Der Sturm ist abgeflaut: Die Kurse an den Finanzmärkten klettern wieder nach oben und den ehemals krisengeschüttelten Banken fliessen wieder Neugelder in Milliardenhöhe zu -wie beispielsweise der Credit Suisse. Verlieren nun die Kantonal- und Regionalbanken ihren Status als Profiteure der Krise?

Nein. Allein der Raiffeisen-Gruppe sind zwischen Juni und September 2,4 Mrd Fr. Neukundengelder zugeflossen. «Per Ende September lagen wir bei rund 6 Mrd Fr. Wir gehen davon aus, dass dieses Wachstum anhält», sagt Pierin Vincenz, CEO Raiffeisen, gegenüber der «Handelszeitung».

Auch Valiant geniesst weiterhin eine Favoritenrolle. «Wir verzeichnen nach wie vor einen Nettoneugeldzufluss», sagt Kurt Streit, Verwaltungsratspräsident der Valiant-Gruppe und fügt hinzu: «Bisher kam es weder bei den privaten noch bei den institutionellen Kunden zu Abflüssen.» Dennoch hat sich aber die Menge der neu angetragenen Gelder verlangsamt. «Im Vergleich zum 1. Semester haben die Kundenneugeldzuflüsse nach und nach abgenommen», sagt Streit. Trotz des verlangsamten Wachstums ist sich aber der VR-Präsident sicher, dass die Zuflüsse bis Ende Jahr anhalten werden - wenn auch auf einem tieferen Niveau.

PostFinance: «Lage normalisiert»

In dasselbe Horn stösst auch PostFinance. «Den Höhepunkt bei den Nettoneugeldzuflüssen haben wir zwischen Oktober 2008 und Mai 2009 erreicht», sagt Mediensprecher Marc Andrey. Nun normalisiere sich die Situation wieder. Dabei sei aber in keiner Weise von einem Rückfluss an Privatkundengeldern zu sprechen. «Lediglich bei den institutionellen Anlegern gab es Fälle, bei denen Geld nur temporär bei PostFinance parkiert wurde», sagt Andrey.

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ZKB: «Vereinzelte Rückflüsse»

Woher also stammen die Nettoneugeldzuflüsse, die unter anderem die Credit Suisse bei sich verbuchen konnte? «Vor allem Staatsinstitute haben in den vergangenen Monaten viel temporär parkiertes Geld entgegengenommen», sagt Kurt Streit, VR-Präsident der Valiant-Gruppe. Nach jeder Hiobsbotschaft aus dem Finanzsektor hätten mehr und mehr Kunden nach Sicherheit gesucht. «Und Sicherheit geht für viele Kunden Hand in Hand mit einer Staatsgarantie», sagt Streit. So würden wohl solche Institute als Erste von einem Rückfluss von Kundengeldern betroffen sein.

Entsprechend bestätigt die Zürcher Kantonalbank «vereinzelte Rückflüsse» bei den privaten Neugeldern. Der Grund liege besonders in attraktiveren Konditionen diverser Mitbewerber sowie in der Trennung von US-Kunden, wie Mediensprecher Urs Ackermann erklärt. Bereits seit Längerem macht der ZKB vor allem die temporäre Überbrückung im Firmenkundengeschäft zu schaffen. Für das 4. Quartal 2009 rechnet die Bank aber im Privatkundenbereich nochmals mit einem Nettoneugeldzfluss. «Dieser wird sich jedoch weiter abschwächen», sagt Ackermann. Andere Kantonalbanken wollten auf Anfrage der «Handelszeitung» keine Stellung nehmen.

Kundenberater sollen es richten

Trotz der verlangsamten Neukundengelderzuflüsse und einem sich abzeichnenden Rückfluss planen die betroffenen Banken keine gegensteuernden Massnahmen - sie vertrauen auf ihre Kundenberater. «Wir sind zuversichtlich, dass es unseren Kundenberatern gelingen wird, einen Grossteil der Neukunden auch langfristig für die ZKB zu begeistern», sagt ZKB-Mediensprecher Urs Ackermann.

PostFinance, welche den Kunden ebenfalls eine Staatsgarantie bietet, appelliert gar an die Vernunft ihrer Klientel. «Wir glauben daran, dass die Krise die Kunden dafür sensibilisiert hat, vermehrt auf Sicherheit zu setzen», sagt Mediensprecher Andrey.

Aber auch ein zunehmender Wettbewerb bereitet den Kantonal- und Regionalbanken kein Kopfzerbrechen. So werben die Grossbanken derzeit mit aggressiven Konditionen, um wieder vermehrt Kunden für sich gewinnen zu können. «Kunden haben wegen der Stärke von Raiffeisen zu uns gewechselt», sagt Vincenz. Auch Valiant glaubt daran, dass ihre jährlich solide Geschäftsentwicklung die Kunden zu einem Wechsel bewogen hat. «Daher sind diese auch daran interessiert, eine langfristige Partnerschaft einzugehen», sagt Streit.