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Reiseplanung leicht gemacht

Wetravel CEO Johannes Köppel
«Über 1200 Reiseveranstalter nutzen Wetravel mittlerweile», Johannes Köppel CEO Wetravel. Quelle: Rian Dundon

Wetravel will mit seiner Online-Buchungsplattform von San Francisco aus den Markt für Gruppenreisen erobern.

Von Marco Brunner
am 03.06.2018

Die Business-Idee

Ob Retraite, Studienreise oder Unternehmensausflug, eine Gruppenreise planen und koordinieren ist für den Veranstalter eine umständliche und zeitraubende Geschichte: «Welcher Teilnehmer möchte welches Arrangement? Wer zahlt was und wie viel?»

Fragen, auf die das Team von Wetravel mit einer Online-Plattform antwortet. Dort können Veranstalter individuelle Buchungsseiten für Reisegruppen erstellen und verwalten. Jeder Teilnehmer kann sich dann selber für ein Angebot einschreiben, Arrangements auswählen und bezahlen.

Die Gründer

Der Zürcher Johannes Köppel hatte die Herausforderung Logistikmanagement bei humanitären Einsätzen für das IKRK in Usbekistan erlebt. Neben Besuchen politischer Häftlinge organisierte er in seiner Freizeit private Gruppenreisen in das zentralasiatische Land. «Der Papierkram und der organisatorische Aufwand waren enorm», sagt der heute 36-Jährige.

Mit dieser Erfahrung im Gepäck und einer vagen Idee, wie man den Buchungsprozess vereinfachen könnte, reiste er nach Kalifornien, um einen MBA an der Haas School of Business in Berkeley zu machen. In seiner Klasse traf er auf den Indonesier Zaky Prabowo und den Aserbaidschaner Garib Mehdiyev. Zusammen mit den beiden reifte Köppels Idee zum Geschäftsmodell.

Der Markt

«Aufgesprungen sind als Erstes Studenten», sagt der Schweizer CEO. Veranstalter von Diplom- und Studienreisen hätten Wetravel zu Bekanntheit verholfen. Mittlerweile sind es kommerzielle Anbieter von Rundreisen, Städtetrips, Yoga-Retraiten und anderen Wellness- und Lifestyle-Angeboten, die der Plattform Wachstum bringen.

Über 1200 Reiseveranstalter nutzen Wetravel mittlerweile. Von San Francisco aus will das zwanzigköpfige Team sein Produkt in den nächsten Jahren zum Hauptmarktplatz für Gruppenreisen ausbauen. Es rühmt sich, die tiefsten Bearbeitungsgebühren der Reiseindustrie anbieten zu können.

Das Kapital

Gestartet ist das Trio 2014 mit 60 000 Dollar von Familie und Freunden sowie Preisgeld aus Wettbewerben. «Die Lektionen in Berkeley zum Thema Unternehmertum haben uns geholfen, viele Anfängerfehler zu vermeiden», sagt Köppel. Es war auch in Berkeley, wo die Gründer Vertrauen für ihr Konzept gewannen. Rob Chandra, Dozent und Venture Capitalist, war einer der ersten Investoren.

Im Frühjahr 2018 konnte das Startup eine Finanzierungsrunde über 2 Millionen Dollar abschliessen. Für Schweizer Verhältnisse eine grosse Summe, im Silicon Valley ein Klacks. Dahinter stehen Investoren rund um Brett Wilson, Mitgründer von Tubemogul, das kürzlich für 540 Millionen Dollar an Adobe ging.

Die Kosten tief halten – das ist die Herausforderung für das Startup mit Sitz in Downtown San Francisco. Da hilft die gute Vernetzung der weitgereisten Gründer. So engagierten sie ihre Software-Entwickler nicht in der Hochlohnhölle der kalifornischen Bay Area, sondern in Aserbaidschan: Dort arbeiten acht Informatiker.

Die Chance

Wetravel konnte diesen Frühling die Eröffnung eines Büros in den Niederlanden bekannt geben. «Bis Ende Jahr werden wir fünf Angestellte in Amsterdam haben.» In Europa sei Wetravel für Veranstalter interessant, die Zahlungen in Euro, Pfund und Dollar entgegennehmen.

Franken könnten auch akzeptiert werden, doch würden diese automatisch in Dollar umgewandelt. «Eine volle Franken-Integration ist im Moment nicht geplant», der Markt sei zu klein und es bestehe noch keine Nachfrage von grösseren potenziellen Kunden.

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Das meint der Experte:

«Eine einfache Zahlungsabwicklung und die Möglichkeit Emotionen in der Kommunikation zu transportieren. Bei solchen Plattformen ist «Convenience» für den Benutzer der Schlüssel zum Erfolg.»

Christian Gressbach Institut für Tourismus und Freizeit HTW Chur

Christian Gressbach Istitut für Tourismus und Freizeit
Christian Gressbach
Quelle: C. Gressbach