Die Schweiz ist ein Land der Reichen und Top-Verdiener, und viele von ihnen sind dazu bereit, Geld für eine gute Sache einzusetzen. In der Praxis jedoch wird es für die Gönner schwierig: «Vermögende Menschen haben zwar ein gutes Netzwerk, doch wenns ums Spenden geht, stehen sie oft völlig allein da», sagt Beate Eckhardt von Swiss Foundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen.

Zum gleichen Schluss kommt eine Umfrage unter 34 reichen Philanthropen in Grossbritannien, Deutschland und der Schweiz. Die Befragten haben Vermögen von 100 Mio bis zu mehreren Mrd Dollar und setzen pro Jahr mindestens 5% davon für gute Zwecke ein. Ihr Fazit: Viele Reiche würden gerne wohltätig werden, doch sie wissen nicht, wie sie es anpacken sollen.

Viele Chefs schweigen lieber

Ihnen fehlen Antworten auf drängende Fragen: Welche der unzähligen Hilfsorganisationen kümmert sich um Themen, mit denen ich etwas anfangen kann? Kommt das Geld dort an, wo ich es einsetzen will? Kann ich mich irgendwo ungestört mit erfahrenen Spendern austauschen?

Mit dem Erfahrungsaustausch hapert es besonders in der Schweiz, sagt Etienne Eichenberger vom Beratungsunternehmen «wise», das die Umfrage mit der Bertelsmann-Stiftung und der Hilfsorganisation New Philanthropy Capital in Auftrag gegeben hat. Während sich britische Spender rege austauschten, verhalte man sich hierzulande diskret.

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Ein Beispiel dafür ist Thomas Limberger, Präsident und CEO des Industriezulieferers Von Roll. Der 40 jährige ist als Privatmann karitativ tätig, unterstützt Projekte gern auch mal persönlich und vor Ort. Öffentlich über seine Engagements sprechen will er aber nicht. Besonders schweigsam geben sich hochkarätige Wirtschaftsführer wie Rainer E. Gut, Daniel Vasella und Franz Humer. Sie alle engagieren sich unter anderem für die Stiftung Pro Kloster Einsiedeln, wollen aber nicht erwähnt werden, geschweige denn über ihre Tätigkeit reden. Dabei wäre es wichtig, dass erfahrene Wohltäter interessierte Neulinge beraten. Erschwerend kommt hinzu, dass es an unabhängiger Fachberatung fehlt. Anwälte, Notare oder Vermögensberater sind mit karitativen Fragen wenig vertraut. Es sei denn, der Klient will seine Steuer optimieren. Diese Marktlücke haben Firmen wie «wise» entdeckt. Das Unternehmen berät Spender, die für einen guten Zweck mindestens 300000 Fr. investieren wollen.

Die reichen Wohltäter haben genaue Vorstellungen: Sie wollen, dass ihr Geld effizient eingesetzt wird und dass man sie auf dem Laufenden hält, wie das Projekt voran kommt. Meistens wählen die Spender unter mehreren Vorschlägen ein bestimmtes Hilfsprojekt aus und unterstützen es während mehrerer Jahre. «Die Spender geben nicht einfach eine grosse Geldsumme und vertrauen darauf, dass die Hilfsorganisationen schon irgendetwas damit machen werden», erklärt Eichenberger.

Sich überlegen, was man mit dem Spendengeld erreichen möchte und wie es eingesetzt werden soll, das empfiehlt auch Peter Buss, Mitgründer des Zürcher Roundtable für Philanthropie sowie Geschäftsführer der Firma Nonprocons, die unter anderem Donatoren beim Stiftungsaufbau berät. Der Spender könne die Regeln durchaus selber bestimmen. Es sei etwa möglich, mit der Hilfsorganisation einen Schenkungsvertrag auszuhandeln und einen Fonds zu bilden. Immer mehr wohlhabende Spender verlangten zudem klar umschriebene Projekte mit «systematischem Reporting und nachvollziehbarer Wirkungskontrolle». Viele akzeptieren allerdings, dass auch nicht immer alles nach Plan laufen kann.

