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Jobabbau
Rapidshare entlässt den Grossteil der Mitarbeiter

Rapidshare in Baar: Wie geht es weiter mit dem Dateienspeicherservice?

Der Zuger Internet-Dienstleister kündigt 45 seiner 60 Mitarbeiter. Vor dem Aus steht Rapidshare laut dem Firmenchef nicht - daran gibt es jedoch Zweifel.

Veröffentlicht am 17.05.2013

Von 60 Mitarbeitern bei Rapidshare behalten nur 15 ihren Job, alle anderen werden entlassen. CEO Kurt Sidler bestätigte die Massenentlassung gegenüber «20min.ch». Auf die Frage, ob das Unternehmen mit Sitz in Baar im Kanton Zug nun vor dem Aus stehe, sagt Sidler: «Nein, die Lage ist zwar unbestreitbar so, dass wir Kosten senken und uns leider von etlichen Mitarbeitern trennen müssen. Rapidshare wird den Betrieb aber aufrechterhalten und hat konkrete Pläne für die Zukunft.»

Mitarbeiter fühlen sich «verarscht»

Jedoch zitiert die Nachrichten-Website einen Informanten, der sagt: «Die Mitarbeiter selber, egal, wen man fragt, glauben nicht an ein Überleben der Firma.» Die Angestellten des Dateienspeicherservice fühlten sich «verarscht», sagt der Informant, da Rapidshare erst im Dezember 2012 das Versprechen gegeben habe, die Arbeitsplätze seien bis 2013 sicher.

Die Arbeitsplätze würden demnach nicht sofort geräumt, sondern jeder Mitarbeiter habe seine individuellen Kündigungsfrist einzuhalten. Erst vor wenigen Wochen wurden laut dem Informanten noch neue Mitarbeiter aus dem Ausland angestellt - mit einer Kündigungsfrist von sieben Tagen.

«Zeichen der Zeit nicht erkannt»

Erst Anfang Mai war bekannt geworden, dass Kurt Sidler, Ex-Chef des Geschäfts-Softwareherstellers Sage Schweiz, bei Rapidshare zum zweiten Geschäftsführer neben der bisherigen Alexandra Zwingli wird. Mit wahrscheinlichen Gesetzesänderungen beim Urheberrecht in der Schweiz muss Rapidshare neben den bisherigen Privatkunden schnellstmöglich ein funktionierendes Geschäftsmodell für Firmen auf die Beine stellen.

«Als Pionier im Cloud-Storage-Bereich, für die es lange Zeit wie von selbst lief, waren wir vielleicht zu sehr auf uns fokussiert und haben die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannt», erklärte Geschäftsführer Kurt Sidler, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. So hätten etliche Wettbewerber bereits seit einiger Zeit spezielle Angebote für Geschäftskunden, Rapidshare nicht. Auch sei das Unternehmen in der Vergangenheit ständig in der Defensive gewesen, weil es Rapidshare bei der Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen allen recht machen wollte. «Dadurch haben wir zwar das Problem in den Griff bekommen, aber auch nötige Innovationen vernachlässigt», erklärt Sidler. «Wir werden deswegen einen Neustart wagen.»

Was Sidler verklausuliert erwähnt, ist, dass Rapidshare kürzlich die Abonnement-Struktur derart gestaltete, dass sie für diverse Privatpersonen mit massivem Download-Volumen pro Monat schlicht nicht mehr attraktiv war. So verlor Rapidshare enorm Kunden, die den Dienst vorwiegend dazu nutzten, um Musik- und Filmdateien über Tauschbörsen herunterzuladen. Das Modell war hoch lukrativ. Noch im Mai 2012 zog Rapidshare in neue Räumlichkeiten, weil die alten für 60 Angestellte zu klein geworden seien - zudem suchte man aktiv weiteres Personal.

Gründer kauf Villa über Umwege

Für Aufsehen hatte zuletzt auch der deutsche Rapidshare-Gründer Christian Alexander Schmid gesorgt: Vom Bündner Dany Bahar kaufte er die Villa Margaritha mit Privatstrand, Bootshaus, grosszügiger Parkanlage in Vitznau. Bahar hatte die Immobilie nur weniger Monate vorher von der Unia übernommen. In deren Besitz war das Anwesen 71 Jahre lang. Die Gewerkschaft fühlte sich düpiert, da sie Schmid selber als Käufer zuvor abgelehnt hatte.

(tno/aho/chb/sda)

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