Aus der Sicht des Schweizer Anlegers gibt es gute Gründe, um in «Rohstoffwährungen» wie den australischen und kanadischen Dollar oder den Rand zu investieren.

Als Erstes springt die Zinsdifferenz ins Auge. In der Schweiz sind am Geldmarkt 0,26% zu holen. In Australien sind es 3,7% und in Südafrika 7,2%. Zehnjährige Eidgenossen rentieren 1,38 Prozentpunkte tiefer als kanadische und 3,48 weniger als australische Staatsanleihen. Ein weiterer Pluspunkt für solche Währungen sind die steigenden Rohstoffpreise. Die Gründe hinter dem Anstieg sind dabei unterschiedlich - da ist die Erwartung einer wirtschaftlichen Erholung, die Angst vor einem Einbruch des Dollar und das Misstrauen gegenüber der Geldpolitik der Notenbanken.

Widerstand gegen Aufwertung

Eine Anlage in Rohstoffwährungen bietet somit auf den ersten Blick ein gutes Chance-Ertrags-Verhältnis. Die Angelegenheit ist aus der Sicht eines Schweizer Investors jedoch nicht so klar, wie sie scheint. Denn die Wachstumsaussichten der Nationen, die Rohstoffe exportieren, sind unterschiedlich. So rechnet der IWF für Australien für dieses Jahr mit einem Wachstum von 0,7% und für 2010 von 2%. Südafrikas Wirtschaft hingegen soll 2009 um 2,2% schrumpfen und 2010 mit 1,7% wieder Fahrt aufnehmen.

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Zudem ist die Geldpolitik unterschiedlich. Am aggressivsten ist Australiens Notenbank. Sie hat die Leitzinsen auf 3,5% angehoben. Entsprechend dürfte sie gegenüber einer weiteren Aufwertung des Australien-Dollar gelassen bleiben. Anders Kanadas Notenbank (BoC): Sie warnt vor den Gefahren eines festeren Kanada-Dollar. Zieht dieser weiter an, wäre mit einer Lockerung der Geldpolitik zu rechnen. Das erhöht die Risiken für Anleger im kanadischen Dollar. Ein Risiko, das auch im Falle des russischen Rubels zu beachten ist. Auch Russlands Notenbank wehrt sich gegen eine Aufwertung der Landeswährung.

Als Folge dieser unterschiedlichen Ausgangslagen sollten Schweizer Investoren differenziert in Rohstoffwährungen anlegen. Beim australischen Dollar ist eine Kombination von Geldmarkt und Aktien angezeigt. Dabei sind Aktien unterzugewichten. Erholt sich die Weltwirtschaft, hebt die RBA die Leitzinsen weiter an. Das erhöht die Gefahren für den Aktienmarkt. Für Kanada ist die Sachlage anders. Dessen Notenbank wird sich weiter gegen einen Anstieg der Landeswährung stemmen. Weshalb der Kanada-Dollar fester notiert, dürfte dabei eine untergeordnete Rolle spielen. Eines ist jedoch klar: Kanadas Finanzsystem wird mit billigem Geld geflutet, und die langen Sätze für Staatsanleihen fallen. Das schmälert den Zinsrückhalt der kanadischen Währung. Von mehr Liquidität könnte Kanadas Börse profitieren. Deshalb sollten Aktien relativ zu einer Strategie für Australien stärker gewichtet werden.

Anfällig für Korrekturen

In welcher Rohstoffwährung in den kommenden Wochen das Potenzial am grössten ist, ist schwierig abzuschätzen. Einer Gefahr sind sie alle ausgesetzt: Viele gute Erwartungen für Rohstoffe sind eingepreist. Jedoch sind die Wirtschaftsdaten nicht mehr so klar positiv. Diese Diskrepanz zwischen fundamentalen Entwicklungen und den Kursen macht die Rohwarenmärkte und mit ihnen die Rohstoffwährungen für Korrekturen anfällig.

So kann der australische Dollar von aktuell 0.95 Fr. auf 0.80 Fr. zurücksinken. Beim kanadischen Dollar liegt das Risiko um 0.80 Fr. pro kanadischen Dollar. Aktuell kostet er 0.95 Fr. Etwas anders präsentiert sich die Lage im Rand. Der dürfte von aktuell 13 Rp. gegen 16 Rp. pro Rand klettern.