Noch dominieren in dem im Januar publizierten «Financial Times 2008 Vollzeit-Ranking» die MBA-Schulen aus den USA und Grossbritannien. Doch drängen wie nie zuvor europäische und chinesische Schulen an die Spitze. Noch vor sieben Jahren hat die «Financial Times» unter den Top Ten nur zwei europäische Schulen für würdig befunden: Insead in Fontainebleu und die London Business School. Damals nahmen die US-Eliteschulen das Erscheinen der Europäer noch auf die leichte Schulter. Doch hat sich inzwischen einiges radikal geändert. Im aktuellen «Financial Times Ranking» vom Januar 2008 gibt es viele neue Gesichter an der Spitze. Auf den ersten 15 Plätzen tummeln sich sechs europäische Institutionen: zwei aus Grossbritannien, Zwei aus Spanien, eine französische und mit IMD Lausanne auch eine Schweizer Eliteschule (siehe Tabelle).

Chinesen drängen nach vorne

Im Reigen der Top 15 liegt Ceibs Schanghai auf Platz 11, das erfolgreiche chinesisch-europäisch Business-School-Tandem, das 2007 zum ersten Mal dort landete ? 2006 lag Ceibs noch auf Platz 21. Die Hongkong UST Business School machte ebenfalls einen überraschenden Sprung von Platz 47 vor zwei Jahren auf Platz 17 im aktuellen Ranking.

Lange Gesichter

Einen spektakulären Aufstieg verzeichnet auch die Shanghai Jiao Tong University: Sie schaffte es erstmals auf Platz 41, in den Jahren zuvor kam sie unter den 100 Besten nicht vor. Eine weitere asiatische Schule befindet sich auf dem Vormarsch: Die Nanyang Business School aus Singapur landete auf Platz 46 und verbesserte sich seit 2007 um 21 Plätze. Für lange Gesichter bei den lange Zeit erfolgsverwöhnten US-Schulen sorgte auch die Indian School of Business, die gleichzeitig mit der London Business School sowie Wharton und Kellog eine Partnerschaft eingegangen ist. Vor drei Jahren noch erschien sie in keinem Ranking. Inzwischen ist sie mit Rang 20 der renommierten Oxford Universität Said (Platz 19) dicht auf den Fersen. Bei einigen Mitbewerbern wurde daraufhin die Frage diskutiert, warum asiatische Schulen mit einer solch kurzen MBA-Geschichte überhaupt so weit vorne liegen können. Eine Erklärung, warum nicht-amerikanische Managementschulen einen solch rasanten Aufstieg erleben, lieferte die «Financial Times» bereits im vorigen Jahr: «Der Aufstieg lässt sich sowohl der Weltpolitik als auch den herausragenden Leistungen (gemeint sind vor allem die der Europäer und Asiaten) zuschreiben. Die Terroranschläge und ihre Folgen haben den amerikanischen Einrichtungen zugesetzt.»

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Top-Gehälter in BRIC-Ländern

