Den jüngsten Grossauftrag hat Swisslog vom US-Retailer Target erhalten. Ist von Target noch mehr zu erwarten?

Remo Brunschwiler: Ziel ist es, im US-Markt neben Wal-Mart ein zweites Standbein aufzubauen. Bisher haben wir von Target zwei Aufträge verbucht, einen Ende 2006 und den zweiten letzten Monat. Beim ersten geht es um den Aufbau eines neuen Distributionscenters für Targets neuen Geschäftsbereich Lebensmittel. Der jüngste Auftrag ist der erste von einer noch unbestimmten Anzahl von geplanten Automatisierungen regionaler Verteilcenter. Vor diesem Hintergrund erwarten wir weitere Aufträge in den nächsten Jahren.

Das Volumen des letzten Auftrags wird auf 20 bis 30 Mio Fr. geschätzt. Bringt der Aufbau neuer Distributionscenter mehr?

Brunschwiler: Die Schätzung kommt etwa hin. Der erste Target-Auftrag war klar höher.

Erwarten Sie eine ähnliche Auftragskontinuität wie bei Wal-Mart?

Brunschwiler: Von Wal-Mart haben wir bisher zehn Aufträge erhalten. Wir hoffen, dass sich das mit Target ähnlich entwickeln wird.

Hat Wal-Mart noch Potenzial?

Brunschwiler: Insgesamt schon. Aber Wal-Mart hat seit zwei Jahren eine sehr grosse Investitionszurückhaltung, weil das US-Geschäft nicht mehr stark wächst. Wir haben letztes Jahr keinen Wal-Mart-Auftrag erhalten. Derzeit laufen zwar Planungen für ein neues Projekt, ob es aber noch dieses Jahr für einen Auftrag reicht, ist unklar.

Die Aufträge im 1. Halbjahr stammen von den bestehenden Kunden Braun
Melsungen im Wert von 20 Mio und von Coca-Cola Amatil von 34 Mio Fr. Sind neue Kunden in der Pipeline?

Brunschwiler: Den Coca-Cola-Auftrag haben wir 2006 verbucht. Neu in diesem Jahr sind Braun Melsungen und Target. Wir haben weitere Aufträge in der
Pipeline, von bestehenden wie auch von neuen Kunden.

Werden Sie diese im zweiten Semester realisieren?

Brunschwiler: Ja. Das 2. Halbjahr läuft in der Regel besser.

Woher kommen die neuen Warehouse-Kunden?

Brunschwiler: Vor allem aus Westeuropa. In Europa spüren wir jetzt deutlich, dass die Wirtschaft besser läuft.

Wie steht es mit neuen Serviceaufträgen im Warehouse-Bereich, welche die Margenentwicklung positiv beeinflussen?

Brunschwiler: Der Umsatz und die Margen im Wartungsgeschäft sind insgesamt stabil. Einzig im Modernisierungsbereich sind die Margen rückläufig. Der Wettbewerb und der Preisdruck haben sich verschärft, seit die Aufträge vermehrt ausgeschrieben werden. Wir erwarten eine bessere Entwicklung, sobald die jüngeren Neuaufträge in den Servicemodus kommen. Wir erwarten, dass das Servicegeschäft ab 2008 wieder wachsen wird.

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Wichtig für die Margenentwicklung des Gesamtkonzerns ist auch der Bereich Healthcare Solutions.

Brunschwiler: Insgesamt entwickelt sich die Division erfreulich. Allerdings wird der operative Gewinn dieses Jahr nochmals durch die Anwaltskosten im Zusammenhang mit der Patentklage von McKesson gegen PillPick in den USA belastet. Wir sind zwar nach wie vor zuversichtlich, dass wir den Prozess gewinnen können, doch die Kosten sind höher als erwartet.

Bisher rechneten Sie mit 1 Mio Fr. Kosten für 2006 und nochmals 1 Mio Fr. für dieses Jahr.

Brunschwiler: Es wird 2007 sicher mehr als 1 Mio Fr. sein.

Werden Sie den Prozess noch dieses Jahr gewinnen?

Brunschwiler: Der Prozess wird dieses Jahr noch nicht zum Abschluss kommen, sondern wahrscheinlich erst 2008.

Wie entwickelt sich die Sparte der PillPick-Systeme – abgesehen von den
Kosten des Prozesses? Letztes Jahr haben Sie den Breakeven knapp verfehlt.

Brunschwiler: Wir werden dieses Jahr das operative Ergebnis verbessern.

Erreichen Sie die Gewinnzone?

Brunschwiler: Das ist durchaus möglich, werden wir aber Ende Jahr sehen.

Sie kündigten im Healthcare-Bereich Übernahmen an.

Brunschwiler: Zur Beschleunigung des organischen Wachstums in Europa, vor allem im Bereich Rohrpostsysteme, wollen wir die eine oder andere Abrundungsakquisition tätigen. Zielfirmen sind typischerweise bestehende Swisslog-Agenten in Märkten, in denen wir noch nicht stark vertreten sind. Bis Ende Jahr sind ein oder zwei Übernahmen zu erwarten.

Wo genau?

Brunschwiler: Wir prüfen Übernahmen in westeuropäischen Märkten.

