Bereits vor zwei Jahren haben der International Accounting Standards Board (IASB) und der amerikanische Financial Accounting Standards Board (FASB) gemeinsam Verhandlungen eingeleitet mit dem Ziel, die beiden Rechnungslegungsstandards IFRS und US GAAP einander anzunähern. Im vergangenen November wurde nun ein wichtiger Fortschritt erzielt: Unternehmen, die an der amerikanischen Börse kotiert sind, aber ihren Firmensitz ausserhalb der USA haben, können künftig bei der Wertschriftenbehörde SEC einen Abschluss nach IFRS einreichen. Sie sind damit nicht mehr gezwungen, sämtliche Transaktionen auch nach US GAAP abzubilden. Das rasche Einlenken der Aufsichtbehörde wurde auch durch ökonomische Zwänge begünstigt. Komplexe, regelbasierte Rechnungslegungsstandards in Übersee haben europäische Firmen in Verbindung mit den scharfen Auflagen von Sarbanes-Oxley zunehmend vor einem Gang an die US-Börse abgeschreckt.

Jetzt ist zumindest eines dieser Hindernisse beseitigt. Die SEC akzeptiert für Geschäftsabschlüsse nach dem 15. November 2007 den internationalen IFRS-Standard. Das gilt aber nicht für nationale IFRS-Standards, wie sie etwa für Australien, Hongkong und China gelten.

Damit kommen die Gespräche zwischen IASB und FASB in eine entscheidende Phase. Geht es nach dem von beiden Institutionen vereinbarten Memorandum of Unerstanding, dann sollen die Konvergenzarbeiten bis 2009 abgeschlossen sein. Für Peter Eberli, Partner von PricewaterhouseCoopers Schweiz, ist weiter ungewiss, «bis zu welchem Grad sich die beiden Standards wirklich angleichen und ob es in Zukunft eventuell sogar nur noch einen Standard geben wird». Eberli ist aber überzeugt, dass die beiden Gremien vermehrt gemeinsame Standards entwickeln werden. Dabei gelte es vor allem auch, die Bedürfnisse der Anwender zu berücksichti- gen. Rechnungslegungsstandards sollten auf soliden Prinzipien («principle based» gemäss IFRS) basieren und die Regeln («rule based» gemäss US GAAP) auf ein Minimum reduziert werden.

Wahlrecht in Sichtweite

In einigen Bereichen wurden auch bereits Fortschritte erzielt. So gibt es einen erweiterten Standard für Unternehmenszusammenschlüsse. Zu Beginn des Jahres wurde ein Entwurf für das Goodwill-Accounting vorgelegt. Philipp Hallauer, Verwaltungsratspräsident von KPMG Schweiz, sieht auch das Wahlrecht zwischen IFRS und US GAAP für US-amerikanische kotierte Gesellschaften in Sichtweite. Dabei rückt vor allem die Finanzberichterstattung ins Zentrum. Die SEC hat im Juli 2007 ein Advisory Committee eingesetzt mit dem Auftrag, das Finanzberichterstattungssystem in den USA zu durchforsten und Verbesserungsvorschläge für die Kommission zu erarbeiten. Im Kern geht es darum, die Finanzberichte klarer und nutzbringender für die Investoren zu gestalten. Überdies sollen die Kosten reduziert und unnötige Belastungen für das bilanzierende Unternehmen vermieden werden. Im kommenden Sommer dürften die Arbeiten abgeschlossen sein. Mit den Vereinfachungen will die US-Verwaltung die eigenen Märkte gegenüber anderen Börsen in Europa und Asien konkurrenzfähig erhalten.

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