Nach der Verhaftung von Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn in Japan hat der französische Autokonzern Renault seine Spitze vorläufig neu strukturiert. Die Weichen wurden an einer Verwaltungsratssitzung am Dienstagabend gestellt. Die operativen Geschäfte werden künftig von Thierry Bolloré gesteuert. Dies teilte das französische Unternehmen mit.

Bolloré war bisher als Vize-Generaldirektor nach Ghosn die Nummer zwei im Konzern. Ghosn bleibt als Vorsitzender vorerst im Unternehmen, Bolloré wird künftig dieselben Befugnisse wie er haben.

Ghosn war am Montag wegen mutmasslicher Verstösse gegen Börsenauflagen verhaftet worden. Internen Ermittlungen zufolge sollen er und ein weiterer Manager ihre Geldbezüge in offiziellen Berichten an die japanische Börse falsch dargestellt und in Ghosns Fall zu niedrig beziffert haben. 

Bis zu 20 Tage in Haft

Medien hatten berichtet, Ghosn habe seit 2011 über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 5 Milliarden Yen (rund 40 Millionen Euro) Einkommen zu wenig angegeben. Details zu den Vorwürfen gegen Ghosn sind nicht bekannt. Nach Angaben von Nissan gab es einen Hinweisgeber. Der staatliche japanische Sender NHK berichtete unter Berufung auf anonyme Quellen, Nissan habe Milliarden Yen für den Kauf und die Renovierung von Häusern für Ghosn in Rio, Beirut, Paris und Amsterdam bezahlt.

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Nach japanischem Recht kann Ghosn bis zu 20 Tagen in Gewahrsam bleiben, bis er angeklagt wird. Dem Manager droht eine Haft von bis zu zehn Jahren.  An der Börse und in der Branche hatte die Nachricht von der Festnahme des Renault-Chefs eine Schockwelle ausgelöst. Die Aktien des Konzerns waren am Montag um mehr als zehn Prozent eingebrochen, am Dienstag verloren sie weitere knapp vier Prozent an Wert.

Architekt der Allianz

Der in Brasilien geborene Franzose mit libanesischen Wurzeln ist weltweit einer der einflussreichsten Automanager. Er gilt als Architekt der Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi, die den weltgrößten Autoherstellern Volkswagen und Toyota den Rang ablaufen will. Das Bündnis könnte nach Befürchtung vieler zerbrechen, wenn Ghosn nicht mehr die Fäden in der Hand hält.

Der französische Finanzminister Bruno Le Maire hat sich für einen Erhalt der Kooperation starkgemacht. Und auch Japan hat nach der Festnahme sein Bekenntnis zu der Auto-Allianz bekräftigt. Ein Regierungssprecher sagte am Mittwoch in Tokio, es sei wichtig, weiter für ein stabiles Bündnis zu sorgen.

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(sda/reuters/ise/mlo)