalen und regionalen Chefs würden die Umstände vor Ort kennen, was ein nachhaltigeres Wirtschaften ermögliche.

Eine Herausforderung für die stark im Hypothekenmarkt engagierte Raiffeisengruppe ist die tiefe Zinsmarge. Im Kreditgeschäft habe Raiffeisen die Marge aber leicht ausgebaut. Solange Raiffeisen die Negativzinsen über Gebühren, Preise oder Margen auffangen könne, plane die Bankengruppe nicht, die Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) an die Kunden weiterzugeben.

«Wenn das nicht mehr der Fall ist, dann müssen Negativzinsen weiterbelastet werden«, sagt Gisel. Raiffeisen werde aber mit Sicherheit nicht die erste Bank sein, die die Negativzinsen an die Privatkunden weitergebe.

Raiffeisen zahlt knapp keine Negativzinsen

Raiffeisen würde es nach Angaben des Gruppen-Chefs hart treffen, wenn die SNB den Einlagefreibetrag senken würde. Bisher bezahlt Raiffeisen laut eigenen Angaben knapp keine Negativzinsen. Bis zu einem gewissen Freibetrag müssen Banken keine Negativzinsen auf ihre Einlagen bezahlen, bei Raiffeisen beträgt dieser Freibetrag 16 Milliarden Franken. Werde der Freibetrag halbiert, wäre das eine grosse Sache, so Gisel. Nur einen Teil davon könnte Raiffeisen kompensieren.

«Das übelste Szenario wäre ein Zins von minus 1 Prozent und eine Senkung des Freibetrags«, sagt Gisel. Durch die Europäische Zentralbank EZB stehe die SNB unter einem gewissen Druck, den Zins zu senken. Eine Zinssenkung könnte Raiffeisen laut Gisel etwa 10 Prozent des Geschäftsertrags kosten.

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Normalisierung mit Vontobel angestrebt

Zu der schwierigen Beziehung zur Privatbank Vontobel sagt Gisel: «Wir wollten eine Normalisierung der Situation.» Deshalb sei die Zusammenarbeit verlängert worden. «Die Kooperation ist nicht mehr so eng wie sie war, ob wieder mehr daraus entsteht, werden wir sehen.»

(sda/me/ise)