Mit den schweizweit 1800 Poststellen als Vertriebspartner ist Sunrise und Red Bull ein gewiefter Schachzug gelungen. Denn bei Kooperationen mit Mobilfunkbetreibern gilt: Sie machen nur dann Sinn, wenn die Angebote für Kunden schweizweit überall erhältlich sind. So wird die Post zum ersten Mal auch Handyabos mit Sunrise-Red-Bull verkaufen.

Ohnehin richtet Red Bull mit der grossen Kelle an. Auf dem eigenen Portal finden sich Action-, Sport- und Lifestyleinhalte sowie aktuelle News und Bilder von Events und Athleten. Auch lokale und tagesaktuelle Nachrichten, Wetterinfos und Sportresultate werden zu finden sein. Das Einsteigerpaket «Simply all» ist bereits für 33 Fr. pro Monat erhältlich.

Sunrise: 900000 Yallo-Kunden

Mit Red Bull Mobile setzt Sunrise noch stärker in Zweitmarken. Als Angebot für Vieltelefonierer ins Ausland vertreibt Sunrise seit über vier Jahren die Marke Yallo und hat bereits mehr als 900000 SIM-Karten im Umlauf. Daneben stellt Sunrise ihr Netz dem Discounter Aldi für dessen Angebot Aldi Mobile und der Kabelnetzbetreiberin Cablecom für deren Mobilfunkangebot zur Verfügung. Sunrise-Sprecher Hugo Wyler sagt: «Es gehört zu unserer Strategie, Partnerschaften und Zweitmarken weiter auszubauen.» In der Branche wird bereits darüber spekuliert, ob Sunrise in zwei Jahren Orange als Partnerin von Coop ablösen könnte. Doch auch Swisscom und Orange sind auf dem Gebiet aktiv. So besteht bereits seit 2005 eine enge Zusammenarbeit zwischen Swisscom und Migros. «M-Budget Mobile entspricht vor allem dem Bedürfnis jener Kunden, die bewusst ein einfaches und günstiges Angebot wollen», sagt Swisscom-Sprecher Sepp Huber. «Die Kunden schätzen die günstigen Preise, die einfache Bedienung und verzichten deshalb bewusst auf Zusatzdienste wie MMS, Combox oder mobilen Internetzugang.» Die Zusammenarbeit wurde erst kürzlich durch das Einführen von M-Budget-Produkten in Swisscom-Shops erweitert. Huber: «Mit über 620000 verkauften SIM-Karten von M-Budget-Mobile ist die Partnerschaft mit Migros sehr erfolgreich.»

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Orange: Weitere Projekte

Orange setzt wie erwähnt auf Coop. «Dank der Verankerung und der starken Präsenz von Coop in der ganzen Schweiz erreicht Orange durch die Zusammenarbeit mit Coop ein sehr breites Publikum und zahlreiche Kundinnen und Kunden, die Orange allein so nicht erreichen könnte», erklärt Orange-Sprecherin Therese Wenger. Coop sei deshalb «ein idealer Partner für Orange im Mobilfunkgeschäft». Orange kann sich weitere ähnliche Kooperationen vorstellen.

Damit eine Firma als Partner für Orange interessant ist, müsse es sich um ein glaubwürdiges, verlässliches und auf Qualität ausgerichtetes Unternehmen handeln, ein Kundensegment ansprechen, das Orange allein nicht vollumfänglich erreichen könne und über einen soliden und erfolgreichen Businessplan für das eigene Mobilfunkangebot verfügen.

Wer macht auch noch mit?

Diese Kriterien erfüllen eine ganze Reihe von Firmen. Gemäss Informationen der «Handelszeitung» liebäugeln weitere prominente Unternehmen mit der Vermarktung eigener Mobilfunkangebote. Konkret werden in der Branche Ikea, Tchibo und Lidl als Kandidaten genannt. Und: Viele diese Firmen bieten im Ausland bereits ähnliche Angebote im Mobilfunk an.

So gibt es von Tchibo in Deutschland das Angebot «Tchibo mobil». Das Unternehmen hat für sein Mobilfunkangebot sogar einen eigenen Namen erfunden: Die Kunden «tchibofonieren».

In Deutschland bietet die Kaffeekette einen einfachen Tarif an: Für 5 Cent pro Minute können Kunden innerhalb des Tchibo-Netzes telefonieren, und in alle anderen deutschen Netzen kostet es 15 Cent pro Minute. Es gibt keine Mindestvertragslaufzeit, keine Grundgebühr und keinen Mindestumsatz. Zudem ist eine kostenlose Mailbox inklusive. In Deutschland arbeitet Tchibo mit Telefónica O2 Germany zusammen. Ist etwas Ähnliches auch in der Schweiz denkbar? Rita Kohler, Sprecherin von Tchibo Schweiz, erklärt: «Wir schliessen ein solches Angebot für die Schweiz nicht aus. Allerdings ist im Moment nichts konkret geplant.»

Blumen, Reisen, Foto - was noch?

Mit den verschiedensten Angeboten ist auch Discounter Lidl in Deutschland aktiv. So gibt es dort etwa Produkte aus den Bereichen Blumen, Reisen und Fotos zu kaufen. Nun will man offenbar auch in der Telekombranche Fuss fassen - wie das Konkurrent Aldi auch in der Schweiz macht. «Eine Kooperation mit einem Mobilfunkanbieter ist nicht ausgeschlossen, aber gegenwärtig nicht geplant», sagt Lidl-Schweiz-Sprecherin Paloma Martino. Bei Ikea erklärt Sprecherin Sonja Blöchlinger, dass das Unternehmen kürzlich in England ein Mobilfunkangebot lanciert habe. «Wir warten jetzt ab, wie das dort läuft. Wenn es ein Erfolg wird, ist das durchaus auch in der Schweiz eine Option.»

Netze überlastet?

Für die Mobilfunkbetreiber sind Kooperationen mit dem Handel zusätzliche Einnahmequellen. Sunrise und Orange, die im Vergleich zur Swisscom deutlich weniger Kunden auf ihren Netzen haben, können so ihre Infrastruktur besser auslasten.

Dass in letzter Zeit vermehrt von überlasteten Mobilfunknetzen in den Grossstädten die Rede war, sei dabei kein Hindernis. Auch nicht bei der Swisscom, sagt Huber: «Wir bauen unsere Netze laufend aus, um die hohe Qualität und Verfügbarkeit zu sichern.» Und Wenger erklärt: «Dadurch, dass sich die Marktanteile im Vergleich zum Ex-Monopolisten im Verhältnis 1:3 verhalten, können wir mit unserem Netz auch ausreichend Kapazitäten, insbesondere für die Zusammenarbeit mit Partnern, bereitstellen.»