Die beiden Mobilfunkbetreiber Orange und Sunrise wollen sich zusammenschliessen, um der Swisscom «auf Augenhöhe» Paroli bieten zu können. Bevor das neue Unternehmen loslegen darf, nimmt die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) die Fusion genauer unter die Lupe. Es gebe Anhaltspunkte, dass die Übernahme von Sunrise durch Orange eine marktbeherrschende Stellung begründe oder verstärke, teilte die Weko Ende Dezember 2009 mit.

Spätestens Ende April 2010 wird sie ihren Entscheid gefällt haben - so sehen es die gesetzlichen Fristen vor. Die werde man selbstverständlich einhalten, sagt Patrik Ducrey, stellvertretender Weko-Direktor. Ob die Wettbewerbshüter tatsächlich zeitlich viel früher zu einem Entscheid kommen werden, wie in der Branche derzeit gemunkelt wird, lässt Ducrey offen.

Mobilfunklizenzen abändern?

Dass es für das neue Unternehmen Auflagen geben werde, sollte ein wettbewerbsrechtliches Problem festgestellt werden, ist auch für Marc Furrer, Präsident der Kommunikationskommission (ComCom) klar. Die neue Orange muss bei der ComCom die wirtschaftliche Konzessionsübertragung verlangen, da es zu einem Eigentümerwechsel bei Sunrise gekommen ist. Bis heute ist noch kein entsprechendes Gesuch bei der ComCom eingetroffen, wie man dort auf Anfrage bestätigt.

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Doch selbst wenn sie dereinst entscheiden wird, bleibt auch der Telekom-Regulationsbehörde nicht viel Spielraum für Auflagen. Zum einen will man die neue Orange nicht gleich von Beginn an schwächen. Ziel soll es ja gerade sein, dass sie für die bisher mächtige Swisscom ein ernsthafter Mitbewerber ist.

So dürften viele der möglichen Sanktionen reine Gedankenspiele bleiben. Etwa, dass Orange und Sunrise in Zukunft Dritten ihre Netze zur Verfügung stellen müssten. Dies würde zweifellos zu mehr Wettbewerb führen. Doch nur für die Mobilfunklizenzen von Orange und Sunrise könnten allenfalls solche Auflagen gemacht werden, nicht aber für jene der Swisscom. Ihre Lizenzen laufen erst Ende 2013 und Ende 2016 ab. Eine vorherige Änderung ist nicht möglich. Auch ist es nicht einfacher, wenn auf Gesetzesebene Änderungen im Markt vorgenommen werden sollen. Eine Revision des Fernmeldegesetzes ist kurzfristig völlig unrealistisch, weil sich die politischen Akteure in dieser Frage gegenseitig behindern.

Alles deutet deshalb darauf hin, dass die neue Orange wenig zu befürchten hat. Insider halten es für möglich, dass beispielsweise das vorübergehende Weiterführen beider Namen gefordert werden könnte oder dass versucht werde, zusammen mit der Swisscom über eine Öffnung der Netze für Dritte zu verhandeln. Dass die Swisscom hier freiwillig einlenkt, ist eher unwahrscheinlich.

Für die Kunden soll das Zusammengehen von Orange und Sunrise aber in jedem Fall ein Vorteil sein. Dies verspricht Orange-Chef Thomas Sieber an jedem seiner öffentlichen Auftritte seit Verkündung der Übernahme. Das neue Unternehmen wird mit einem Marktanteil von gegen 40% hinter Marktführerin Swisscom eine starke Nummer zwei werden. Und durch die höheren Marktanteile steigt auch die Marge, die das Unternehmen erzielen wird.

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Die Orange-Mutter France Télécom zahlt 1,5 Mrd Euro an die dänische Sunrise-Besitzerin TDC und erhält dafür an der neuen Gesellschaft einen Mehrheitsanteil von 75%. TDC selber bleibt vorerst mit 25% beteiligt. Das neue Unternehmen wird 3,4 Mio Mobilfunkkunden und 1,1 Mio Festnetzkunden haben.