Der geplante teilweise Börsengang (IPO) des Schweizgeschäfts der Credit Suisse wird unwahrscheinlicher. Davon sind Experten nach der heutigen Präsentation der Zahlen für 2016 überzeugt. Offenbar stellt die Bank das Grossprojekt auf den Prüfstand. «Die Wahrscheinlichkeit für einen IPO ist gesunken», sagt Vontobel-Experte Andreas Venditti. «Die Credit Suisse schlägt neue Töne zum geplanten Börsengang an», deutet Javier Lodeiro, Experte bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), den Auftritt von Konzernchef Tidjane Thiam vor Analysten.

Im Oktober 2015 hatte der eben angetretene Chef der Credit Suisse sein Sanierungsprogramm für die Schweizer Grossbank präsentiert. Dazu gehörte unter anderem ein teilweiser Börsengang des Schweizer Geschäfts bis Ende 2017. Der IPO sollte den Wert der Einheit taxieren und zusätzliche Milliarden in die Kassen spülen. Seit vielen Monaten arbeitet man bei der Credit Suisse nun intensiv an dem Grossprojekt.

Zweifel an Börsengang mehren sich

Zuletzt jedoch kamen Zweifel an dem Vorhaben auf, unter anderem weil Thiam den Börsengang in öffentlichen Statements weniger deutlich forcierte. Auch heute verwies die Bank auf den Verwaltungsrat, der das letzte Wort habe. Offenbar scheinen sich die Vorzeichen derzeit stärker zu drehen: Der Bedarf an frischem Geld schwindet. Die Credit Suisse hält deutlich mehr Eigenmittel vor, als zuletzt - die Kernkapitalquote stieg auf 11,6 Prozent, gab die Bank heute bekannt.

Damit gehört man zwar noch immer zu den Schlusslichtern in Europa: Selbst die in der Dauerkrise steckende Deutsche Bank steht besser da. Doch die Dynamik ist auf Seiten der Credit Suisse: Der Markt hatte nur mit einer Quote von 11,2 Prozent gerechnet. «Auch die Leverage Ratio ist höher als erwartet», so ZKB-Experte Lodeiro.

«CS Group braucht keine Kapitalerhöhung»

Wegen der besseren Kapitalausstattung habe die Wahrscheinlichkeit eines IPO abgenommen, sagt er. «Bei diesen Kapitalquoten braucht die CS Group keine Kapitalerhöhung.» Ein weiterer möglicher Grund für die neue Zurückhaltung: Womöglich hat man bei der Credit Suisse die Kosten eines IPO zu niedrig angesetzt und wird mittlerweile von der Realität eingeholt.

Entscheidend werde in den kommenden Monaten das Auf und Ab an den Finanzmärkten sein, sagt Lodeiro: «Wenn sich das allgemeine Umfeld eintrübt, hat das Auswirkungen auf die Kapitalquote und die Credit Suisse muss womöglich doch noch reagieren.»

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Thiam: «Wollen Optionalität wahren»

Eben diese Option liess sich Thiam auch am Dienstag offen: Während der Restrukturierung habe die Option auf einen IPO als Sicherheitsnetz gedient, um bei Bedarf das Kapital zu stärken, sagte er gemäss Reuters. «Angesicht des unsicheren geopolitischen Umfelds, in dem wir agieren, wollen wir diese Optionalität bewahren.» Mit anderen Worten: Galt der Börsengang vor Monaten noch als ausgemachte Sache, ist jetzt auch eine Kehrtwende gut denkbar.

Die Credit Suisse scheint von ihrem Plan eines Teil-IPO der Schweizer Bank abzurücken. Dazu CS-Chef Tidjane Thiam im Video-Interview: