Es war eine Show, wie man sie von Selbstdarsteller Kim Schmitz alias Kim Dotcom alias «Kimble» gewohnt ist: Den neuen Tauschbörsendienst «Mega» liess er live vom Stapel, untermalt durch Schauspieler, die seine Verhaftung vor einem Jahr nachstellten.

Die Provokation in Richtung US-Behörden, die seine Auslieferung von Neuseeland fordern, war perfekt. Und sie reiht sich ein in Aktionen wie diese, als er für Osama Bin Laden ein «Kopfgeld» auslobte oder als er Anfang 2002 «live und umsonst» seinen «Selbstmord» verkündete, nachdem er in Thailand aufgrund eines Haftbefehls aus Deutschland wegen Wirtschaftsdelikten festgenommen wurde.

Die neuste Provokation könnte ihn teuer zu stehen kommen. Seit der Anklage durch die US-Behörden im Januar 2012 versuchten er und seine Mitstreiter mit bisher vier Anwaltskanzleien, die Klage in den USA abzuwenden und die Auslieferung durch Neuseeland zu verhindern.

Als Kim Schmitz am 23. Januar 2012 versuchte, die präventive Auslieferungshaft in Neuseeland zu verhindern, erklärte er unter Eid: «Es gibt keine realistische Zukunft, das Geschäft wieder aufzunehmen.» Es sei auch wahrscheinlich, dass die Benutzer eine neue Plattform wie Megaupload als unsicher anschauen würden, weil eine erneute Aktion der USA zu befürchten sei.

US-Justiz bereits angesprungen

Weiter meinte Schmitz: «Solange die US-Anklagepunkte gegen mich und meine Mitangeklagten sowie der Firma nicht geklärt sind, so lange habe ich keine Möglichkeit, geschweige denn einen Anreiz, das Geschäft weiterzuführen.»

Als Kim Schmitz eine Erklärung abgab, die seinen Wunsch für Freiheit gegen Kaution unterstützen sollte, behauptete er: «Es gibt keine Möglichkeit für mich, Megaupload wieder aufzunehmen.»

Im Februar 2012 sagte Schmitz auf die Frage «Was meinen Sie zur Andeutung, dass Sie, wieder in Freiheit, Megaupload oder einen ähnlichen Dienst wiederaufnehmen?»: «Es ist unmöglich, das Geschäft wieder aufzunehmen.»

Am 15. Februar behauptete Schmitz treuherzig vor dem Richter: «Ich kann dem Gericht versichern, dass ich keine Absicht habe (...) Megaupload.com oder einen ähnlichen Dienst wiederaufzunehmen.»

Diese Aussagen entpuppen sich nun als glatte Lügen. Und die Justizbeamten in den USA sind bereits darauf angesprungen, wie Dokumente vom 15. Januar zeigen. Die Staatsanwaltschaft wird die Kimble-Märchen in den USA ins Feld führen, damit weitere Verzögerungstaktiken der Anwälte von Schmitz und Co. ins Leere führen.

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Die Megaupload-Crew

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Gruppenbild mit Dame: Kim Schmitz (2.v.l.) liebte die Selbstinszenierung. Hier mit Mathias Ortmann (l.) und Finn Batato (ganz rechts). (Bilder: Archiv HZ)