Über die Avelar kooperiert Atel in Italien mit der Vekselbergs Renova-Gruppe. Was erhoffen Sie sich davon?

Giovanni Leonardi: In unserem jüngsten Projekt in San Severo arbeiten wir mit der Renova-Gruppe zusammen. Wir haben für dieses Gasgeschäft aktiv einen Partner gesucht. Die Renova-Tochter Avelar ist im Gasgeschäft tätig, aber auch im Geschäft mit den erneuerbaren Energien und mit Kohle und damit ein idealer Partner. Aus Risiko- und Synergieüberlegungen ist die Kooperation interessant.

Streben Sie weitere Kooperationen mit Renova an?

Leonardi: Geplant ist noch nichts, denkbar ist es aber - überall, ausserhalb der Schweiz.

Steigt Renova dereinst auch bei Atel direkt ein?

Leonardi: Das ist Sache des Verwaltungsrates und der Aktionäre.

Die italienische Atel-Aktionärin AEM hält 5% und forderte eine Zeit lang an der neuen Gesellschaft Atel/EOS eine Beteiligung von 20%. Die Beteiligung ist bei 5% geblieben. AEM könnte mittelfristig nicht in Atel investiert bleiben wollen.

Leonardi: Wir sind auch in diesem Rahmen an der AEM beteiligt. Im Moment ist diese Kreuzbeteiligung sinnvoll. Diese Woche haben wir die Mitteilung erhalten, dass AEM das Umtauschangebot von Atel Holding AG angenommen hat. Damit ist ein grosser Stein auf dem Weg zur Bereinigung der Strukturen von Atel getan.

AEM will also nicht mehr auf knapp 20% erhöhen?

Leonardi: Im Moment ist es in dieser Hinsicht ruhig. AEM ist zurzeit stark beschäftigt mit der Fusion mit dem Stadtwerk ASM Brescia. Das ist ein anspruchsvolles Projekt.

Ruhe in Italien kommt auch Ihnen zu Gute. Sie haben ja auch ein Fusionsprojekt.

Leonardi: Genau. AEM konzentriert sich auf Brescia, wir auf die Zusammenführung mit EOS. Und in einem Jahr haben wir vielleicht wieder Zeit, miteinander zu reden, wer weiss...

Also sind bis in einem Jahr die Westschweizer EOS und Atel zusammengeführt?

Leonardi: Aus meiner Sicht wird das der Fall sein. Das Projekt ist auf Kurs. Die Umstrukturierung von Motor Columbus und Atel läuft. Da AEM ihr Aktienpaket angedient hat, können wir die vollständige Kontrolle über 

ein vereinfachtes Verfahren erreichen.

Bekannt ist seit kurzem, dass Sie CEO der neuen Gesellschaft werden und EOS-Chef Hans Schweickardt wird Verwaltungsratspräsident. Wann bestimmen Sie das Management?

Leonardi: Demnächst. Der Fahrplan sieht so aus: Nach Abschluss der Umstrukturierung bewerten wir die Anlagen. Dann wird umfirmiert und der Sitz nach Neuenburg verlegt. In der zweiten Hälfte 2008 können wir mit der Zusammenführung anfangen. 

Dann kommen die EOS-Händler nach Olten. Und das Management sitzt mit dem Verwaltungsratspräsidenten in Neuenburg?

Leonardi: Es wird Verschiebungen geben. Wie die Logistik organisiert sein wird, das haben wir noch nicht diskutiert. Der Sitz der Holding ist für Neuenburg geplant, derjenige der Geschäftsleitung für Olten.

Der Name der neuen Gesellschaft ist auch nach zwei Jahren immer noch offen – kommt ein neuer Name überhaupt?

Leonardi: Geplant ist ein neuer Name.

Also verschwinden die Marken Atel und EOS?

Leonardi: Davon gehe ich aus. Wenn Sie eine Zusammenführung machen, brauchen Sie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch für den Markt eine neue, gemeinsame Identität, mit der sich alle identifizieren können.

Das wird für viele Mitarbeitende in der Westschweiz und in Olten nicht einfach sein.

Leonardi: Wir müssen den Mitarbeitenden und Kunden eine Perspektive geben, und das kann nur mit einem neuen Namen und Logo geschehen. 

Was erwarten Sie für das Geschäftsjahr 2007 von Atel?

Leonardi: Im Vergleich zum Vorjahr - ausserordentliche Ereignisse vorbehalten – erwarten wir einen höheren Konzernumsatz und deutlich höhere operative Resultate. Allerdings werden die ausgewiesenen Ergebnisse des Vorjahres nicht erreicht. Dies aufgrund der im 4. Quartal 2006 zusätzlich aus der Auflösung von Wertberichtigungen angefallenen namhaften Sondereffekte. Im vergangenen Jahr wiesen wir einen Konzernumsatz von 11,3 Mrd Fr. und einen Konzerngewinn von 899 Mio Fr. beziehungsweise 630 Mio Fr. auf vergleichbarer Grundlage aus.

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Und 2008?

Leonardi: Zum kommenden Jahr können wir noch nicht viel sagen. Einerseits werden im Vertriebsgeschäft viele Verträge erst in diesen Tagen abgeschlossen. Andererseits lassen sich wichtige Parameter wie Wetter, Kraftwerksverfügbarkeit oder die europaweite Entwicklung der Energie- respektive Strompreise nicht voraussagen.