Beim Thema Ranking regt sich in einigen US-amerikanischen Business Schools schon seit ein paar Jahren heftiger Widerstand. Obwohl die Harvard Business School zum letzten Mal 2003 ihre Daten offen gelegt hat, taucht sie beim neuesten Ranking der «Financial Times» auf Platz drei der besten MBA-Schulen der Welt auf. Ob da niemand gewagt hat, am Mythos zu kratzen?

Der Dean der University of Pennsylvania Wharton School, Patrick Harker, machte schon vor längerer Zeit klar, dass seine Schule als eine Non-Profit-Organisation dazu da sei, den Studenten die beste Ausbildung zu geben und nicht Ressourcen dafür einzusetzen, um den Medien Material für ihre Rankings zu liefern.
Auch die Wharton School hat ihre Bücher zum letzten Mal 2003 offen gelegt und wird vier Jahre später trotzdem als beste MBA-Schule der Welt ausgezeichnet. Genauso reagiert die auf Platz
zwei gesetzte Columbia Business School: «No comment» zu den Umfragen. Im Mai dieses Jahres versammelten sich gemäss einem Artikel in der «Business Week» in den USA zwölf Präsidenten bekannter Business-Schulen, um etwa 1000 Schulen davon abzuhalten, beim jährlichen Eiertanz der «U.S. News & World Report» mitzumachen und einfach die Teilnahme zu verweigern. Die Rankings seien irreführend und sagten wenig darüber aus, was den Studenten wirklich dient. Aber auch die «Business Week», die darüber berichtete, bekam ihr Fett ab für ihren ungebührlichen Einfluss auf die Meinungsbildung.

Vernichtendes Urteil

Über die Praxisferne der Business Schools in den USA hat sich dieses Jahres die Managerlegende Jack Welch geärgert. Nachdem der Ex-Chef von General Electric mit seiner Frau Suzy im Jahr 2006 35 Business Schools in den USA besucht hatte, war sein Urteil gemäss einem Artikel im «Handelsblatt» vernichtend. Die Schulen vermittelten ihren Studenten vor allem hochgeistige Konzepte, liess Welch in einer Zeitungskolumne verlauten. Das möge ja ganz nützlich sein für Mitarbeiter in einem Beratungsunternehmen. Wer aber ein echter Manager werden wolle, müsse wissen, wie er das Maximum von seinem Team erhalte.
Schon zwei Jahre zuvor hatte ein viel beachteter Artikel in der «Harvard Business Review» die Institutionen wachgerüttelt. Die in den USA bekannten Autoren Bennis und O’Toole bemängelten ebenfalls die Praxisferne. Ihre Kritik: «Den künftigen Managern wird zu wenig Rüstzeug für eine verantwortungsbewusste Unternehmensführung vermittelt. Es reicht nicht aus, den Studenten beizubringen, wie sich die Aktienkurse maximieren.»
Inzwischen haben einige US-Business-Schulen begonnen, ihr Ausbildungskonzept umzustellen – vernetztes Lernen statt traditioneller Fachunterricht –, resümiert das «Handelsblatt». In Europa und ganz besonders in der Schweiz sind indes schon seit Jahren regelmässige Kontakte mit Vertretern der Wirtschaft, Auslandsaufenthalte und andere Module fester Bestandteil der Managementausbildung.

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Uneinheitliche Kriterien

Platz zwei auf der einen, Platz 27 auf einer anderen Rangliste? Bei MBA-Rankings ist alles möglich. Denn je nachdem, wen man fragt und welche Kriterien man wie gewichtet, unterscheidet sich das Ergebnis erheblich.
Die führenden Akkreditie-rungsorganisationen für MBA-Programme üben immer öfter starke Kritik an den Rankings der internationalen Wirtschaftspresse. Besonders die «Financial Times» gerät immer stärker in den Mittelpunkt. Meist sind die Bewertungskriterien fragwürdig, die erhobenen Daten ungeprüft und die Auswertungen nicht nachvollziehbar. Trotz dieser vielen Fragezeichen kommt keine Business School an so einer Rangliste vorbei und ist stets bemüht, einen guten Listenplatz zu erreichen. Die meisten Schulen veröffentlichen das Ergebnis auf ihrer Website und informieren die Medien. Die Gefahr bei dieser Entwicklung von einer Bewertung der Hochschule hin zu einem der wichtigsten Marketinginstrumente besteht darin, dass Business Schools ihre Entwicklung der Programme und Veränderungen nach den Rankings richten.
Und die haben noch immer Gewicht, obwohl der Präsident der stark beachteten Akkreditierungsanstalt AACSB weiss, dass für viele Schulen und Studenten die Ranglisten der Medien längst ein Ärgernis sind. Und doch glauben noch immer viele Deans von angelsächsischen und europäischen Schulen: Wir müssen dabei sein, weil viele Manager, die unsere Absolventen einstellen, sich daran orientieren.

Verstoss gegen das Recht?

