Die seit der Finanzkrise verstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) kommt nicht aus den roten Zahlen. Trotz der Erholung an den Kapitalmärkten verdreifachte sich der Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum unter dem Strich auf gut 1,5 Milliarden Pfund, wie das britische Kreditinstitut am Freitag mitteilte. Das lag aber vor allem an einem Bilanzierungseffekte bei der Neubewertung der eigenen Schulden. Das operative Geschäft erholte sich von den Rückschlägen Ende vergangenen Jahres und lag mit einem Gewinn von fast 1,2 Milliarden Pfund sogar leicht über dem Ergebnis des ersten Quartals 2011 und übertraf damit die Erwartungen von Analysten.

Rückzahlung der letzten Staatstranche

Vorstandschef Stephen Hester äusserte sich zufrieden über den Jahresauftakt. Die Bank mache weiter «exzellente Fortschritte» beim Beseitigen der Fehler der Vergangenheit. Die Liquidität sei wieder stärker und die Bank nun in der Lage, in der kommenden Woche den letzten Teil der staatlichen Garantieren aus der Finanzkrise an die britische Regierung zurückzugeben. Zudem könne die Bank nun wieder mit der Zahlung von Dividenden auf Vorzugsaktien beginnen. Eine entsprechendes Verbot der Europäischen Union war vor einem Monat abgelaufen. Nach Angaben der Bank liegen für die Ausschüttung 350 Millionen Pfund bereit.

Die RBS ist einer der grössten Sanierungsfälle weltweit. Der seit Ende 2008 amtierende Vorstandschef Hester sagte einmal, sein Job sei es, die grösste Zeitbombe in der Geschichte zu entschärfen. Insgesamt musste das Institut wegen der Finanzkrise mit gut 45 Milliarden Pfund aus der Staatskasse gerettet werden. Das einstige Vorzeigeinstitut der britischen Bankbranche gehört seitdem zu mehr als 80 Prozent dem britischen Steuerzahler. Die Bank hat inzwischen 700 Milliarden Pfund an Risiko aus ihrer Bilanz genommen und 35.000 Stellen gestrichen.

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Die Neubewertung der eigenen Schulden liess im ersten Quartal die Fortschritte aber noch nicht ganz unten in der Bilanz ankommen. Dieser umstrittene Bilanzierungskniff hatte im vergangenen Jahr das Ergebnis vieler internationaler Banken geschönt. Dabei tun sie so, als ob sie bestehende Schulden zu den aktuellen Konditionen aus dem Markt zurückkaufen könnten. Sinkt in schlechten Zeit der Wert der Schuldverschreibungen, könnten die Banken sie theoretisch günstiger zurückkaufen. Das verbuchen sie dann als Gewinn. In guten Zeit wie im ersten Quartal wiederum steigt der Wert dieser Papiere an, so dass der Rückkauf teurer würde. Dies belastet dann die Bilanz.

Eine zusätzliche Belastung musste die RBS für die Fehlberatung von Kunden verbuchen. Sie legte dafür weitere 125 Millionen Pfund beiseite, nachdem sie bereits 850 Millionen Pfund im vergangenen Jahr für Schadensersatzansprüche zurückgestellt hatte. Auch die Konkurrenten Lloyds und Barclays hatten ihrer Rückstellungen erhöht. Sie hatten einer offiziellen Untersuchung zufolge Kunden Restschuldversicherungen angedreht, obwohl diese nie Ansprüche auf Zahlungen gehabt hätten.

(chb/vst/awp)