Nach aussen hin geben sich die Orange-Verantwortlichen trotz dem negativen Weko-Urteil betont kämpferisch. Man prüfe weitere Schritte, liess Orange-Eignerin France Télécom verlauten. Und auch Orange-Schweiz-Chef Thomas Sieber erklärt in Interviews, dass sich sein Unternehmen noch nicht geschlagen gebe und ein Rekurs wahrscheinlich sei.

Doch ein solcher Rekurs hätte höchstens Symbolwirkung. Denn: Bis es zu einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts käme, würden rund drei Jahre verstreichen. In der Telekombranche, in der die Preise Jahr für Jahr um rund 5% sinken und Investitionen von mehreren 100 Mio Fr. in die Infrastruktur zu tätigen sind, ist das eine Ewigkeit. Auch Swisscom-Chef Carsten Schloter erklärt gegenüber der «Handelszeitung»: «Wenn man drei Jahre lang auf einen Entscheid warten muss, dann gibt es faktisch keine Rekursmöglichkeit. Das ist problematisch, denn diesen beiden Firmen ist durch das Urteil ein Schaden entstanden» (siehe «Nachgefragt»).

«Maximalfrist wünschenswert»

Auch Orange-Sprecherin Therese Wenger erklärt: «Hinsichtlich der Verfahrensdauer bei einem Rekurs gegen den Weko-Entscheid wäre sicherlich wünschenswert, wenn hierfür eine Maximalfrist von beispielsweise sechs Monaten vorgesehen wäre.» Eine lange Verfahrensdauer stehe im Gegensatz zur heute herrschenden hohen Wirtschaftsdynamik, «womit die Gefahr besteht, dass sich die Fusion zum Zeitpunkt des Entscheides nicht mehr realisieren» liesse.

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Die Problematik der langen Verfahrensdauer hat man auch beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse erkannt. «Ein beschleunigtes Verfahren in solchen Fällen wäre sinnvoll», sagt Dominique Reber, Mitglied der Geschäftsleitung von Economiesuisse. «Wir prüfen mit unseren Mitgliedern, wie man die Situation verbessern könnte.»

Für Orange und Sunrise kämen allfällige Neuerungen im Verfahrensablauf aber wohl zu spät. Branchenkenner erwarten, dass Orange wie angekündigt gegen das Weko-Urteil rekurrieren wird - nur schon aus Imagegründen. Parallel dazu prüfe man aber ein abgeändertes Gesuch, heisst es. Gut möglich, dass sich Orange und Sunrise verpflichten würden, innerhalb eines Jahres einer gewissen Anzahl Drittanbietern Zugang auf ihr Mobilfunknetz zu gewähren. Diese Drittanbieter wie Migros, Coop oder Aldi sind es, die mit ihren Angeboten die Preisspirale immer wieder nach unten drehen.

Noch in diesem Jahr wird wohl auch Cablecom nach Abschluss einer neuen Partnerschaft im Mobilfunk mit aggressiven Angeboten auftreten. Kurzfristig dürfte die Rechnung der Weko deshalb aufgehen und es wird mehr Wettbewerb geben.

Langfristig droht aber die Gefahr, dass TDC (Mutterhaus von Sunrise) und France Télécom vor allem eines tun werden: Den Status quo wahren und ihre Investitionen herunterfahren. Wenn man sie in der Schweiz schon nicht wachsen lässt, dann wollen sie wenigstens eine schöne Rendite erzielen.

 
NACHGEFRAGT

Carsten Schloter, Swisscom-Chef

«Orange und Sunrise sind geschwächt»

Sie haben eben am Patrouille des Glaciers, dem härtesten Gebirgswettlauf der Welt, teilgenommen. Ihr Team «One Swisscom» wurde auf Rang 21 von insgesamt 33 klassiert. Sind Sie zufrieden?

Carsten Schloter: Bei diesem Wettkampf geht es weniger um das Resultat, als darum, anzukommen. Das haben wir erreicht, somit bin ich zufrieden.

Sie haben die Fusionspläne Ihrer Konkurrenten Orange und Sunrise unterstützt. Sind Sie enttäuscht, dass es nun nicht dazu kommt?

Schloter: Kurzfristig kann sich Swisscom freuen, dass die Fusion nicht stattfindet. Denn Orange und Sunrise sind nun geschwächt. Langfristig gesehen aber droht uns von der Politik eine härtere Regulierung nach dem Motto: Jetzt wurden Orange und Sunrise geschwächt, jetzt muss man auch Swisscom schwächen. Dies hätte aber auch Nachteile für die Konsumenten.

