Ciba ist erst der Anfang. «Es liegt in der industriellen Logik unserer Branche, dass noch viele weitere Zusammenschlüsse folgen werden und zwar weltweit», sagt Jürgen Hambrecht, Verwaltungsratspräsident des weltweiten Branchenleaders und Ciba-Interessenten BASF.

Besonders im Brennpunkt steht in der Schweiz Clariant, deren Aktienkurse seit Jahren dahin dümpeln wie jene von Ciba. Bei Clariant wehrt man zwar ab: «Wir wollen unsere Position als nun einziger global agierender Anbieter von Spezialitätenchemie mit Heimat in der Schweiz ausbauen», sagt ein Sprecher des Unternehmens. Aber auch bei Ciba hatte man vor kurzem Verkaufsabsichten noch dementiert.

Im Unterschied zu Ciba ist es der leicht grösseren Clariant zwar besser gelungen, höhere Kosten an die Kunden abzuwälzen. Sonst aber dominieren zwischen den beiden Unternehmen die Parallelen.

Clariant wie Ciba fehlt es an Grösse, um sowohl bei den Einkaufs- wie bei den Verkaufspreisen auf die Dauer Marktmacht ausspielen zu können. Was bisher als Spezialität mit höheren Preisen verkauft werden konnte, wird zunehmend zum austauschbaren Massengut. Entsprechend hoch ist der Druck auf die die Margen, die bei beiden im Vergleich zu den grösseren Konkurrenten gering sind. Letztere profitieren von Skaleneffekten ? bei zusätzlichem Absatz dank grösseren Absatzmärkten steigen die Kosten unterproportional, die Margen daher überproportional.

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So haben Ciba, wie auch Clariant und allen weiteren ähnlich gelagerten Unternehmen nur eine Alternative: Entweder gehen sie in einem grossen, breit diversifizierten Unternehmen auf oder sie spezialisieren sich auf Nischenprodukte, wie es in der Schweiz Ems und Lonza gut gelungen ist.

Als mögliche Kaufinteressenten für Clariant nennt Martin Schreiber, Chemieanalyst bei der Zürcher Kantonalbank, die saudische Sabic oder die amerikanische Dow Chemical. An der Börse wurde auch der Bayer-Konzern als Kaufkandidat gehandelt.

Aufatmen bei Ciba

Ciba ist der Sandwich-Position zwischen Kunden und Lieferanten nun entkommen. Die Erleichterung nach dem BASF-Angebot ist gross.

Zu feiern gibt es dennoch wenig. Immerhin verliert ein einst stolzes Schweizer Chemieunternehmen seine Selbstständigkeit. Wie Lonza und Ems zeigen, wäre durch eine andere strategische Ausrichtung des Unternehmens auch ein anderer Ausgang möglich gewesen.

Zu den konkreten Folgen des Kaufs ist bis jetzt noch so gut wie nichts bekannt. BASF-Präsident Jürgen Hambrecht will vor dem Zustandekommen des Deals zu möglichen Abbauplänen und Folgen für die Beschäftigten keine Stellung nehmen: «Wie wir nachher die Welt gestalten, haben wir noch nicht endgültig miteinander diskutiert», sagt er. Einzig, dass die Leitung eines Unternehmensbereichs in Basel angegliedert sein werde, stellt er in Aussicht. Zudem würden die Standorte in der Schweiz für 18 Monate gesichert und der Besitzstand der Beschäftigten für zwölf Monate gewahrt bleiben. Ansonsten machten weder der BASF-Präsident, noch Armin Meyer, bisher VR-Präsident von Ciba, einen Hehl daraus, dass einschneidende Restrukturierungen folgen werden. Selbst zu konkreten Synergieeffekten zwischen den beiden Unternehmen will Hambrecht erst nach dem Zustandekommen des Deals Stellung nehmen. BASF kann sich das leisten und die Bedingungen diktieren. Diese lauten: 50 Fr. und kein Rappen mehr. Immerhin lag der Kurs noch im Sommer vor einem Jahr bei 80 Fr. Andere Bieter werden ohnehin kaum auftreten. Das zeigt sich an der Marktreaktion. Der Kurs verharrt seit Bekanntgabe des beabsichtigten Deals leicht unter dem angebotenen Preis von 50 Fr. Bei attraktiven Kaufkandidaten übersteigt der Kurs in der Regel den Angebotspreis.

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Den Ciba Aktionären scheint mittlerweile jede Veränderung recht zu sein. Jeder noch so geringe Hoffnungsschimmer hat in den letzten Wochen der Aktie bereits zu Sprüngen verholfen.

Agosti gibt auf

Adriano Agosti, der mit seinen Forderungen nach einer neuen Führung und Strategie vor allem für diese Entwicklung verantwortlich war, hat mittlerweile die Segel gestrichen: «Wir müssen den Deal akzeptieren. Wir werden wohl unsere Aktien auch andienen», sagt er. Nach wie vor ist er überzeugt, dass Ciba auch als selbstständiges Unternehmen mit anderer Führung eine Zukunft gehabt hätte.

 

 

NACHGEFRAGT


«Wir haben nicht alles richtig gemacht»

Armin Meyer ist VR-Präsident von CIBA SC und war bis Ende 2007 auch deren CEO im Doppelmandat. Für den schlechten Geschäftsgang und strategische Fehlentscheide wird daher vor allem er verantwortlich gemacht.

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Der Aktienkurs ist auch mit dem von BASF gebotenen Preis von 50 Fr. tiefer als im letzten Herbst. Was sagen Sie den Aktionären zu diesem Ergebnis? Letztlich geht Ciba jetzt unter, und Sie gelten als verantworlich dafür.

Armin Meyer: Wir haben strategisch die richtigen Weichen gestellt: Das Textilgeschäft und das Masterbatchgeschäft haben wir verkauft, die operative Agenda gestartet und das bestehende Geschäft restrukturiert. Wir haben nicht alles richtig gemacht, doch wir haben die Firma mindestens so gut geführt, dass sie jetzt mit der weltweit besten Firma verbunden werden kann.

Wie sehen Sie die weitere Konsolidierung in der Chemiebranche?

Meyer: Diese wird kommen und zwar massiv.

In welchem Bereich vor allem?

Meyer: Im Bereich der Spezialitätenchemie. Die kleineren und mittleren Unternehmen werden von dieser Konsolidierung sehr stark betroffen sein. Bei Ciba wollten wir in dieser Konsolidierung früh sein, und das sind wir nun. Man hätte natürlich auch einfach warten können und wie bisher weitermachen. Doch dann wären wir irgendwann das Mauerblümchen geworden. Man findet nicht jeden Tag eine BASF, die einem übernehmen will. Das ist die beste Firma die es für uns gibt.

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Was würden Sie tun, wenn die Übernahme durch BASF wider Erwarten nicht zustande kommt?

Meyer: Dann führen wir unsere bisherige Strategie weiter. Diese hat aber mehr Risiken und der Weg wäre steinig. Doch auch dann ginge Ciba nicht unter.

Sie würden dann also nicht gleich zurücktreten?

Meyer: Nein. Ich diene der Firma, solange es der Verwaltungsrat wünscht?

Würden Sie in diesem Fall VR-Präsident bleiben?

Meyer: Ich bin kein Sesselkleber. Wenn die Firma alleine weitergeführt werden muss, dann würde ich mir das genau überlegen. Wir würden dann neues Blut brauchen. Ich hoffe, dass wir in diesem Fall Leute vom Kaliber finden, die es mir ermöglichen, irgendwann kürzer zu treten.