Alles spricht von der Verlagerung des Transitverkehrs von der Strasse auf die Schiene, und in dieser Beziehung geschieht denn auch einiges. So etwa befindet sich die auf den Betrieb der Rollenden Autobahn (RoLa) zwischen Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg) und Novara (Piemont) spezialisierte RAlpin AG auf Wachstumskurs. Im vergangenen Jahr brachte sie 79 250 Lastwagen plus Chauffeure, 22,5% mehr als 2004, ans 414 km entfernte Ziel.

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Steigende Auslastung

Trotz einiger Handicaps in Bezug auf Terminals und Bahninfrastrukturen will Mitgeschäftsführer René Dancet den Schienentransit über die Lötschberg-Simplon-Achse kräftig ausbauen. Als Spitzenmonat erwies sich 2005 der November mit 7920 transportierten Lastzügen oder Sattelschleppern. Selbst im flauen Ferienmonat August registrierte RAlpin noch 4560 Einheiten. Auch die steigende Auslastung der Züge bereitet ihr Freude: Während im Gründungsjahr 2001 durchschnittlich zwölf Trucks pro Komposition die Alpen querten, schlugen 2005 jeweils 16 zu Buche. Wegen limitierter Tunnelprofile werden nur Fahrzeuge mit einer Eckhöhe von maximal 4 m akzeptiert.

Laut Dancet leidet das Leistungsniveau der Rollenden Autobahn «nach wie vor unter gewissen Defiziten». Sie betreffen vorwiegend die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Züge sowie den Komfort der Begleitwagen. Dennoch schätzten Kunden die ihren Truckern gebotene Möglichkeit, während der gesetzlichen Ruhezeit entspannt oder schlafend durch das Alpenmassiv zu rollen. Für 2006 rechnet Dancet mit moderaten Geschäftszuwächsen.

Angesichts des stattlichen Marktpotenzials derzeit transitieren rund 700000 Lastwagen pro Jahr die Schweizer Alpen plant er, die Stellplatzzahl von aktuell 100000 auf 150000 bis 200000 pro Jahr zu erhöhen. Damit erteilt er jenen Prognostikern eine Absage, die den Ausbau des begleiteten Kombiverkehrs auf jährlich 600000 Stellplätze für realistisch halten.

Da Staatssubventionen abschmelzen werden das Bundesamt für Verkehr alimentiert die Rollende Autobahn mit 380 Fr. pro Sendung fokussiert RAlpin verstärkt auf Wirtschaftlichkeit. In diesem Kontext soll die Verlegung des Geschäftssitzes Mitte 2006 von Bern nach Olten mehr operative Unabhängigkeit von den vier Aktionären schaffen.

Effizientere Prozessabläufe

Zudem will Dancet die weit gehend ausgelagerten Kernbereiche Finanzen und Technik in die Hände firmeneigener Spezialisten legen. Effizientere Prozessabläufe erwartet er vom neuen Terminal Freiburg/Breisgau. Dieser soll in etwa einem Jahr betriebsbereit sein. Neben Leistungssteigerungen und besseren Infrastrukturen für Camionneure zeichnen sich Produktionsvereinfachungen ab. Dazu gehört die durchgehende Traktion zwischen dieser Anlage und Domodossola an der schweizerisch-italienischen Grenze. Die Umstellung ermöglicht kürzere Fahrzeiten, höhere Servicequalität und ökonomisches Straffungspotenzial.

Extra Terminalkapazitäten seien in Nord und Süd vonnöten, mahnt Dancet. Auch bei den Bahninfrastrukturen besteht Handlungsbedarf. Auf einigen Streckenabschnitten herrschten Engpässe. Schlimmer noch: Durch Fahrplanverdichtungen im Personenverkehr würden neue geschaffen. Deren Beseitigung sei für die Zukunft der Rollenden Autobahn und des transalpinen Schienenverkehrs schlechthin von fundamentaler Bedeutung.

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Rollende Autobahn: Sinnvolle Korrektur

RAlpin betreibt die Rollende Autobahn zwischen Freiburg im Breisgau (Deutschland) und Novara (Norditalien) im Auftrag des Bundesamts für Verkehr seit dem Juni 2001. Ihre Aktionäre sind die BLS Lötschbergbahn, SBB Cargo, Hupac und Trenitalia. Das Management des Joint Venture liegt in den Händen von René Dancet (BLS Cargo) und Simone Croci-Torti (Hupac). Auf Beschluss des Verwaltungsrats Ende 2005 wird Dancet im Zuge des Mitte dieses Jahres anstehenden Firmensitzwechsels von Bern nach Olten die alleinige, operativ von den Aktionären unabhängige Geschäftsführung übernehmen.