Sie rechnen also mit einer Revision des Fernmeldegesetzes?

Schloter: Die Gefahr, dass dies geschieht, ist jedenfalls nicht kleiner geworden. Es droht eine Diskussion, wie man auch den Mobilfunk regulieren könnte.

Die Idee einer separaten Mobilnetzgesellschaft steht wieder zur Debatte, um die Kosten zu senken.

Schloter: Diese Diskussion kommt mit einer schönen Regelmässigkeit auf den Tisch. Nur: Besser wird die Idee dadurch nicht. Warum hat die Schweiz weltweit eine der höchsten Dichten an DSL-Anschlüssen? Und warum haben wir im Mobilfunk die sehr gute Abdeckung bis in die Bergtäler? Weil es den Wettbewerb zwischen den Infrastrukturen der verschiedenen Anbieter gibt. Wenn man den aufgibt, wird man ganz sicher an Qualität verlieren, ohne dass die Kosten substanziell sinken.

Um wie viel könnten die Kosten bei einem gemeinsamen Mobilfunknetz denn gesenkt werden?

Schloter: Die Kostenersparnis wird überschätzt. Es ist ja nicht so, dass man bei einem gemeinsamen Netz nur noch ein Drittel aller heutigen Antennen brauchte. Denn deren Anzahl richtet sich vor allem nach dem Verkehr im Netz und nicht nach der Anzahl Anbieter. Und wir nutzen ja schon heute gemeinsam Antennenstandorte.

Cablecom-Chef Eric Tveter sucht einen neuen Mobilfunkpartner und hat sich in der «Handelszeitung» beklagt, es lägen ihm keine Angebote vor.

Schloter: Ich bin überzeugt, dass ihm ein Angebot der Swisscom und eines von Orange vorliegen. Und in den nächsten Tagen wird er wohl auch noch eins von Sunrise bekommen.

Cablecom ist mit den bisherigen Bedingungen unzufrieden.

Schloter: Es gibt Aussagen, die kommen immer wieder. Eine davon ist, dass für einen alternativen Anbieter der Netzzugang eines anderen Anbieters stets zu teuer ist - egal, wie hoch der Preis ist. Das gehört zum Spiel.

Nach dem Nein zur Orange-Sunrise-Fusion steht die Wettbewerbskommission (Weko) in der Kritik. Auch Swisscom hat sich mehrfach erfolgreich gegen Urteile der Weko gewehrt. Wie beurteilen Sie deren Arbeit?

Schloter: Es liegt nicht an mir, die Arbeit der Weko zu beurteilen.

Gegen das Fusionsverbot können Sunrise und Orange beim Bundesverwaltungsgericht rekurrieren. Bis ein Entscheid da wäre, dauert es aber rund drei Jahre. Ist vor diesem Hintergrund ein Rekurs überhaupt realistisch?

Schloter: Sie haben recht, das dauert zu lange. Wenn man drei Jahre lang auf einen Entscheid warten muss, dann gibt es faktisch keine Rekursmöglichkeit. Das ist problematisch, denn diesen beiden Firmen ist durch das Urteil ein Schaden entstanden. Kommt dazu: Aufgrund der immensen jährlichen Investitionen können Sie eine Firma wie Sunrise oder Orange nicht drei Jahre lang quasi auf «Stand-by» führen.

Sie amten derzeit neben Ihrem CEO-Posten bei der Swisscom auch als Chef von Fastweb. Wie lange machen Sie das noch?

Schloter: Das wird wohl noch einige Monate dauern. Ich bin rund drei Tage pro Woche in Mailand bei Fastweb. Auf das Tagesgeschäft der Swisscom hat dieses Engagement aber keinen Einfluss - alles läuft bestens.

Ein CEO, der zugibt, dass das Geschäft auch ohne ihn läuft - braucht es Sie am Ende gar nicht?

Schloter (lacht): Diesen Umkehrschluss können Sie machen. Aber ich hatte schon vorher nicht die Illusion, dass bei Swisscom ohne mich nichts mehr gehen würde.

Wie viel Manpower von Swisscom bindet Fastweb?

Schloter: Nur mich und den von uns eingesetzten Finanzchef von Fastweb, Peter Burmeister.