Erst vor zwei Tagen war die enge Vertraute von Medienmogul Rupert Murdoch, Rebekah Brooks, vom Chefposten des britischen Zeitungsverlags News International zurückgetreten. Jetzt ist sie gemäss Medienberichten festgenommen worden. Brooks sei einbestellt worden, berichteten übereinstimmend die Sender Sky News und BBC.

Nach ihrer Festnahme sei Brooks vernommen worden. Scotland Yard bestätigte lediglich, eine Frau sei auf Vorladung bei der Polizei erschienen und daraufhin festgenommen worden. Die 43-Jährige stehe unter Korruptionsverdacht. Zudem gebe es Vorwürfe gegen sie, an einer Verschwörung zum Abhören von Telefonleitungen mitgewirkt zu haben.

Die Behörde nannte lediglich das Alter der Verdächtigen, das mit dem von Brooks übereinstimmt, jedoch keinen Namen. Es ist die zehnte Festnahme in der Affäre.

Beobachter rechnen damit, dass Brooks nach einigen Stunden gegen Kaution freikommt. Rupert Murdoch, sein Sohn James und Rebekah Brooks sollen zudem am Dienstag vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu der Abhöraffäre aussagen.

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Brooks gilt als enge Vertraute von Medienmogul Murdoch und als eine der Schlüsselfiguren in der Abhöraffäre. Ihr werden auch enge Kontakte zu Premierminister David Cameron nachgesagt.

Steiler Aufstieg und tiefer Fall

Die 43-Jährige mit den markanten roten Locken steht im Verdacht, in ihrer Zeit als Chefredaktorin des Boulevardblatts «News of the World» das Abhören von Mailboxen und die Bestechung von Polizisten wenn nicht in Auftrag gegeben, so doch zumindest gedeckt zu haben.

Im Medienimperium Murdochs hat Brooks einst klein angefangen. Doch über die Jahre brachte es die begnadete Netzwerkerin nicht zuletzt dank der Protektion Murdochs bis an die Spitze seiner britischen Zeitungsgruppe News International.

Auch als Anfang Juli Brooks nach Enthüllungen unter Druck geriet, wonach «News of the World» die Mailboxen eines entführten und später ermordeten Mädchens sowie von Angehörigen getöteter Soldaten abgehört hatte, hielt Murdoch weiter die Hand schützend über sie.

Murdochs schützende Hand

Als er in Grossbritannien eintraf, um die Wogen im Abhörskandal zu glätten, wurde der Medienmogul von Reportern nach seiner Priorität gefragt. «Die da», antwortete der 80-Jährige und zeigte auf die fast 40 Jahre jüngere Brooks an seiner Seite. Als der Druck weiter stieg, schloss Murdoch die «News of the World» und zog sein Übernahmeangebot für den britischen Bezahlsender BSkyB zurück.

Doch am Ende reichte es alles nichts: Brooks war nicht länger zu halten und trat am Freitag von ihrem Posten zurück. Ein Absturz sondersgleichen, der nun am Sonntag noch tiefer ging: Die 43-Jährige wurde von der Polizei vorgeladen und sofort festgenommen.

Brooks hatte im Murdoch-Konzern einen steilen Aufstieg hingelegt: Bereits als Teenager soll sie den Wunsch gehegt haben, Journalistin zu werden. Nach einem Studium an der Sorbonne in Paris und ersten Stationen bei Provinzblättern fing sie mit 20 Jahren bei der «News of the World» an.

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Blitzkarriere

Dort arbeitete sie sich binnen weniger Jahre ganz nach oben: Im Jahr 2000 wurde Brooks die jüngste britische Chefredaktorin aller Zeiten. Bis 2003 stand sie an der Spitze der «News of the World» - zur Zeit der Abhöraktionen. Eine Mitwisserschaft weist sie zurück.

Nach dem Chefposten bei «News of the World» leitete Brooks die Redaktion des Massenblatts «The Sun», ehe sie 2009 an die Spitze von News International rückte. Während ihrer journalistischen Karriere stiess sie mit umstrittenen Kampagnen immer wieder auf Kritik. So rief sie etwa ihre Leser auf, verurteilte Sexualstraftäter in ihrer Nachbarschaft an den Pranger zu stellen. Ihr eigenes Privatleben schirmt sie dagegen weitgehend ab.

(cms/sda)