1. Home
  2. Unternehmen
  3. «Rasch und bestimmt»: Novartis untersucht Korruptionsvorwurf aus Athen

Griechenland
«Rasch und bestimmt»: Novartis untersucht Korruptionsvorwurf

Novartis
Novartis: Pharmagigant aus Basel.Quelle: Keystone

In der griechischen Korruptionsaffäre verspricht Novartis rasches Handeln. Der Konzern warnt aber auch vor Sensationsgier.

Veröffentlicht am 12.02.2018

Der Pharmakonzern Novartis will «rasch und bestimmt» gegen Korruption im eigenen Haus vorgehen, sollten sich die Schmiergeldvorwürfe in Griechenland als wahr erweisen. Die Firma habe Kenntnis über die Untersuchungen der griechischen und US-amerikanischen Behörden, teilte der Konzern am Montag mit. Allerdings sei Novartis bislang in Griechenland nicht offiziell über den Fall informiert worden.

Anfang 2017 hatten die Behörden Novartis-Büros in Griechenland wegen des Verdachts von Schmiergeldzahlungen untersucht. Die Firma habe auch eine eigene Untersuchung begonnen und wolle Fehlverhalten nicht dulden, hiess es in der Mitteilung. Allerdings enthalte die politisch aufgeheizte Debatte über den Fall «viele sensationsheischende und unbegründete Anschuldigungen», erklärte Novartis.

Rechtshilfeersuchen aus Athen und Washington

Im Korruptionsskandal sind beim Bundesamt für Justiz (BJ) zwei Rechtshilfeersuchen eingegangen – aus den USA und Griechenland. Die Anfragen würden derzeit geprüft, bestätigte BJ-Sprecher Folco Galli am Samstag. Er bestätigte einen Bericht der Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Der Bund». Das Westschweizer Radio und Fernsehen RTS hatte bereits vergangene Woche darüber berichtet. Weitere Angaben machte Galli zu dem Fall nicht.

Dem Pharmakonzern wird in Griechenland Bestechung vorgeworfen. Justizminister Stavros Kontonis hatte im vergangenen Jahr erklärt, Novartis habe vermutlich «tausende» Ärzte und Verwaltungsangestellte bestochen, um seine Produkte zu lancieren.

EU-Kommissar unter Druck

Von Zeugen der Bestechlichkeit beschuldigt werden unter anderem zehn hochrangige ehemalige griechische Regierungsmitglieder, darunter EU-Kommissar Dimitris Avramopoulus. Dieser wies allerdings jegliche Verbindungen zur Korruptionsaffäre zurück.

Kontonis beschuldigte Novartis ausserdem, auch nach dem Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft 2010 noch «überteuerte» Medikamente verkauft zu haben. Insgesamt sollen solche Methoden Griechenlands Ermittlern zufolge zwischen 2000 und 2015 etwa 23 Milliarden Euro gekostet haben.

(reuters/sda/ise/mbü)

Anzeige