Am bekanntesten sind noch immer die Ranglisten von «Financial Times», «Business Week» und dem «Wall Street Journal». Die «Financial Times» befragt sowohl Business Schools als auch Studenten und Arbeitgeber. Die «Wirtschaftswoche» stellt fest, dass beim Ranking der «Financial Times» in Bezug auf den Gehaltsanstieg Äpfel mit Birnen verglichen werden: Bei der Frage nach dem prozentualen Gehaltssprung profitieren Schulen mit eher jungen Absolventen deutlich mehr als Schulen, die Studenten mit Berufserfahrung aufnehmen. Ein wirklich aussagekräftiger Vergleich müsste unterschiedliche Niveaus berücksichtigen.
Dazu kommt, dass beispielsweise osteuropäische Schulen in den Rankings schlecht abschneiden oder gar nicht vorhanden sind. Daher beschwerte sich vor einem Jahr die Direktorin der Bled School of Management in Slowenien: Weil die Bewertung der MBA-Programme stark vom Gehalt abhänge, sei auch ihre Schule chancenlos. «Das verstösst klar gegen das europäische Wettbewerbsrecht», wetterte die kampflustige Dame. Die «Business Week» kontaktiert neben Studenten auch Unternehmen und Personalvermittler. Dagegen befragt das «Wall Street Journal» Personalmanager. Der «Economist» setzt einen Bewertungsschwerpunkt beim Karriereservice der Schulen. Die «Wirtschaftswoche» vom 12. September 2007 spricht zu den unterschiedlichen Kriterien Klartext: Gerade der vielbeachteten «Business Week» wird ihre US-Lastigkeit bei den Fachartikeln angekreidet. Denn 10% der Gesamtnote ergeben sich aus der Anzahl der Fachartikel der Professoren, die diese in amerikanischen Fachmagazinen veröffentlicht haben. Daher wird in Europa der Ruf nach Rankings laut, wo europäische Fachmagazine zitiert werden.
In einem sind sich inzwischen fast alle einig: Ein Ranking ist allenfalls ein erster Hinweis für die Qualität eines Programms. Ein fast noch wichtigeres Kriterium sind die Gütesiegel, besonders wenn es sich um internationale Managementausbildung handelt. Weltweit stehen die Gütesiegel AACSB, Equis und AMBA für die hohe Qualität eines Programms und garantieren Mindeststandards in der Lehre. Etliche Top-Schulen führen inzwischen alle drei Gütelsiegel, in der Schweiz ist es IMD Lausanne. Die Hochschule St. Gallen ist Equis- und AACSB-akkreditiert (siehe Tabelle in der Mitte dieser Beilage).

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Die bekanntesten internationalen Rankings

- «Business Week» (Ranking der Top 25 US-Business Schools als Titelgeschichte alle zwei Jahre, das nächste Mal 2008).
- «US News & World Report» März-Ausgabe, Full- und Part-time programs.
- «Financial Times»: Derzeit publiziert das Blatt fünf verschiedene Rankings:

Die besten MBA-Schulen der Welt
die besten MBA-Schulen in Europa;
- die Top 100 Full-time-global-MBA-Programs,
- European Masters in Management Rankings,
- European Business School Rankings.

Andere wichtige Rankings «Forbes»: Alumni-Befragung bezüglich Return on Investment.
Junge Karriere: «Handelsblatt»-MBA-Ranking bewertet die Programm-Performance, Preis-Performance und das Image der Schule.

Die aktuellen «Financial Times» Rankings Die besten Schulen für Master of Business Administration in Europa:

1. London Business School, GB
2. Insead Fontainebleau, Frankreich
3. Instituto de Empresa, Spanien
4. IMD Lausanne, Schweiz
5. University of Cambridge, GB
6. IESE Business School, Spanien
7. HEC Paris, Frankreich
8. University of Oxford Said, GB
9. Manchester Business School, GB
10. Esade Business School, Spanien

Die besten MBA-Schulen der Welt Unter den 100 aufgeführten Schulen der «Financial Times» nimmt das IMD Lausanne als einzige Schweizer Business School einen Platz (13) ein. Unter den ersten zehn liegen acht US-Schulen vorne (Wharton, Columbia, Harvard, Stanford, Chicago GSB, New York Stern, Dartmouth College Tuck). Dazu kommt die London Business School auf Platz fünf und Insead Fontainebleu auf Platz sieben.

The top 100 full-time global MBA Program Ausser dem IMD Lausanne auf Platz 13 ist keine einzige Schweizer Schule vertreten.
Die besten europäischen Business-Schulen Bei den 2006 durchgeführten Rankings handelt es sich um Business-Schulen, nicht um MBA-Programme. Von den 55 Schulen sind zwei Schweizer dabei: IMD Platz 3, HSG Platz 33. Frankreich steht mit dem HEC Paris an der Spitze und wird im Ranking zehnmal genannt.

IMD schiesst den Vogel ab In den letzten 30 Jahren spielt IMD mit dem MBA in der Top-Liga der internationalen Mitbewerber. Die letzten Highlights:
2007, «Financial Times»: Nr. 1 Europa und International (FT Ranking of the Ranking)
2006, «Wall Street Journal»: Nr. 1 International
2006, «Business Week»: Nr. 1 Europa
2006, «The Economist»: Nr. 5 weltweit
2007 «Financial Times»: Nr. 13 weltweit
2005, «Forbes»: Nr. 2 unter den Ein-Jahres-Programmen
2006, «Junge Karriere» («Handelsblatt»): Nr. 1 in Europa
2006, «America Economica»: Nr. 11 International

Quelle: www.imd.ch