Den Pensionskassen kommt im Triumvirat von staatlichen und betrieblichen Altersrenten sowie privatem Sparen in alternden Gemeinschaften ein immer stärkeres Gewicht zu. Die staatlichen Altersrenten beruhen auf dem Prinzip des Generationenvertrags und verlieren aus demografischen Gründen laufend an Kaufkraft. Die berufliche Vorsorge wirkt dagegen ausgleichend unter Generationen, und die Pensionskassen bergen ein beträchtliches Potenzial für längere und höhere Renten.

Wenn die 1. Säule schwächelt, müssen die Leistungen der beruflichen Vorsorge gesteigert werden. Pensionskassen schweizerischer Prägung bieten hierzu hervorragende Voraussetzungen. Als eigenständige und unabhängige Solidargemeinschaften finanzieren sie Altersrenten aus früheren Beitragszahlungen der Bezüger, die sie mit eigenen Nettoerträgen ergänzen. Zur Erfüllung des Leistungsauftrags müssen die erwirtschafteten Erträge mindestens die reale Entwicklung der Wirtschaft abbilden.

Der Einfluss der Erträge und der damit ermöglichten Zinsgutschriften auf die Höhe der Altersrenten ist enorm (siehe Tabelle). Bereits mit einer moderaten Erhöhung können der unaufhaltsame Aderlass der staatlichen Vorsorge und zunehmende Rentenlaufzeiten mehr als kompensiert werden.

Ungewöhnliche Risikofähigkeit

Die Hauptrisiken von Pensionskassen werden heute unbedarft auf den Zähler des Deckungsgrads oder die einjährigen Schwankungen des Anlagesubstrats reduziert. Die tatsächlichen Risiken verbergen sich hingegen hinter schlechtem Liquiditätsmanagement. Bei Problemen, Leistungen bei Fälligkeit zu bezahlen, wurde nicht hinsichtlich der Volatilität von Anlagen, sondern bei der Liquiditätsplanung etwas falsch gemacht. Effizient funktionierende Pensionskassen gewährleisten bei angemessenen Kosten jederzeit ausreichende Liquidität und eine ungeschmälerte Produktivkraft der Investitionen.

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Aus Ansparphasen von 40 und Rentenbezugsphasen von 20 bis 25 Jahren ergeben sich momentan Vorsorgezyklen von 63 Jahren, die tendenziell ansteigen. Solange den Pensionskassen konstant neue Erwerbstätige beitreten, bescheren ihnen überlappende Mitgliedschaften einen natürlichen, unbegrenzten Existenz- und Anlagehorizont. Dieser bildet die Grundlage für Solidaritäten im zeitlichen Ausgleich von

verschiedenen Rentenlaufzeiten, bedingt durch unterschiedliche Lebenserwartungen,

unterschiedlichen Ertragserwartungen, bedingt durch verschiedene Ein-/Austrittsdaten,

Vermögensschwankungen während der individuellen Vorsorgezyklen.

Die Risikofähigkeit der einzelnen Pensionskasse wird durch den laufenden Liquiditätsbedarf bestimmt. Mit einer guten Durchmischung von jungen und alten Vorsorgenehmern kann eine ungebrochene Liquidität sichergestellt werden, welche den Ausgleich von Schwankungen bei voller Nutzung des Ertragspotenzials erlaubt.

Risiken und Ertrag

Die popularisierten Risiken von Anlagevehikeln werden mit simplen einjährigen Volatilitäten umschrieben. Aus dieser verdrehten Warte gelten Aktien als risikobehaftet und Obligationen als risikoarm, Liegenschaften bewegen sich dazwischen. Das eigentliche Risiko der Pensionskassen, dass sie den angestrebten notwendigen Ertrag nicht erreichen und in der Folge ihren Leistungsauftrag nicht erfüllen, wird aber mit risikoarmen Versicherungs- und Finanzprodukten, wie Geldmarktanlagen, Obligationen und ihren Derivaten, niemals abgedeckt. Dazu ist eine hohe Ertragskraft wesentlich. Zur Entwicklung von kaufkrafterhaltenden Rentenleistungen, dem originären Ziel der BVG-Gesetzgebung, müssen wirkungsvolle Pensionskassen an der Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft teilhaben und sich mit Aktienanlagen am Gewinn von kräftigen, innovativen Unternehmen beteiligen.

Die Schwankungen der Anlagevehikel sind von ihrer Haltedauer geprägt. Während auf einjähriger Basis beträchtliche Unterschiede beobachtet werden, bewegen sie sich ab Fristen von 30 Jahren in sehr schmalen Bandbreiten. Innerhalb der üblichen Anlagefristen von Pensionskassen tendieren die Standardabweichungen durchwegs gegen 1 Prozent und können unter dieser Voraussetzung bei der Portfolioallokation vernachlässigt werden. Entscheidend sind dafür die Renditen der Anlagevehikel, die sich über längere Abschnitte bei vergleichbaren Risiken stark unterscheiden.

Renditenvergleiche

Seit 1900 rentierten im schweizerischen Vergleich Aktien mit 8 Prozent, Immobilien mit 6,5 Prozent und Obligationen mit 4,5 Prozent. Weltweit sind die Unterschiede noch viel ausgeprägter. In den wichtigsten Wirtschaftsländern wurde mit Aktien nominell bis zu fünf Mal mehr Ertrag erzielt als mit Obligationen. In Japan, Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien wurde auf realer Basis mit sogenannt risikoarmen Anlagevehikeln sogar Wert vernichtet.

Pensionskassen produzieren aktuell weit unter ihren Möglichkeiten. Angefangen bei den Durchführungskosten eröffnet sich ihnen ein ansehnliches Sparpotenzial. Hauptsächlicher Kostentreiber ist das Freizügigkeitsgesetz, gleichzeitig ein veritabler Hemmschuh für eine effizientere Anlagetätigkeit, weil damit die natürlich gegebene lange Haltedauer von Anlagen unnötig gebrochen wird.

Mit Kostenreduktionen und einer Verschiebung der Portfoliostruktur zugunsten von Aktien und Immobilien können Effizienz und Sicherheit der betrieblichen Altersvorsorge massgeblich verbessert werden. Eine nachhaltige Erhöhung der Nettoerträge um 1 Prozent ist einfach machbar. Sie steigert die Altersrenten gegen 40 Prozent, und mit Ertragsverbesserungen von 0,25 Prozentpunkten lassen sich die mit der Lebenserwartung zunehmenden Rentenlaufzeiten ausfinanzieren. Unter Nutzung des beträchtlichen Steigerungspotenzials können die Altersleistungen um mindestens die Hälfte erhöht werden.