Ein Schwergewicht bei den Bewertungskriterien sind die Gehälter. Sie spielen beim Ranking mit 40% der Kriterien eine wichtige Rolle, die zweifellos auch von Interessenten stark wahrgenommen wird. Man könnte sich allerdings täuschen, wenn man nur die ausgewiesenen Top-Verdienste der amerikanischen Schulen, die ein Vollzeit-MBA durchführen, analysiert. So führen amerikanische Business-Schulen zwar noch immer die Hitparade der höchsten Saläre an, doch arbeiten die Absolventen nach dem Abschluss nicht automatisch in den USA. «Financial Times» schlüsselte im aktuellen Ranking den Durchschnittsverdienst der Absolventen auch zusätzlich nach den Ländern auf, in denen diese zurzeit arbeiten. Das bedeutet, dass die Höhe des Einkommens auch davon abhängt, in welchem Land man bereit ist zu arbeiten. Beispielsweise meldet die auf Rang 4 platzierte Stanford University 2008 das Spitzensalär von 175766 Dollar, die US University of Pennsylvania Wharton auf Rang 1 weist 166032 Dollar aus. Doch verdient die Mehrzahl der Absolventen diese Spitzenlöhne nicht automatisch in dem Land, in dem sie den MBA gemacht haben, sondern dort, wo sie arbeiten. Top-Gehälter werden heute in Afrika, Russland, Indien, China und den Vereinigten Arabischen Emiraten erzielt, so die Analyse der «Financial Times», und nicht in den USA oder in der Europäischen Union.Beispiele aus Europa zeigen, dass Absolventen von Insead Frankreich/Singapur mit 147763 Dollar ebenfalls Spitzensaläre bekommen. Ähnlich erfolgreich sind Absolventen von IMD. Vier Jahre nach Abschluss bei der Lausanner Eliteschule beträgt das Salär 147172 Dollar, ein europäischer Rekord. Da die Studenten von Insead zu 89% aus dem Ausland kommen und IMD sogar 97% ausweist, liegt auf der Hand, dass Absolventen solche Einkommen vor allem im Ausland erzielen.

Drei Executive-MBA-Programme der globalen Business-Elite

Die Universität St. Gallen startet ihr Programm «Omnium Global Executive MBA in General Management» mit einem ersten Modul in Kanada. Mit dabei sind rund 30 Studierende aus aller Welt; der Lehrgang läuft seit vier Jahren mit wachsendem Erfolg. Organisiert wird die Veranstaltung zusammen mit der kanadischen Rotman School of Management der Universität Toronto als Lead-Universität.

Nach einem fünfwöchigen Pre-Program heisst das erste Reiseziel Toronto mit einem zweiwöchigen Studienaufenthalt, dann gehts zurück nach Hause zum individuellen Studium und Arbeiten in virtuellen Teams.Das gleiche Muster in Brasilien: Zwei Wochen São Paulo und Rio mit dem Thema Doing Business in Brazil, wieder back home, bevor der Jet erneut ins indische Hyderabad startet.Weitere Etappen sind St. Gallen und Budapest, danach Hongkong und Schanghai, von da wieder nach Toronto und zurück in die Schweiz. Die Studien finden in Zusammenarbeit mit lokalen Universitäten statt, dazu kommen Firmenbesuche und Treffen mit ansässigen Managern.Das Ziel des sich über 18 Monate erstreckenden Programms ist die Vermittlung der wichtigsten Kerndisziplinen aus Sicht einer globalen Perspektive, so Wolfgang Jenewein, Managing Director für dieses Global Executive MBA. Der Preis: 80000 Dollar; nicht enthalten sind Reisekosten bzw. die Unterbringung.Im aktuellen Global-EMBA-Ranking steht ein nicht zu unterschätzender Mitbewerber auf Platz zwei: Das Trium-MBA-Programm der HEC Paris (siehe Seite 74), das die französische Eliteschule zusammen mit der Stern School of Business (New York) und der London School of Economics and Political Science (LSE) anbietet. Zu Aufenthalten in London, Paris und New York kommen je einwöchige in Lateinamerika und Asien. Für das sich über 16 Monate erstreckende Teilzeitprogramm sind 122750 Dollar zu bezahlen. Schliesslich wirbt die Schule mit dem Motto «Trium is the only truly international MBA Program designed for seasoned leaders on a global track!».Hinter dem etwas prahlerisch tönenden Namen «One MBA» verbirgt sich die RSM Erasmus University Rotterdam, die zusammen mit der University of North Carolina at Chapel Hill (UNC), der Chinese University of Hong Kong (CUHK) sowie Egade (Monterrey, Mexico) und der Fundaçao Getuilo Vargas (FGV-EAESP) in São Paulo, Brasilien, die Zusammenarbeit und den Werbespruch «Only truly global MBA» kreiert hat. Das Prinzip ist dem der anderen Schulen ähnlich: Fünf Schulen, vier Kontinente. Das Programm beläuft sich auf 49500 Euro.

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