Obwohl der Verkaufsstart der Immobilien in Andermatt erst Ende Jahr erfolgt, gibt es bereits den ersten prominenten Immobilienkunden: Es ist der Schweizer Unternehmer Giorgio Behr. Der Inhaber der BBC Group plant aber nicht den Einstieg beim schweizerisch-ägyptischen Städteentwickler Sawiris, sondern will eine Villa für sich persönlich erstehen. Wie viel sich Behr sein Feriendomizil in Andermatt kosten lässt, ist noch nicht abzuschätzen. «Unsere Immobilienpreise sind gegenwärtig das bestgehütete Geheimnis», erklärt Orascom-CEO und Chairman Samih Sawiris, «darüber wollen wir erst sprechen, wenn der Verkaufsstart erfolgt.» Vorgesehen sind zu Beginn maximal 20 bis 30 Residenzen und 490 Wohnungen.

Asiatisches Hotel in Andermatt

Konkreter ist der Zeitplan des Tourismusresort bis zur Teileröffnung in den Jahren 2013/14: Noch laufen die militärischen Entsorgungsarbeiten; alle sechs Quartiergestaltungspläne sind bewilligt, die Baubewilligungen sind mehrheitlich erteilt, sodass dem Spatenstich im Herbst 2009 nichts mehr im Wege stehen sollte. Die Grundsteinlegung erfolgt nach der schneebedingten Winterpause im kommenden Frühling.

Ebenso bekannt ist inzwischen, welche Luxusmarke das erste der sechs geplanten Hotels mit total 844 Zimmern zieren wird: Es wird ein Chedi mit 170 Zimmern der asiatischen General Hotel Management (GHM). Weshalb gerade ein exotisches Haus an einem alpinen Ort? Sawiris: «Chedi plant strategisch. Der Hotelbetreiber sieht das Potenzial von Andermatt als Top-Destination. Wir unsererseits wollten als erstes Hotel ein Premium-Produkt. In der Schweiz ist Chedi bislang noch nicht verankert.» Gut möglich, dass die Betreiber der fünf anderen Häuser hierzulande bekannter sein werden. «Wir verhandeln noch.»

Anzeige

Auch wenn Orascom Development in Andermatt seit 2006 rund 30 Mio Fr. in Landkäufe und Projektentwicklung investiert hat und die Gesamtkosten mit über 1 Mrd Fr. veranschlagt werden, ist davon vor Ort noch wenig zu sehen. Einzig ein Info-Center, das am 22. Dezember 2008 eröffnet wurde, dokumentiert bislang, was in Zukunft auf den 1,3 Mio m2 verwirklicht werden soll: Ei- ne integrierte Stadt, die dem knapp 1300-Seelen-Dorf nochmals so viele Arbeitsplätze bescheren dürfte.

Dass Samih Sawiris bei seinem Schweizer Prestigeprojekt, das seinem Konzern zum globalen Durchbruch verhelfen soll (siehe Interview), keine Fata Morgana verwirklicht, sondern Real Estate betreibt, veranschaulicht ein Augenschein in seinem Vorzeigeobjekt in Ägypten: In El Gouna am Roten Meer entwickelte sich in den vergangenen 20 Jahren sowohl eine Tourismushochburg mit demnächst 20 Hotels wie auch eine Siedlungsgemeinschaft mit inzwischen 15000 Einwohnern. Man findet hier alle Annehmlichkeiten, die eine normale Kleinstadt zu bieten hat.

Wer durch die riesige Anlage fährt, zu Fuss braucht es seine Zeit, merkt irgendwann nicht mehr, dass er sich in einer Retorte befindet, weil sie mit Leben gefüllt ist. Seit 1989 wurden in El Gouna bloss 10,9 Mio m2 der insgesamt 36,8 Mio m2 erschlossen. Die beachtlichen Landreserven sind einer der Erfolgsfaktoren hinter dem Geschäftsmodell von Orascom Development, so auch in den übrigen Ländern im Mittleren Osten, in denen die Gruppe vornehmlich tätig ist: Von den total 127 Mio m2 sind erst 16 Mio m2 verbaut (siehe Tabelle).

Neue Budget-Idee vor Expansion

So ganz nebenbei hat Samih Sawiris ein neues Geschäftsfeld erschlossen, weg vom Premium-Segment hin zu Low Budget: Mit der Tochterfirma Orascom Housing Communities baut er in und um Grossstädte neue Wohnsiedlungen mit einfachen Häusern, die nur an Leute mit bescheidenem Einkommen vermittelt werden. Das erste Projekt dieser Art heisst Haram City bei Kairo, wo auf 8,4 Mio m2 rund 50000 Wohneinheiten realisiert werden, 11000 davon stehen bereits und deren 5000 sind verkauft. Um den Erwerb der Immobilien zu vereinfachen, wurde unter dem Namen Tamweel ein eigener Hypothekenfinanzierer gegründet.

Anzeige

Zu den Beweggründen dahinter erklärt Sawiris: «Ich wollte in Ägypten ein Zeichen setzen, dass man sich auf Orascom Development verlassen kann.»

Diese Botschaft scheint nicht nur zu Hause angekommen zu sein, wo ein zweites Low-Budget-Projekt bei Alexandria geprüft wird. Auch ausländische Regierungen sehen darin ein Bedürfnis: Mit der türkischen Regierung gibt es ein Memorandum of Understanding für zwei solche Siedlungen bei Istanbul und Ankara; daneben haben Jordanien sowie die Ukraine ihr Interesse bekundet.

Dieses Geschäftsfeld soll bis 2011 rund 10% zum Jahresumsatz von dereinst deutlich über 600 Mio Fr. beisteuern.