Wenn Ihnen 25 Mio Fr. für Übernahmen zur Verfügung standen und Sie im
Mai rund 10 Mio für die schwedische Hardware-Herstellerin Accalon aufwendeten, dann können Sie jetzt noch für 15 Mio Fr. einkaufen. Wieso der fixe Betrag?

Brunschwiler: Die Zahl machen wir abhängig vom Cashbestand und den operativen Reserven, die wir brauchen, um Schwankungen auszugleichen. So ist die Zielgrösse von 20 bis 25 Mio Fr. zustande gekommen.

Was, wenn sich eine ausgezeichnete Gelegenheit ergäbe, die den Rahmen sprengt?

Brunschwiler: Für diese kleineren Akquisitionen wird der Rahmen nicht gesprengt.

Wollen Sie sich im Warehouse-Bereich dieses Jahr mit der Accalon-Übernahme begnügen?

Brunschwiler: Im Hardwarebereich planen wir dieses Jahr keine weitere Übernahme mehr.

Zum Thema Verkauf. Sie wollten die defizitäre Division Consulting/Wassermann bisher nicht verkaufen, sondern zuerst auf Vordermann bringen. Bleibt das so?

Brunschwiler: Der Verkauf von Wassermann ist ein Thema für 2008. Wir erwarten dieses Jahr eine Verbesserung des Resultats, was den Verkauf natürlich einfacher macht.

Sie rechnen also mit schwarzen Zahlen?

Brunschwiler: Wir werden das Resultat verbessern. Ziel ist eine schwarze Null.

Die stärkste Konkurrentin in Europa, Dematic, wurde an eine Private-Equity-
Gesellschaft verkauft. Tritt Dematic nach dem Besitzerwechsel stärker auf?

Brunschwiler: Nein. Ich denke, Dematic ist im Moment sehr stark mit sich selber beschäftigt. Dematic geht es so wie uns 2003/2004. Wir haben unseren Marktanteil erhöht. Ob auf Kosten von Dematic, kann ich nicht sagen.

Swisslog gilt als potenzielles Übernahmeziel von Hedge-Fonds und Beteiligungsgesellschaften. Sind Sie offen für Gespräche, wenn Laxey & Co. anklopfen?

Brunschwiler: Wenn jemand anklopft und den Aktionären einen interessanten Preis zahlen will, dann müssen die Aktionäre entscheiden. Wir sind offen, Lösungen anzuschauen, die industriell und für die Aktionäre Sinn machen.

Gibt es Firmen, mit denen eine Zusammenlegung Sinn machte?

Brunschwiler: Es gibt Firmen, die Swisslog durchaus ergänzen, weil wir im Warehouse-Bereich über wenig Hardware verfügen – auch nach der Übernahme von Accalon. Der Fokus von Swisslog liegt auf Gesamtlösungen. Dementsprechend gibt es einige Firmen, die zu Swisslog komplementär sind. Spekulieren will ich hier aber nicht.

Swisslog erwartet eine Umsatzerhöhung für 2007 zwischen 5 und eher 10% – ist das organisch gemeint?

Brunschwiler: Ja. Der Umsatzbeitrag von Accalon ist sowieso vor allem organisch, weil sie rund 70% des Umsatzes mit uns generieren. Konsolidiert steigert Accalon unseren Umsatz nur um zirka 15 Mio Fr., obwohl sie einen Gesamtumsatz von 50 Mio Fr. erzielen.

Dieses Jahr soll Swisslog wieder Gewinn schreiben. Wird sich auch die Ebita-Marge dem mittelfristigen Ziel von 6 bis 7%
annähern?

Brunschwiler: Wir rechnen mit einem anständigen Nettogewinn und einem verbesserten Ebita-Ergebnis. Aber die Marge wird sich dieses Jahr wegen des Projektmix-Effekts nicht verbessern: Wir haben mehr Neugeschäft, wo die Margen tiefer als im Servicegeschäft sind. Diesem Effekt können wir nächstes Jahr entgegenwirken.

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Steckbrief

Name: Remo Brunschwiler
Funktion: CEO Swisslog, Buchs AG
Alter: 49
Familie: Verheiratet, zwei Kinder
Ausbildung: Lic. rer. pol. MBA Insead

Karriere
1984–1987 Strategische Planung
Ciba-Geigy Basel und Italien
1988–1996 Berater Pharma/Logistik, Mc Kinsey
1996–2003 Leiter Eurocargo, Danzas Management AG
Seit 2003 CEO Swisslog

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Swisslog

Logistikkonzern
Der Buchser Konzern mit 1860 Angestellten erzielte 2006 einen Umsatz von 647 Mio Fr. (+16,3%), einen Betriebsgewinn von 21 Mio Fr. und einen Verlust von 3,5 Mio Fr. Die Ebita-Marge lag bei 4,8%.

Zwei Säulen
Der Bereich Warehouse & Distribution Solutions schrieb 2006 416 Mio Fr. Umsatz und 23,2 Mio Fr. Ebit. Der Bereich Healthcare Solutions erzielte einen Umsatz von 220 Mio Fr. und einen Ebit von 19 Mio Fr. Die Sparte Consulting/Wassermann verzeichnete einen Umsatz von 11 Mio Fr. und
einen Ebit-Verlust von 11 Mio Fr.