An der ISO-Normierung von Wasserfussabdrücken sind wir beteiligt, weil damit ein einheitlicher internationaler Standard geschaffen werden kann», sagt Nestlé-Sprecher Soygenis Ferhat auf Anfrage der «Handelszeitung». Der Hintergrund: Die Internationale Organisation für Normung (ISO) hat die Waadtländer Firma Quantis beauftragt, innert fünf Jahren einen ISO-Standard zu erarbeiten. Für Unternehmen auf der ganzen Welt bedeutet dies künftig: Wollen sie wettbewerbsfähig sein, müssen sie über jeden Tropfen Wasser, den sie brauchen, Rechenschaft ablegen.

Der Mann, der bei Quantis für das ISO-Projekt verantwortlich ist und Unternehmen, die Wasser verschwenden, das Fürchten lehrt, heisst Sebastien Humbert. Er sagt: «Das Engagement der Unternehmen ist essenziell, um gegen die drohende Wasserknappheit anzukämpfen.» Die Notwendigkeit, den Einfluss von und Fortschritte bei Corporate Wasserfussabdrücken zu messen und zu kommunizieren, sei grösser denn je.

Ganze Wertschöpfungskette

Quantis, aus einem Spin-off der ETH Lausanne entstanden, ist auf Life Cycle Assessment spezialisiert und hat bereits den Kohlendioxyd- und Wasserfussabdruck des Kleiderherstellers Switcher erhoben. Quantis arbeitet auch bei einem weltweit einzigartigen Pilotprojekt von Nestlé, Holcim, Clariant und Novartis im Wasserbereich mit. Die multinationalen Konzerne haben sich in dem von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) lancierten Projekt in Kolumbien verpflichtet, ihren Wasserfussabdruck zu reduzieren. Dabei soll der Wasserverbrauch in der ganzen Versorgungskette durchleuchtet werden.

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«Der Ansatz des Projekts entspricht unser eigenen Erfahrung, dass der grösste Nutzen durch den Einbezug der gesamten Wertschöpfungskette erzielt werden kann», sagt Elouisa Dalli vom Agrokonzern Syngenta. Eine effiziente Nutzung von Wasser, aber auch Land, Boden und Energie, sei für Syngenta und die Landwirte der Schlüssel dazu, die wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln zu befriedigen, ohne dabei wertvolle natürliche Ressourcen zu verschwenden. Weiter: «Dies ist die erste Studie ihrer Art in Kolumbien und wir hoffen, dass diese über die beteiligten Unternehmen hinaus zu einem besseren Umgang mit Wasser führen wird.»

Vorbild für andere Unternehmen

Wie Nestlé befürwortet auch Syngenta die Normierung der Messung des Wasserverbrauchs. Allerdings sollte sie sich nicht auf ein Produkt, sondern auf das ganze Unternehmen oder eine operative Einheit beziehen. «Die Messung des Wasserverbrauchs jedes einzelnen Produkts ist unseres Erachtens beinahe nicht machbar und sogar irreführend», sagt Dalli. Es stellten sich dann Probleme der Vergleichbarkeit von Produkt zu Produkt als auch über geografische Räume hinweg, wenn zum Beispiel eine Tomate aus einem trockenen Gebiet mit einer aus der Schweiz verglichen werden sollte.

Auch Holcim messe dem Thema Wasser seit längerer Zeit eine grosse Bedeutung bei, erklärt Sprecher Roland Walker. Mit der Teilnahme am Projekt will man andere Unternehmen motivieren, ähnliche Anstrengungen zu unternehmen. Clariant wiederum erhofft sich vom Projekt nicht nur eine Reduktion des Wasserverbrauchs, sondern sieht dies auch als Investition in das gute Image als Lieferant für Abfall- und Wasserwiederaufbereitung, wie Clariant-Sprecher Arnd Wagner erklärt.

Wirtschaftliche Motivation

«Die Reduktion des Wasserfussabdrucks ist für Novartis nicht nur aus sozialethischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen wichtig», sagt Sprecher Satoshi Sugimoto. Die Wasserfussabdrücke der einzelnen Standorte würden im Detail gemessen und rapportiert.

Noch misst jedes Unternehmen sei-nen Wasserfussabdruck individuell. Die grössten Herausforderungen bei der Schaffung eines einheitlichen Wasserfussabdruckes beschreibt Quantis-Experte Humbert wie folgt: Einerseits soll der Abdruck auf einem wissenschaftlichen Modell beruhen, das aber nicht zu sehr vereinfacht und trotzdem von den Praktikern akzeptiert werden sollte. Anderseits müssten möglichst viele Daten in einer Messgrösse zum Ausdruck kommen.