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Raiffeisen wird 200 Filialen abbauen

Patrick Gisel: Weniger Filialen, mehr Kapital in der Bank Notenstein. Keystone

Raiffeisen-Chef Patrik Gisel plant, das Filialnetz über zehn Jahre weiter abzubauen. Familien möchte er hingegen leichter zu Hypotheken verhelfen und Sparer von Strafzinsen verschonen.

Veröffentlicht am 04.09.2016

Die Kriterien für die Vergabe von Hypotheken sollten nach Ansicht von Raiffeisen-Chef Patrik Gisel angesichts der niedrigen Zinse gelockert werden. Die heutigen Richtlinien seien «übervorsichtig» und diskriminierten Junge.

Der Chef der drittgrössten Schweizer Bankengruppe kritisiert die Benachteiligung junger Familien beim Wohneigentum. «Eine junge Familie hat keine Chance auf eine Hypothek. Die Tragbarkeitskriterien sind viel zu streng», stellte Gisel in Interviews mit der «SonntagsZeitung» und der «Schweiz am Sonntag» fest.

Vergabe von Hypotheken lockern

Die Richtlinien zur Vergabe von Hypotheken seien übervorsichtig. Gisel hält es für sinnvoll, dass Hypothekarkunden mit beschränkten Barmitteln zu einem Spar- und Amortisationsplan über 15 Jahre mit einem fest verzinsten Kredit verpflichtet würden. Die Eigenmittel könnten diese über mehrere Jahre verteilt einbringen. Der Zins zur Berechnung der Tragbarkeit könnte dadurch deutlich auf rund 3 Prozent gesenkt werden.

Weiter rückläufig wird sich nach Ansicht von Gisel die Anzahl der Raiffeisen-Geschäftsstellen entwickeln. «Wir haben heute rund 980 Geschäftsstellen. In den letzten zehn Jahren haben wir bereits 300 geschlossen. In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden wir nochmals etwa 200 Geschäftsstellen aufgeben.» Als Gründe für den Abbau nennt Gisel in der SonntagsZeitung zum einen die drastischen Verschärfungen der regulatorischen Anforderungen durch die Aufsichtsbehörden. Zum andern führe die zunehmende Digitalisierung dazu, dass weniger Kunden in die Filialen kommen, sondern ihre Bankgeschäfte von zu Hause aus tätigen.

Sparer werden keine Strafzinsen zahlen

Keine Sorgen müssen sich die Raiffeisen-Sparkunden über Negativzinsen machen: «Raiffeisen wird die letzte Bank sein, die auf Sparkonten Negativzinsen verlangt». Das würden die Kunden nicht verstehen. Er selber verstehe das Konzept der Negativzinsen auch nicht und bezweifle deren Wirkung, so Gisel weiter. Die Nationalbanken sollten sich deshalb überlegen, wie sie von dieser Politik wegkommen, fordert der Raiffeisen-Chef.

Bezüglich der zu Raiffeisen gehörenden Privatbank Notenstein La Roche wiederholte Gisel gegenüber der SoZ frühere Aussagen, wonach ein Verkauf kein Thema ist. «Wir wollen mit Notenstein von heute 20 Milliarden  auf rund 40 Milliarden Franken verwaltete Vermögen wachsen». Dafür seien auch Akquisitionen nötig, erklärte Gisel. Noch nicht erfüllt habe das Institut bislang jedoch seine Anforderung, auch aus eigener Kraft Marktanteile zu gewinnen. Der Raiffeisen-Chef: «Über Zukäufe kann jeder wachsen, der genügend Geld hat.»

(awp/me)

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