«Wenn man glaubwürdig CO2 reduzieren will, muss man auch in den Industrieländern selbst ansetzen», sagt Werner Halter, der Geschäftsführer der c4c (concepts for carbon) AG aus Bern. Das nach eigenen Angaben weltweit tätige Klimaprojekt- und Entwicklungsunternehmen hat gemeinsam mit der Gebäudeversicherung Bern (GVB) ein Projekt initiiert, welches unter dem Patronat des Kantons Bern steht: Die Klimaregion Bern. «Das Projekt ist eine freiwillige Massnahme, die nicht in den Rahmen der Kyoto-Verpflichtungen fällt», hält Halter fest.

Das Projekt könnte auch für andere Regionen Modellcharakter haben. «Momentan gibt es in der Schweiz noch keine Möglichkeit zur freiwilligen Emissionsreduktion zusätzlich zu Kyoto-Verpflichtung», sagt er und erklärt, dass die Klimaregion Bern ein neues Klimainvestitionsmodell darstelle: Einerseits würden klimafreundliche Technologien dadurch konkurrenzfähiger, auf der anderen Seite werde die Klimaregion Bern Emissionszertifikate generieren – und zwar aus regionalen Projekten. «Durch den starken räumlichen Bezug beugen wir der Kritik vor, die gelegentlich am Emissionshandel geäussert wird: Dass es nur darum gehe, billige Zertifikate einzukaufen, anstatt selbst zu handeln», erläutert Halter.

Neue Form von Klimainvestment

Wie funktioniert das Ganze? Kurz: Die Firma c4c entwickelt mit Partnerunternehmen Projekte, durch die jährlich mindestens 5000 t CO2 eingespart werden, die aber ohne eine Zusatzfinanzierung nicht rentabel wären. Die Mehrkosten für eine Klimaoptimierung werden von einem Klimainvestor übernommen, welcher im Gegenzug das Anrecht auf die durch das Projekt erzielten Emissionszertifikate erhält.

Ein Projekt der Klimaregion Bern könnte beispielsweise die Förderung von erneuerbaren Energien in Einfamilienhäusern sein. Projektpartner der c4c wären dann beispielsweise Betreiber von Holzpelletheizungen, Klimainvestor die GVB. Durch eine Investition der GVB würden diese Holzpelletheizungen konkurrenzfähig gegenüber Öl- und Gasheizungen, und in der Folge würden sich mehr Bauherren für eine solche Heizung entscheiden. Die dadurch gewonnene CO2-Einsparung würde in Form von Emissionszertifikaten an die GVB gehen. Gemäss Halter würden solche Projekte für alle Beteiligten eine Win-win-Situation bedeuten: «Der Klimainvestor kann Präventionsmassnahmen unterstützen und gleichzeitig innovative Kapitalinvestitionen tätigen. Die Projektpartner haben die Gelegenheit, neue Ideen zu realisieren, neue Kunden zu gewinnen oder neue Märkte zu erforschen. Die Reduktion der Treibhausgasemissionen hat einen positiven Einfluss auf die Klimaveränderung.»

Eine erste Projektskizze der Klimaregion Bern lag bereits Anfang 2006 vor. Der Kooperationsvertrag, den die GVB und c4c im September 2007 unterschrieben, bedeutete den offiziellen Start des Projekts. Fenaco, BEKB und BLS stehen bereits als Projektpartner fest, und neben der GVB, die in einer ersten Phase 10 Mio Fr. Risikokapital für die Klimaregion Bern bereitstellen wird, konnte auch Swiss Climate Invest SCI gewonnen werden.

Skizzen in der Schublade

Dennoch konnten bis jetzt noch keine konkreten Massnahmen umgesetzt werden. Gemäss Halter wartet man noch auf die notwendigen Weisungen des Bundes bezüglich der Durchführung von Klimaprojekten in der Schweiz. «Ein erster Entwurf der Richtlinie durch die Bundesämter ist nicht zielführend», sagt er. Bis anhin weigere sich der Bund, den Projektpartnern die entsprechenden Emissionsgutschriften auszustellen. Stattdessen beanspruche er die erbrachten Emissionsreduktionen zur Erfüllung seiner eigenen Reduktionsverpflichtung. Dadurch würden additionelle Klimaprojekte verhindert. Doch Halter sagt: «Wir hoffen noch immer auf ein Einlenken des Bundes.»

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