An welchem Punkt steht Gurit auf dem Weg der Restrukturierung?

Rudolf Hadorn: Im 1. Halbjahr 2008 konnten wir unser Wachstum halten und die Ertragslage verbessern. Die Ebit-Marge liegt über unserer Jahresguidance von 4%. Damit haben wir einen Meilenstein erreicht auf einem Weg, der 12 bis 18 Monate dauern dürfte.

Demnach ist die Restrukturierung 2010 abgeschlossen?

Hadorn: Ich denke 2009 oder 2010.

Wie nachhaltig sind die eingeleiteten Massnahmen?

Hadorn: Zuerst standen Quick Steps an. Dazu gehörten der Verkauf des Wintersportgeschäftes sowie personelle Veränderungen, unter anderem die Suche eines General Managers für die Wind-sparte. Längerfristig werden uns auch die getätigten Änderungen in der Vertragsgestaltung helfen, unser Ziel einer Ebit-Marge von 8 bis 10% bis 2010 zu erreichen.

Wo sehen Sie bis dahin die grössten Herausforderungen?

Hadorn: Wichtig ist, dass wir die Disziplin und Ruhe haben, das Geschäft Schritt für Schritt zu verbessern und nicht vom eingeschlagenen Weg abzuweichen.

Konkret, welche Aufgaben stehen als Nächstes an?

Hadorn: Wir haben noch Verbesserungspotenzial bei der operativen Performance in den Fabriken, im Bereich der Materialbewirtschaftung und der Fertigung.

Wie werden sich die Absatz-märkte von Gurit bis Ende Jahr entwickeln?

Hadorn: Im Windmarkt spüren wir weltweit eine unverändert hohe Nachfrage. Dagegen rechnen wir im Bereich Marine, wo wir in lokaler Währung mit einem Plus von 24% ein sehr starkes Halbjahr hatten, eher mit einer leichten Verlangsamung. Das Wachstum wird aber immer noch deutlich zweistellig ausfallen. «Transportation» und «Automotive» dürften sich wie im 1. Halbjahr weiterentwickeln.

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Wie sind die Werke im Bereich Windenergie ausgelastet?

Hadorn: In Europa gut, mit leichtem Nachholpotenzial in England, wo wir noch Kapazitätsreserven haben. In Kanada und China können wir im Bereich «Prepreg» noch deutlich zulegen. Bei den Schaumprodukten sind wir dagegen komplett ausgelastet. Dort haben wir im 1. Semester 2008 bereits nachinvestiert und Kapazitäten aufgebaut.

Werden nun auch Akquisitionen wieder ein Thema?

Hadorn: Man soll Zukäufe nicht ausschliessen. Der Fokus liegt aber klar im organischen Wachstum.

Wie hat sich der schwache Dollar ausgewirkt?

Hadorn: Der Dollar ist für uns eine wichtige Währung. In gewissen Bereichen haben wir längerfristige Verträge in Dollar abgesichert, was sich sehr gut ausbezahlt hat. Dies werden wir bei den Transaktionswährungen auch weiterhin tun.

Wie haben Sie die steigenden Rohstoffkosten zu spüren bekommen?

Hadorn: Wir hatten steigende Rohstoffkosten erwartet. Durch Global Sourcing, durch disziplinierte Verhandlungen und Preissetzung, konnten wir die nachteiligen Effekte gegenüber dem 1. Halbjahr 2007 bisher in recht engen Grenzen halten. Da die Märkte sehr volatil sind, muss uns dies aber nicht immer gelingen.

Wie ist Gurit von der globalen Wirtschaftsabkühlung betroffen?

Hadorn: Die Entwicklung im Transportation-Business hängt von der Flugzeugindustrie ab. Da moderne Flugzeuge energieeffizienter sind, werden sie heute stärker nachgefragt. Im Bereich Marine sieht man bei den Schiffen unter einer Länge von 30 m eine deutliche Abkühlung in Nordamerika. Davon sind wir aber praktisch nicht betroffen, da wir im Bereich der Luxusyachten tätig sind.

Was ist von Gurit in den nächsten Jahren zu erwarten?

Hadorn: In diesem Jahr wollen wir einen Ebit um 20 Mio Fr. erreichen. Bis 2010 streben wir eine Ebit-Marge von 8 bis 10% an. Zudem wollen wir ohne das Ski-Business ein Wachstum von 7 bis 10% in Schweizer Franken ausweisen. Dazu sind noch weitere Anstrengungen nötig. Schliesslich zielen wir bis 2010 ein Wachstum über 10% und eine Marge von 8, jedoch eher 10% an.

Werden Sie es schaffen?

Hadorn: Aus heutiger Sicht sind diese Vorgaben realistisch.