Nach den Turbulenzen an den Finanzmärkten rücken risikosensible Anlagestrategien wieder vermehrt in den Fokus vieler institutioneller Anleger. Dabei erwarten Investoren, dass die sogenannten «Tailrisks», also die Risiken an den Rändern der Renditeverteilung, besser in die Anlagestrategie integriert werden. Es sollen Verlustrisiken möglichst ausgeschlossen werden, und trotzdem soll die Teilnahme an Aufwärtsbewegungen möglich sein. Was sich auf den ersten Blick als Quadratur des Kreises anhört, kann heute dank der Unterstützung mittels fortgeschrittener Informationstechnologie, der Vernetzung der weltweiten Börsenplätze und äusserst effizienter Infrastruktur in einer Anlagestrategie umgesetzt werden.

Ohne starre Benchmark

Eine risikolimitierte Anlagestrategie hat zum Ziel, das Kapital kurzfristig zu erhalten und gleichzeitig langfristig positive Erträge zu erzielen. Dies kann mit dem Value-at-Risk-(VaR)-Ansatz erfolgen. Dieses statistische Modell legt den Verlust fest, der mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird. Ein VaR von beispielsweise 2% mit Konfidenzinterval 99% heisst vereinfacht: Am zweitschlechtesten Performancetag in 100 Tagen kann das Mandat bis zu 2% verlieren, am schlechtesten Performancetag mehr. In 99 von 100 Tagen sollte demnach eine positive Performance oder ein Verlust von weniger als 2% anfallen. Damit die VaR- Messgrösse möglichst effizient umgesetzt werden kann, dürfen die Investitionen in den Anlageklassen deutlich zwischen 0 bis 100% schwanken, und sie sind nicht um einen Portfolio-Benchmark zentriert. Es besteht auch keinerlei Zwang, in eine bestimmte Anlageklasse zu investieren. Zusätzlich kann ein sogenannter «Floor» definiert werden. Falls dieser unterschritten wird, reduziert die Strategie automatisch das Risiko im Portfolio.

Liquide Anlageinstrumente

Für die erfolgreiche Umsetzung der risikolimitierten Strategie ist der Einsatz von äusserst liquiden und transparenten Anlageinstrumenten zentral. Eine VaR-basierte Anlagestrategie funktioniert nur, wenn die entsprechenden Umschichtungen zeitnah und ohne Abweichungen implementiert werden können. Dies stellt an die Umsetzung hohe Ansprüche, sowohl an die Flexibilität als auch an die Genauigkeit der ausgewählten Instrumente.

Anzeige

ETF besitzen als passiv verwaltete Fonds genau diese Eigenschaften: Sie sind jederzeit über die Börse zu verlässlichen Preisen handelbar und bilden den gewählten Index exakt und transparent nach. Hinzu kommt der Vorteil, dass die eingegangenen Positionen eins zu eins und effektiv abgesichert werden können. Ein korrekt ausgewählter ETF repräsentiert exakt den Markt, der mit den dazugehörenden Optionen und/oder Futures wenn nötig einfach abgesichert werden kann. Diese Kriterien sind beim risikobasierten Ansatz besonders wichtig, da taktisch sehr schnell und exakt gehandelt werden muss.

Flexible Vermögensaufteilung

Eine professionelle Vermögensverwaltung, welche einen Risiko limitierenden Ansatz verfolgt, setzt hohe Flexibilität in der Vermögensaufteilung sowie Anlagen in liquide und transparente Instrumente voraus. Der effiziente Einsatz von ETF spielt dabei eine zentrale Rolle. Einerseits wird durch die Passivierung der Anlageinstrumente der Fokus auf die Allokation der Anlageklassen verstärkt und anderseits wird einer allfällig negativen Beeinflussung durch eine emotionale Titelauswahl entgegengewirkt. Eine auf quantitative Risikokennzahlen basierte und mehrheitlich passiv umgesetzte Anlagestrategie stellt eine wichtige Alternative zum herkömmlichen Portfoliomanagementansatz dar und wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.