Die Fussball-WM ist für zahlreiche Fussballfans Anlass, ihr altes Fernsehgerät zu ersetzen, um die Spiele auf modernen Grossbildmonitoren mit gestochen scharfem Bild verfolgen zu können. Entsprechend steigen die Verkaufszahlen von TV-Geräten sprunghaft: Schon im Vorfeld der Fussball-EM 2008 waren satte 6% mehr Fernsehapparate an den Mann gebracht worden. Vor der diesjährigen Winterolympiade wurden gar 40% mehr HD-Modelle verkauft.

Mehr Fernsehgeräte bedeuten steigenden Stromverbrauch - und das, obwohl heutige Geräte proportional stromgenügsamer sind. Hier schlägt der Rebound-Effekt zu: Zwar werden die Geräte immer effizienter, doch wird der Effizienzgewinn sogleich durch den Mehrverbrauch zunichte gemacht. Zudem werden insgesamt mehr Geräte genutzt: Im Schnitt besitzt heute jeder Schweizer Haushalt rund 1,4 Fernsehapparate, auf denen immer länger - täglich 21/3 Stunden - ferngesehen wird.

Den Rebound-Effekt belegen zwei im Abstand von zwölf Jahren durchgeführte Studien des Branchenverbands VSE. Demzufolge sank der Stromkonsum leistungsgleicher elektrischer Haushalts- und Unterhaltungselektronikgeräte stetig. Im Haushalt insgesamt stieg der Verbrauch aufgrund wachsender Ansprüche an Komfort und höheren Lebensstandard, die durch zusätzliche Geräte gedeckt werden.

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Standby: Energiepolitisch überholt

Der IT-Branchenverband Swico und Prognos haben folgende Zahlen errechnet: Die 4,6 Mio TV-Geräte hierzulande verbrauchten 2008 rund 800 Mio kWh - 17% mehr als im Jahr 2000, wobei die Anzahl der Geräte in diesem Zeitraum um 13% anstieg. Unter Berücksichtung aller relevanten Faktoren wuchs damit der Stromverbrauch um 10%; er liegt also unter der Steigerung der Anzahl Geräte im Markt. Jedes Gerät verbrauchte im Schnitt 173 kWh, für Neugeräte beträgt der Wert 156 kWh im Jahr.

In den Privathaushalten hängen oft zehn oder mehr Unterhaltungselektronik- und Haushaltsgeräte permanent am Stromnetz. Speziell ältere Geräte fressen im StandbyModus im Lauf des Tages mehr Strom als im Betrieb. Daher ist es sinnvoll, sie jeweils komplett abzuschalten.

Für den Fussballfan vor dem Fernseher heisst das: In absoluten Zahlen konsumiert sein Gerät nur 3% des Haushaltsstroms, etwa gleich viel wie eine alte Glühbirne. Der Verbrauch steigt überproportional, je grösser die Bilddiagonale ist; allerdings gibt es grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen. Veritable Stromfresser waren die erste Generation der Settop-Boxen für digitalen Fernsehempfang, hier bauen die Hersteller inzwischen deutlich effizientere Geräte. Die Versorgung mit Energie jederzeit und in gewünschter Menge ist die Grundlage unseres Wohlstands. Dank technischem Fortschritt lassen sich wesentliche Energiemengen einsparen, ohne auf den gewohnten Komfort und Lebensstandard verzichten zu müssen. Gedankenlosigkeit bei der Nutzung Energie konsumierender Geräte und vor allem beim Neukauf kann den Fortschritt jedoch zunichtemachen. Das gilt nicht nur für Elektrogeräte, sondern auch fürs Autofahren, für Gebäude usw.

Energieeffizienz ist wichtig

Obwohl wir nur rund ein Viertel unseres Energiebedarfs mit Strom decken, wirken sich Versorgungsunterbrüche bei diesem Energieträger verheerend aus. Daher ist es richtig, dem Stromverbrauch ein besonderes Augenmerk zu widmen. So lassen sich die absehbaren Versorgungsengpässe bei der künftigen Energieerzeugung - Stichwort Stromlücke, die mit zunehmendem Verbrauch und gleichzeitig sinkender Produktion immer akuter wird - zumindest etwas abfedern.

Dabei sind keineswegs nur die Konsumenten in der Pflicht. Die Hersteller müssen Geräte bauen, die noch energieeffizienter arbeiten und sie transparent deklarieren. Zudem muss Strom möglichst effizient produziert und verteilt werden. Die Elektrizitätsunternehmen modernisieren daher beispielsweise zahlreiche ältere Wasserkraftwerke, etwa indem sie Turbinen neuester Technik einbauen, die den Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung deutlich erhöhen.

Energieeffizientes Verhalten auf allen Ebenen reicht indes nicht aus, um die drohenden Stromengpässe aufzufangen. Weil Strom künftig mithelfen soll, den Gesamtenergieverbrauch umweltgerecht zu reduzieren, wird der Verbrauch nicht sinken, sondern steigen. Nebst der Nutzung erneuerbarer Energiequellen zur Stromproduktion ist es daher erforderlich, in der Schweiz neue Grosskraftwerke zu bauen. Damit wir auch in vier Jahren in Brasilien auf Knopfdruck live dabei sein können.