Martina Ziegerer von der Stiftung Zewo rät: Genau hinschauen, welche Dienstleistung ein Philanthropie-Berater bietet, und sich im Zweifelsfall lieber direkt bei den Hilfswerken informieren. Für Grossspender gebe es meist spezielle Ansprechpersonen. «Schaltet man hingegen eine Beratungsfirma ein, entstehen zusätzliche Kosten», sagt Ziegerer. Durch den Filter könnten zudem wichtige Informationen verloren gehen.

NACHGEFRAGT
«Informeller Austausch findet kaum statt»

Der Mitgründer des Zürcher Roundtable für Philanthropie, Peter Buss, fördert den informellen Austausch unter Wohltätern.

Welches Ziel verfolgen Sie?

Peter Buss: Wir wollen ausgewählte Vertreter von Hilfsorganisationen, Unternehmer, Donatoren, Stifter, Banker und Politiker an einen Tisch bekommen. Ziel ist nicht primär, Spenden zu generieren, sondern sich ungezwungen darüber auszutauschen, wie man als Philanthrop aktiv werden kann. Dieser informelle, offene und vertrauliche Austausch findet bislang kaum statt.

Behalten grosszügige Spender ihr Engagement lieber für sich?

Buss: Ja, sie wollen verhindern, dass sie mit Anfragen und Bettelbriefen überhäuft werden. Ausserdem möchten sie sich nicht der öffentlichen Diskussion stellen. Bei grossen Summen wird schnell Kritik laut, wie man das Geld besser hätte einsetzen können. Nach welchen Kriterien entscheiden Philanthropen?Buss: Es sind meist persönliche Vorlieben. Die Spender wollen etwas bewirken in einem Bereich, der ihnen am Herzen liegt.

Was raten Sie Reichen, die für einen guten Zweck spenden wollen?

Buss: Sie sollten sich klar machen, dass sie nicht überall helfen können. Auch bei einer grossen Spende ist es besser, sich auf ein, zwei Projekte zu konzentrieren, statt das Geld grossflächig zu verteilen.

 

TIPPS
Prüfen Sie Projekte auf ihre Glaubwürdigkeit

Motiv Klären Sie Ihr persönlichesSpendenmotiv.
Stellen Sie sich dabei folgende Fragen:

• Welche Themen liegen mir am Herzen?
• Soll die Spende eine Familientradition weiterführen oder eben gerade nicht?
• Was will ich erreichen?
• Wie viel bin ich bereit zu spenden?
• Möchte ich einmalig oder wiederkehrend spenden?
• Welche Ressourcen und Kompetenzen möchte ich einbringen?
• Möchte ich als Förderer eingebunden werden?
• Brauche oder möchte ich Diskretion und geht das Projekt/ die Organisation auf diesen
Wunsch ein?

Informationen Im SchweizerSpendenspiegel () finden Sie Porträts zahlreicher Organisationen. Er dient als gutes Hilfsmittel für den Einstieg.

Projekte Bevor Sie sich entscheiden,sollten Sie abklären, welchen Hintergrund das gewählte Projekt
hat. Spenden Sie nur für ein Projekt, das glaubwürdig ist und dem Sie wirklich vertrauen. Achten Sie
dabei auf folgende Punkte:

• Welchen Hintergrund haben die Projektträger?
• Sind sie glaubwürdig?
• Berichten sie offen darüber, wofür die Gelder eingesetzt werden?
• Erhalte ich Einblick in den Jahresbericht und in die revidierte Jahresrechnung?
• Erreiche ich schnell den richtigen Gesprächspartner?
• Unterbreitet man mir innert nützlicher Frist gute Projektangebote?
• Ist das Projekt nachhaltig?

Buchtipp Ise Bosch (2007):«Besser spenden», C.H. Beck.