Kunden, die private oder geschäftliche Flüge im Reisebüro buchen, werden vielleicht schon bald nicht mehr mit Swiss und Lufthansa fliegen – jedenfalls wenn es nach dem Willen der rund 900 Aktivmitglieder des Branchenverbandes SRV geht. Deren Task Force hat beschlossen, die beiden Fluggesellschaften ab sofort «passiv» verkaufen zu wollen. Doch diese Drohung wird bislang spärlich «aktiv» umgesetzt.

Auf Anfrage der «Handelszeitung» erklären die grössten Reise-unternehmen Kuoni, Hotelplan/Travelhouse sowie TUI Suisse, die gegen 300 Filialen betreiben, dass sie sich als Mitglieder zwar hinter die Sache des SRV stellten, aber den Passiv-Verkauf erst prüften. «Es gibt heute keine Anweisungen an unsere Reisebüros», sagt Peter Brun, Sprecher von Kuoni.

Als «ultima ratio» wird im SRV gar ein Boykott diskutiert, um die Öffentlichkeit über den brancheninternen Konflikt aufzuklären. An einzelnen Tagen würden demnach keine Tickets von Swiss bzw. Lufthansa verkauft. Mit all diesen Plänen setzen sich die Reisebüros gegen ein Tarifsystem zur Wehr, das in der Schweiz frühestens am 1. Oktober 2008 eingeführt wird.

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Entgelt von 8 Franken pro Strecke

Die Verbandsmitglieder können nicht nachvollziehen, warum sie für die günstigsten Preise der beiden Fluggesellschaften neu ein Entgelt von 8 Fr. pro Strecke entrichten müssen, wenn sie die Tickets wie gewohnt über ihre branchenspezifischen Computerreservationssysteme buchen, während die Endkunden diese sogenann-ten Vorzugspreise ohne Zuschlag bei den Fluggesellschaften kaufen können (Homepage usw.).

Die Reisebüros proben den Auf-stand, weil sie sich gegenüber dem Direktverkauf von Swiss und Lufthansa benachteiligt fühlen. Von all diesen Problemen wissen die Konsumenten wenig bis nichts, da es für sie als Passagiere noch zu keinen Preiserhöhungen kommt. Sie müssen nicht unbedingt tiefer in die Tasche greifen. Die Reisebüros befürchten, sollte das neue Tarifsystem kommen, dass sie ihre Zusatzkosten weiterverrechnen müssen. Dies wiederum stellt für sie einen Wettbewerbsnachteil dar, den sie auf keinen Fall akzeptieren wollen. Allein Swiss setzt 70% ihrer Tickets in der Schweiz über die Reisebranche ab.

Als Alternative plant Swiss den Reisebüros ein Online-Portal zu offerieren, in dem auch sie die Vorzugspreise kostenfrei buchen können. Doch diese Lösung ist bloss für unkomplizierte Ferienkunden interessant, weil die Flüge darin nicht umgebucht werden können. Diesen Vorteil, vor allem für Firmenkunden wichtig, bieten den Reisebüros hingegen die Computerreservationssysteme.

Diffizile Dreiecksbeziehung

Genau hier liegt der Hund begraben, denn Swiss und Lufthansa wollen sich nicht primär mit den Reisebüros anlegen, sondern die Betreiber der Computerreservationssysteme dazu zwingen, ihre Preise zu senken. Die Fluggesellschaften sind der Ansicht, dass sie den Betreiberfirmen zu viel bezahlen (siehe Kasten).

Jean-Claude Donzel, Sprecher von Swiss, sagt: «Das neue Tarifsystem muss nur umgesetzt werden, wenn sich die Betreiber der Computerreservationssysteme nicht bewegen. Daher haben wir die Diskussion früh lanciert. Leider wird diese viel emotionaler geführt, als wir es erwartet haben.» Die Dreiecksbeziehung ist diffizil: Denn mit dem Druck auf die Reisebüros möchten die Airlines Druck auf die Betreiber erzeugen. Doch statt auf diese gehen die Reisebüros nun auf Swiss und Lufthansa los. Bald finden weitere Gespräche statt.