Wie das Wirtschaftsmagazin «Capital» vorab berichtet, sollen die Pläne für eine neue europäische Ratingagentur weit gediehen sein. Bereits im zweiten Quartal 2012 soll die als unabhängige Stiftung geplante Agentur erste Bewertungen für Länder-Ratings vorlegen, hiess es weiter in dem Bericht.

Anders als bei den derzeit führenden US-Agenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch sollen beim neuen Modell nicht die Emittenten, sondern Investoren die Kosten des Ratings tragen.

Im zweiten Halbjahr 2012 sollen dann Noten für Banken und 2013 zu Unternehmen und Finanzprodukten folgen. Zu diesem Zeitpunkt sollen etwa 1000 Mitarbeiter an allen wichtigen Finanzplätzen für eine globale Präsenz sorgen. Rund 300 Millionen Euro soll der Aufbau laut «Capital» kosten. Das Startkapital für die unabhängige Stiftung soll von europäischen Firmen der Finanzbranche kommen.

Ackermann als Unterstützer?

«Bis Ende 2011 werden wir ein Konsortium von bis zu 25 Teilnehmern gebildet haben, die je zehn Millionen Euro investieren», zitierte das Magazin Markus Krall, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger.

Die Politik unterstützt laut dem Pressebericht den Plan. Ebenso die deutsche Finanzindustrie, sagt Friedrich von Metzler, Chef des gleichnamigen Bankhauses. Ein weiterer prominenter Unterstützer des Modells sei Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann.

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Seit einem Jahr wirbt Unternehmensberater Krall bei Regierungen und Unternehmen in Euroland sowie der EU-Kommission für ein neues, europäisches Modell. Es soll privat finanziert werden und seine Dienste deutlich günstiger anbieten als die amerikanischen Agenturen.

Während heute das Rating eines deutschen Dax-Konzerns leicht eine Million Euro kostet, wolle die europäische Alternative weniger als die Hälfte verlangen, sagte Krall.

(tno/cms/awp)