«Heute Prämiensenkungen anzukündigen wäre verantwortungslos», sagt Pius Gyger, Leiter Gesundheitspolitik bei Helsana. So müssen die Krankenkassen ihre Reservenpolster wieder aufbauen. «Da man in den letzten Jahren gleichzeitig die Prämien auf behördliches Geheiss künstlich tief gehalten hat, besteht heute Nachholbedarf», sagt Gyger.

Fraglich ist aber, was die Prämienzahler für ihr Geld bekommen. «Was wäre schlecht daran, wenn die Kostensteigerung mit einer Qualitätssteigerung im Gesundheitswesen einherginge?», fragt Konstanin Beck, Gesundheitsökonom bei der CSS in Luzern. Denn solange Kostensteigerung gewünscht und nicht aufgezwungen ist, sei nichts dagegen einzuwenden. Allerdings ist dies in weiten Teile der Schulmedizin nicht der Fall. «Es fehlen echte Preise, Vertragsfreiheit und Wettbewerb», sagt er.

Die steigenden Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien heizen die Diskussion um eine Einheitskasse erneut an. «Ziel der Einheitskassen-Befürworter ist zweifellos, das Versicherungssystem zu schwächen», sagt Pierre-Marcel Revaz, Präsident der Groupe Mutuel. Doch wäre der Anstieg der Gesundheitskosten hauptsächlich auf das Krankenversicherungssystem zurückzuführen, wären die Auswirkungen bereits in den 1960er-Jahren spürbar gewesen. «Heute gibt es 20-mal weniger Krankenversicherer als damals. Die Anzahl Krankenversicherer ist von 1000 auf faktisch 50 geschrumpft», sagt Revaz.

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Wichtig sei, auf dem aktuellen Terrain zu agieren. So sei unter anderem im Rahmen der Solidarität das zunehmende demographische Ungleichgewicht zu berücksichtigen. «Auch der Wettbewerb zwischen Leistungserbringern ist zu fördern, beispielsweise mit der Einführung der Vertragsfreiheit», sagt Revaz.

Obwohl über die letzten 50 Jahre rund 950 Krankenkassen aus dem Markt geschieden sind, dürfte der Konsolidierungsprozess in der Branche weitergehen. «Nur wer 1 Mio Versicherte oder mehr in seinem Portefeuille hat, kann die Skaleneffekte auch wirklich nutzen», begründet Walter Bosch, designierter Verwaltungsratspräsident Sanitas/KPT. Für das Unternehmen entstünden durch die Grösse wesentliche Synergien. «Allein die Vertriebsstruktur effizienter zu gestalten und geografisch zu bereinigen, bringt wesentliche Einsparungen», sagt er.

Allerdings erweist sich die Theorie wesentlich einfacher als die Praxis. «Krankenkassen sind organisch gewachsene, komplexe Gebilde, die von Menschen geführt werden und meistens eine lange Tradition haben», so Bosch.