Vor über einem Jahrzehnt machte der Twingo Furore, primär wegen seines Konzepts, zusätzlich aber auch wegen seines Designs. Denn ein ungewohntes Auto rollte Anfang der 90er Jahre auf die Strasse; ein Fahrzeug auch, das sich durch originelle Formgebung, aber auch durch einen multifunktionalen Innenraum auszeichnete. Mit seinen zu «Kulleraugen» geformten Scheinwerfern wurde der Twingo in vielen Ländern zum Liebling breiter Massen – und zum Markenzeichen der Franzosen. Über 2,4 Mio Fahrzeuge konnte Renault im bisherigen Twingo-Lebenszyklus verkaufen. Dies ist ein gutes Resultat in einem Segment, das in den letzten Jahren zwar ständig wuchs, in dem sich aber auch immer mehr Konkurrenten tummeln.

Die Originalität ging verloren

Mit der Vorgabe, die Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben, waren die Erwartungen an den neuen Twingo besonders hoch gesteckt. Seit der Neuvorstellung vor ein paar Wochen gibt es am Laufmeter Aha-Reaktionen. Nicht nur positive. Zu reden gibt vornehmlich das Karosseriedesign. «Nicht mehr so originell wie der ‹Alte›», ist die am meisten geäusserte Kritik.
Was optisch stimmt: Der neue Twingo ist nur noch in wenigen Bereichen mit seinem Vorgänger vergleichbar, schon gar nicht identisch. Die einstmals ausgefallene, ja als witzig einzustufende Karosserie musste Federn lassen. Von den zu Kulleraugen geformten Schweinwerfern ist nichts mehr übrig geblieben. In seiner Silhouette nähert sich der neue Twingo stark der Linie des Clio an. Der Hintergrund für den Transport der DNA: Durch die stärkere verwandtschaftliche Bindung an die Renault-Familie werden Kosten gespart. Das entspricht den strengen Richtlinien von Konzernchef Carlos Ghosn. Dieser soll zudem die Meinung vertreten: «Design ist keine Spielwiese, wir müssen stärker auf die Wünsche der Kunden achten.» Die Eigenständigkeit, zumindest einzelner Renault-Modelle, leidet unter dieser Konzernpolitik.
Die Kritik am neuen Twingo erachtet die Renault-Seite als übertrieben. Die Begründung für den Wechsel beim Twingo lautet: «Die Zeiten haben sich geändert. Als der erste Twingo auf den Markt kam, gab es kaum Konkurrenz; und der Wagen verfügte über Komforteinrichtungen, wie zum Beispiel die vertikal verschiebbare Rückbank, die es damals im Segment der Kleinwagen nicht gab.»

Aussehen verliert an Bedeutung

Heute seien die Voraussetzungen völlig anders, erklärt Jean-Paul Renaux, Direktor Renault Schweiz, Urdorf. Früher sei die junge Generation auf den ersten Twingo wegen seines Aussehens abgefahren, heute jedoch würden andere Prioritäten gesetzt. Aktuell stünden verstärkt praktische Dinge im Vordergrund, denn die Konkurrenz sei grösser geworden und biete ebenfalls eine reichhaltige Ausstattung.
An Zusatzleistungen kann der neue Twingo mit einer ganze Menge aufwarten. Vom Vorgänger geblieben ist die vertikal verschiebbare Rückbank in der Basisversion, bei teureren Versionen sind sogar Einzelsitze eingebaut. Durch das Verschieben der Sitze (Rückbank) nach hinten ist der Einstieg in den Fond beim als Zweitürer ausgelegten Twingo selbst für grössere Personen unproblematisch. Auch die Kopf- und Beinfreiheit kann für einen Kleinwagen als grosszügig bezeichnet werden. Das Kofferraumvolumen variiert, je nach Sitzstellung hinten, zwischen 165 und eindrücklichen 960 l. Originell und praktisch zugleich ist ferner die nach vorne klappbare Lehne des Beifahrersitzes, sodass sie als Ablage benutzt werden kann. Auch in diesem Punkt stehen also praktische Überlegungen im Vordergrund. Zudem ist das neue Modell in seinen Dimensionen gewachsen, stattliche 17 cm auf 360 cm in der Länge und 5 cm auf 147 cm in der Breite. Das kommt in erster Linie den Insassen zugute, es dominiert im Kleinwagen kein Gefühl der Enge.
Verspieltheit und Originalität hat sich Renault für die Armaturen gegönnt. Sie erinnern an den «alten» Twingo, beispielsweise der Drehzahlmesser, der auf der Lenksäule montiert ist und damit in der Version GT direkt im Blickpunkt des Fahrers liegt.

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Zwischen 60 und 100 PS stark

Für den Antrieb lieferbar ist momentan ein 1,2-l-Vierzylinder-Benzinmotor in drei Leistungsstufen (60, 75 und 100 PS). Die stärkste Version ist mit einem Turbo versehen. In der Schweiz nicht angeboten wird das 65-PS-Dieselaggregat, weil es (vorerst) nicht über einen Dieselpartikelfilter verfügt. Vorgesehen ist aber etwas später eine 85-PS-Variante mit einem Filter, der dann ins Programm von Renault Schweiz aufgenommen wird.